Avantasia – Oberhausen, GER / Pratteln, CH 2016

20.03.2016 Oberhausen Turbinenhalle, Deutschland

Avantasia Konzerte sind immer eine Macht! Acht Ausnahme-Sänger, 3,5 Stunden Spielzeit, ein fantastisches Bühnenbild und eine imposante Lichtshow gehören genauso dazu wie ein superber Sound. Das ist bereits seit der ersten Tour der Metal-Oper aus dem Jahr 2010 der Fall und das hat sich bis heute nicht geändert!

So verwundert es auch nicht, dass das heutige Konzert mit über 4000 Besuchern ausverkauft ist. Als um kurz nach 20:00 Uhr die letzten Klänge von ‚You Shook Me All Night Long‘ verklingen und das Saallicht erlischt, ist die Turbinenhalle bis unters Dach gefüllt. Die Stimmung ist erwartungsgemäß ab dem ersten Ton von ‚Mystery of a Blood Red Rose‘ fantastisch. Tobi und die Band werden frenetisch begrüßt, fast schon wie alte Bekannte. Ebenso alte Bekannte sind die heute auftretenden Sänger. Michael Kiske, Jorn Lande, Ronnie Atkins, Bob Catley und Eric Martin sind wie schon auf den vorherigen Tourneen als Sänger mit an Bord. Dazu kommen Amanda Sommerville und Herbie Langhans (Sinbreed), die zum einen Backing Vocals übernehmen, zum anderen aber auch eigene Solo Spots haben.

 

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Die Setlist ist zunächst einmal wenig überraschend:  Vom starken neuen Album „Ghostlights“ haben es ganze 7 Songs auf die Setlist geschafft. Mit insgesamt 24 Songs deckt man natürlich alle Alben ab, wobei ich es erstaunlich finde, dass „The Scarecrow“ deutlich mehr zum Zug kommt als das neuere quasi-Doppelalbum „Angel of Babylon“ / „The Wicked Symphony“. Auch wenn die Songauswahl unterm Strich schon okay geht, wundert es mich, dass es einige eher mittelmäßige Nummern in den Set geschafft haben (z.B. ‚ A Restless Heart and Obsidian Skies‘ oder ‚What’s Left of Me‘), dafür aber Granaten der Marke ‚Spectres‘ und ‚The Toy Master‘ unberücksichtigt bleiben. Da aber auf der Bühne jede Menge passiert und sich alle mächtig ins Zeug legen, kommen heute auch die eher mittelmäßigen Songs richtig gut.

 

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Bei Avantasia ist also auch 2016 alles fett im grünen Bereich. Zur Unterhaltung tragen neben der Musik und der Show aber natürlich auch Tobis flotte Sprüche bei. Hier kommt zum Abschluss noch eine kleine Auswahl der besten Schenkelklopfer:

„Wir spielen jetzt schon wieder einen Song vom neuen Album. Aber wenn das Album so gut ist, dann kann man sich das ja auch erlauben.“

„Wir haben auf dieser Tour einen neuen Sänger mit dabei. Die ganze Zeit frage ich mich schon, wer er denn ist. Heute denke ich mir, spreche ich ihn einfach mal an. Es stellt sich heraus, es ist der Herbie von Sinbreed!“

Bei der Ansagen zu ‚Farewell‘: „Den nächsten Song hat Celine Dion von uns geklaut. Aber unsere Anwälte sind dran. Das sieht richtig gut für uns aus!“

Nachdem Tobi bei ‚The Wicked Symphony‘ ausgesetzt hat und dafür gefühlt alle anderen Sänger auf der Bühne waren: „Was war hier denn gerade los? Kaum ist der Kater aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf den Tischen!“

Setlist

Mystery of a Blood Red Rose
Ghostlights
Invoke the Machine
Unchain the Light
A Restless Heart and Obsidian Skies
The Great Mystery
The Scarecrow
Lucifer
The Watchmaker’s Dream
What’s Left of Me
The Wicked Symphony
Draconian Love
Farewell
Stargazers
Shelter From the Rain
The Story Ain’t Over
Let the Storm Descend Upon You
Promised Land
Reach Out for the Light
Avantasia
Twisted Mind
Dying for an Angel
Lost in Space
Sign of the Cross / The Seven Angels

photos: Timo Pässler

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Pratteln, CH, Z7 Konzertfabrik 24.3.2016

In der Schweiz gibt die Band gleich 2 ausverkaufte Konzerte hintereinander, allerdings sind einige noch immer etwas angeschlagen von der Grippe, die sich im Tour Bus breit machte, aber The Show must go on.

Um 20.20 erklingt das Intro, nach und nach betreten die Musiker und die beiden Background Sänger, Herbie Langhans und die einzige Frau in der Truppe Amanda Somerville, gefolgt von Tobias Sammet die Bühne und stimmen in «The Mystery of A Blood Red Rose» ein. Nach und nach gesellen sich seine diesjährigen Mitsänger auf die Bühne. Michael Kiske, Ronnie Atkins, Bob Catley, Eric Martin und Jorn Lande. Wie immer ist es bei den Gast Sängern ein Buhlen um Aufmerksamkeit, wenn sie zu dritt oder viert auf der Bühne stehen, obwohl sie versuchen, möglichst oft aufeinander Rücksicht zu nehmen. Einige Songs mussten ohne Tobi performt werden, weil dieser immer wieder vom Husten geplagt wurde, und ihm der ein oder andere Ton abhandenkam. Aber er hat tapfer durchgehalten und eine Super Show geliefert auch wenn ich mir vorstellen kann wie anstrengend es für ihn war.

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Gesanglich war für mich ganz klar Jorn Lande das absolute Highlight, bei der letzten Tour fehlte der Norweger einfach und laut Jorn hat Herr Sammet auch alle Hebel der Überredungskunst in Bewegung gesetzt, um ihn zurück auf die Bühne zu holen. Die Réunion von Avantasia und Jorn führte auch zu einer Umarmung von Sammet und Lande auf der Bühne unter Applaus. Auch der bereits 68-Jährige Bob Catley scheint sichtlich Freude an seiner Rolle als Storyteller zu haben und singt seine Parts mit grossem Eifer. Der Eifer fiel auch besonders bei Ronnie Atkins auf – man hatte das Gefühl, er sei auf Speed, so nervös und energisch wirbelte der Däne über die Bühne. Nur der Kiske nahm es wie immer ganz locker und witzelte über seine zugelegten Kilos, „wegen denen ihn die Leute mehr als Tobi mögen,“ und er entblösste seine haarige Bärenbrust vor einem gespielt entsetzten Sammet. Herbie Langhans und Gitarrist Oli Hartmann gaben ebenfalls einen Song als Lead Sänger zum Besten; bei Oli erstaunt mich immer wieder sein Talent. Nur fehlt einfach nach wie vor ein Lied für Amanda alleine. Sie ist einfach eine Bereicherung mit der Energie, die sie auf der Bühne versprüht.

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Tobi witzelt wie gewohnt und fordert die Leute nach dem ersten Song dazu auf, richtig zu applaudieren, auch wenn Ostern eine «bedächtige» Zeit sei; mit verschmitztem Lächeln und Schalk in den Augen, den man von Sammet gewohnt ist. Und mit der Zeit taut auch das Publikum langsam auf und feiert mit. Generell sind die Musiker heute in Quassellaune; abgesehen von Ronnie Atkins und Michael Kiske versuchen alle so viel Zeit wie möglich auf der Bühne herauszuschlagen, was ja sehr unterhaltsam ist, aber nach 3 Stunden Show einigen tierisch auf den Zeiger zu gehen scheint. Vor allem Eric Martin erntet für seinen Kommentar, dass er für die Schmuck und Uhren Messe in Basel keine Zeit hätte und für seine Quasselei über Sex und seinen Wunsch nach einem Pornodreh mit Amanda heftige Buh rufe. Allgemein machte sich der Mr.Big Sänger an diesem Abend mit seiner freakigen Art und Weise nicht viele Freunde.
Das Bühnenbild – eine Ruine – ist wie immer sehr gut gemacht; man sieht einfach die Professionalität hinter dieser ganzen Tour. 3,5 Stunden Show und das 33 Shows hintereinander, ganz schön anstrengend, was der Deutsche Sammet da immer wieder auf die Beine stellt. Wie immer war die Show von Avantasia eine grossartige Leistung. Ich persönlich hätte nichts gegen etwas weniger Gequassel gehabt, denn dann hätten auch 3 Stunden gereicht. Aber dennoch war es einmal mehr ein Highlight für die Konzertbesucher.

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Photos by: Sandy Mahrer

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Contributors

Sandy Mahrer

Sandy Mahrer

Fresh Act Redakteurin, Reportagen, Reviews, Fotos - - - Favorisierte Musikrichtungen? - - - Hard Rock, Heavy Metal und Pop-Rock, etc. Weniger Death,Black, Grind Core

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