THIS IS REAL – Fresh Act Februar 2016

Unser Fresh Act des Monats aus Deutschland hatte im Aufnahmestudio Erlebnisse der besonderen Art:

Wer seid ihr – könnt ihr euch / alle Bandmitglieder bitte kurz vorstellen?

Ich bin Kai und spiele Gitarre bei THIS IS REAL. Außer mir sind Robin (Gitarre), Priyanka (Gesang), Christian (Bass) und Daniel (Drums) mit von der Partie. Die anderen haben mich ausgeguckt, das Interview in die Tastatur zu hacken, aber ich spreche natürlich für uns alle.

Wie habt ihr euch kennengelernt und diese Band gegründet?

Wir haben uns Ende 2012 über eine Anzeige bei Facebook kennengelernt. Anfangs wollten Robin, Daniel und ich einfach ein bisschen melodischen Hardcore zocken. Priyanka und Christian kamen 2013 dazu. Alle in der Band hatten zu dieser Zeit gerade einen größeren Umbruch in ihrem Privat- oder Musikerleben hinter sich. Wir waren auf der Suche nach etwas Neuem, in das wir unsere Energie stecken konnten und haben es in THIS IS REAL gefunden.

Wie würdet ihr euren musikalischen Stil beschreiben, wie hat sich dieser Stil entwickelt? Wo sind eure musikalischen Wurzeln und Einflüsse angesiedelt?

Anfangs sollte es noch straight Richtung melodischem Hardcore gehen, aber wir haben schnell gemerkt, dass unsere persönlichen Einflüsse weiter reichen und beim Songwritting immer wieder durchschimmern. Klar, wir haben klassische Hardcoreelemente in unserem Sound wie z.B. die zahlreichen Crewvocals. Aber da ist auch diese Vorliebe für einprägsame Melodien und ein nicht zu leugnender ”Punkvibe”. Der Wechsel zwischen poppigem Cleangesang und Shoutings ist wiederum typisch für Metalcore oder modernen Hardcore. Wenn wir Bock haben, hauen wir auch mal ein Metal- oder Crustriff raus. Insgesamt würde ich uns irgendwo im Bereich ”Modern- oder Posthardcore” parken. Schau dir Band wie ALEXISONFIRE oder A DAY TO REMEMBER an. Die fühlen sich genau wie wir zwischen den Schubladen pudelwohl.

Was hat euch dazu gebracht, selbst Musik zu machen, gibt es da einen “Moment der Erleuchtung”, einen prägenden Song?

Da kann vielleicht jeder kurz seine eigene kleine Geschichte erzählen:

Kai: Mit etwa 9 oder 10 Jahren sah ich ein Iron Maiden T-Shirt mit dem Cover vom Peace of Mind-Album. Ich habe so lange gequengelt, bis meine Eltern es mir gekauft haben. Später hat mir mein älterer Cousin gesteckt, dass Iron Maiden eine Band sind und hat mir ein Mixtape aufgenommen. Ich war begeistert! Dann habe ich rausbekommen, dass mein Cousin auch Bass spielen kann. Von da an war es um mich geschehen…

Daniel: Ich bin durch meinen Vater zum Drummer geworden. Er spielte früher selber Schlagzeug und war daher mein Vorbild, sodass ich als kleiner Junge auf allen möglichen Sachen (Eimer, Topfdeckel und ein Mickey-Mouse-Kinderschlagzeug!!!) rumtrommelte. Zum zwölften Geburtstag gab es dann endlich ein eigenes Drumset und ich konnte richtig loslegen.

Priyanka: Es war kein bestimmter Song, der mich zum Musizieren bewegte, eher eine Band. Ich war damals riesen Fan von Limp Bizkit und allgemein der Crossover- und NuMetal-Musik. Inspiriert von Wes Borland fing ich an E-Gitarre zu spielen. Als dann die Sängerin in unserer Schulband ausfiel, griff ich selbst zum Mikro, wodurch ich mich dann langfristig mehr auf den Gesang als auf das Gitarrenspielen fokussierte.

Christian: Ich komme aus einer sehr musikalischen Familie und es war relativ früh klar, dass ich auch selber Musik machen wollte, nach diversen anderen Instrumenten habe ich dann just for fun mit dem Bassspielen angefangen und es war mir sehr schnell klar, Das ist es.

Robin: Ich habe, soweit ich mich erinnere, im Alter von 10 oder 11 Jahren angefangen Musik zu hören. Ich habe etwas Rockmusik gehört und mehr und mehr elektronische Musik. Mein Bruder, der gerne Punkrock hörte und hört, intervenierte im Alter von 13 Jahren und gab mir einige CDs, die ich mir anhören sollte. Schnell fand ich heraus, dass die Ärzte mir mehr zu sagen haben als die Toten Hosen. Die Texte aus dem Punkrock und später Hardcore haben meine Sicht auf die Welt erheblich beeinflusst. Mein Bruder schenkte mir zum 14. Geburtstag eine alte gebrauchte Gitarre einer Freundin. Das hat buchstäblich mein Leben verändert und meinen Blick auf die Welt.

In welchen Bands habt ihr vorher gespielt? Habt ihr noch weitere Projekte am Start?

Ich selbst spiele noch bei TO RESIST FATALITY (Progressiver Deathmetal), die momentan im Dornröschenschlaf liegen. Vorher war ich bei den Melodic-Punks von SMOKY JOE aktiv, die es jedoch nur auf ein Album gebracht haben. Priyanka war früher bei RIPPED APART (Metalcore). Daniel spielt derzeit noch bei SPRÜPUZZ (Punk) und bei SEPARATED MINDS (Grunge). Robin ist als Singer/Songwritter unterwegs. Christian war vorher bei ein paar kleineren Bands am Start. Aber für uns alle ist THIS IS REAL unsere musikalische Hauptbeschäftigung.

Wie schreibt ihr eure Musik und Texte, ist es Teamarbeit oder macht das eine Person alleine?

Songwritting passiert zu 98% bei uns im Proberaum in Teamarbeit. Wenn nicht alle eingebunden sind, kommt kein THIS IS REAL-Song heraus. Die Lyrics kommen größtenteils von Priyanka, aber auch Robin und ich steuern gelegentlich einen Text bei. Das schöne bei uns ist, dass es keine Alphatiere gibt und alles wirklich gemeinschaftlich passiert.

Steckt eine bestimmte Philosophie hinter eurer künstlerischen Tätigkeit, oder woher holt ihr euch die Inspiration?

Das ist ein weites Feld … Unsere Bandphilosophie kann man als linksalternatives Gutmenschentun beschreiben. Gutmensch sein ist etwas sehr positives! Neben gesellschaftskritischen Inhalten haben wir aber auch persönliche Lyrics, in denen es um Werte wie Freundschaft oder zwischenmenschliche Probleme geht. Wenn uns etwas am Herzen liegt, schreiben wir darüber. Inspiration kann man aus allem möglichen ziehen, sei es ein Blick in die Nachrichten, ein persönliches Gespräch oder etwas Spirituelles.

Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen – steckt da eine Geschichte dahinter?

Den Bandnamen kann man wörtlich nehmen. THIS IS REAL heißt, hier ist nichts gekünstelt oder gestellt. Daher haben wir uns auch den Schwan als ”Wappentier” ausgewählt. Er steht in der Symbolik für Aufrichtigkeit, Anmut aber auch für die Intuition. Außerdem klang der Bandname einfach cool.

Wie sieht die (Rock/Metal) Szene in eurer Gegend / eurem Land aus, ist es schwierig für euer Genre?

Als deutsche Band haben wir es relativ leicht. Um künstlerische Freiheiten braucht man sich hier keine Gedanken machen. Auch wenn in unserer Heimatstadt Göttingen immer mehr Klubs dichtmachen und Proberäume rar sind, hatten wir bislang immer Glück. Die Szene ist groß und breit aufgestellt. Natürlich gibt es auch Menschen, die dabei in Konkurenzdenken verfallen, aber den Großteil der deutschen Hardcoreszene erleben wir als freundlich, aufgeschlossen und engagiert. Es gibt viele Konzertgruppen und Jugendzentren, die Shows auf die Beine stellen. Der Slogan ”Szene lebt vom mitmachen” hat immer noch Bedeutung. Auch wenn sich heute vieles im Vergleich zu vor zehn oder fünfzehn Jahren ins Internet verlagert hat

Was sind eure Ziele, Träume, was wollt ihr mit eurer Musik erreichen?

Als Musiker hat man den Anspruch, hörenswerte Songs zu schreiben und sich von Platte zu Platte weiter zu verbessern. Wir müssen nicht reich oder berühmt werden. Aber es wäre gelogen, wenn man behaupten würde, dass nicht jeder von uns davon träumt, Abend für Abend vor 500 begeistert mitsingenden Kids zu spielen. Als Musiker lebt man halt auch immer ein wenig von der Reaktion des Publikums.

Was macht ihr im „richtigen Leben“, wenn ihr keine Musik macht?

Ich bin hauptberuflich als Archäologe tätig. Nebenbei schreibe ich unter einem Pseudonym Thriller und Horrorstories. Daniel studiert Chemie und macht viel Musik. Christian und Priyanka sind angehende Juristen. Während Christian seine Zeit mit Büchern und dem Internet verbringt, widmet sich Priyanka ihren Hunden. Robin ist studierter Biologe mit Kampfsportbegeisterung und macht gerade seinen Doktor.

Insgesamt sind wir alle als ”Nerds” wohlwollend beschrieben. Wir hängen gern zusammen ab und wenn wir uns treffen, läuft es eher auf Brettspiele, Kochen oder einen Konzertbesuch hinaus, als auf Feierngehen.

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Sucht ihr eine Plattenfirma oder wollt ihr lieber beim DoItYourself bleiben?

Beides hat Vor- und Nachteile. Naturgemäß ist und war Hardcore und Punk schon immer eine DIY-Sache. Die musikalische und textliche Radikalität der Szene braucht Unabhängigkeit. Aber es ist schon nett, wenn du als Band ordentlich touren kannst und deine Platte erhältlich ist. Als Musiker willst du dich auf die Musik und die Inhalte konzentrieren. Starke Partner für die organisatorischen Dinge an deiner Seite helfen da sehr weiter. Es muss nicht gleich ein Major-Label sein. Gerade in unserer Sparte gibt es enthusiatische kleine Plattenfirmen, die tolles Zeug raushauen und sich für die Bands richtig reinhängen. Um auf die Frage zurückzukommen: Ja, wir suchen eine Plattenfirma, die zu uns passt.

Was sollte die ideale Plattenfirma für euch tun?

Wir wollen auf Tour gehen. Unsere Plattenfirma sollte daher Kontakte zu einer guten Bookingagentur haben. Unser Label sollten außerdem eng mit den Bands arbeiten und sie langfristig nach vorn bringen wollen. Eine Label/Band-Beziehung muss aus Geben und Nehmen bestehen.

Wie sind eure Konzerte, was geht da ab? Wie sieht der perfekte Club / das perfekte Festival für euch aus?

Wir mögen Klubshows, bei denen die Location mit energiegeladenen, enthusiatischen Kids vollgepackt ist. Wir geben immer 100%, denn wir spielen auch für uns selbst. Man kann niemanden mitreißen, wenn man nicht völlig in dem aufgeht, was man tut. Wenn wir nach der Show nicht durchgeschwitzt und heiser sind, haben wir etwas falsch gemacht. Wenn das Publikum in genau dem gleichen Zustand ist, haben wir hingegen alles richtig gemacht.

Habt ihr eine wüste Geschichte auf Lager, z.B. Was bei einem Konzert / einem Festival schief ging?

Wie wäre es mit einer Horrorstory von den Studioaufnahmen unseres Debutalbums ”Swansongs”? Daniel und ich nahmen gerade die letzten Drumsspuren auf, als ein verschwitzter, blasser Typ in den Raum gestürmt kam, die Tür hinter sich zuschlug und sich panisch umsah. Er faselte etwas von russischen oder tschetschenischen Mädchenhändlern, die hinter ihm her seien. Der Kerl hatte Pupillen, so klein wie Stecknadelköpfe und trug bei ca. -10 °C Außentemperatur nur eine kurze Hose und ein T-Shirt. Und zu allem Überfluss fuchtelte er mit einem beindruckend großen Küchenmesser vor unseren Augen herum. Daniel und mir ging der Arsch ziemlich auf Grundeis! Wir konnten den Kerl davon überzeugen, dass einer von uns sich ja nach den bösen Gangstern draußen umsehen könnte, da sie uns ja nicht kannten. Wir nutzen die Gelegenheit, um die Polizei zu rufen. Als die ankamen, hatte der Typ sein Messer in unserem Raum versteckt und wartete im Dunkeln! Zum Glück konnte die Situation entschärft werden. Wie sich herausstellte, war der Gute als eifriger Nutzer chemischer Drogen mit gelegentlichen Ausfällen den Cops schon wohlbekannt. Hut ab vor Daniel, der den letzten Song noch schnell ins Pult gezittert hat, bevor wir uns entschieden, den Aufnahmetag lieber früher als später zu beenden. Der besagte Song trug noch lange den Arbeitstitel ”Messerjunkiesong”.

Wenn ihr frei wählen könntet – mit welcher Band würdet ihr gerne touren, und warum?

Ich glaube, niemand von uns wäre böse, wenn uns RISE AGAINST oder COMEBACK KID mit auf Tour nehmen würden. Das waren die beiden Bands, die in der ersten Kontaktanzeige, über die wir uns als THIS IS REAL gefunden haben, als grobe Orientierung erwähnt waren. Auch wenn wir heute natürlich ein bisschen anders klingen, wäre das ein tolles Tourpaket und die Verwirklichung unserer Träume als kleine Fanboys- & girls, die wir tief in uns drin immer noch sind.

Die technische Errungenschaft, die euch noch zu eurem Glück fehlt?

Eine Pille gegen Ignoranz und Dummheit? Zählt das? Warum, wird offensichtlich, wenn man die Nachrichten anschaltet.

Was habt ihr in naher Zukunft vor?

Unser Debutalbum ”Swansongs” ist fertig aufgenommen, gemischt und gemastert. Es soll schnellstmöglich veröffentlicht werden (Hallo, liebe Labels!!!). Ansonsten arbeiten wir schon eifrig an neuen Songs und buchen Shows. Für 2016 wollen wir möglichst viele Leute mit THIS IS REAL bekanntmachen!

https://www.facebook.com/thisisrealband

https://thisisrealband.bandcamp.com

Bandphoto: Pashalis Nikoloudis

Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir! Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also "Mädchen für alles" - - - Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater... also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.

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