Kimmo Pohjonen – Sensitive Skin

Octopus label / Ondine, Finland, VÖ Herbst 2015

Zwei weibliche Gesangsstimmen im Kontrast zu heftigen Noise-Attacken? Nö, hier geht es nicht um die Japaner Baby Metal… diese Finnen haben viel mehr drauf, obwohl sich der Inhalt der CD eher mit (Prog) Rock als Metal vergleichen liesse…

Für all jene, die Kimmo Pohjonen noch nicht kennen:

Ja, das ist ein Akkordeon, das sich in den Händen dieses Herren in etwas (wahrhaft) Einzigartiges verwandelt – eine mirakulöse Maschine, ein magisches Gerät, das jeglicher akustischer Ausdrucksform fähig ist. Sei es eine liebliche melodiöse Brise oder die akustische Entsprechung eines Faustschlags mitten ins Gesicht. Ein exzentrischer Schamane von noch exzentrischer Musik, der dich in neue akustische Dimensionen versetzt. Daher nicht so einfach, den Herrn in ein Genre einzuordnen. Ich weiss nicht mehr, ob Plattenladen oder Bibliothek, jedenfalls haben die ihm da einfach seine eigene Abteilung gegeben …

Sein jüngstes Werk Sensitive Skin stellt in der Tat etwas Besonderes dar, nicht nur wegen dem tollen kristallklaren Sound (produziert und gemixt von James Spectrum) und weil Pohjonen neue Terrains auslotet mit Hilfe diverser GastmusikerInnen, z.B. Kronos Quartet (string quartet), Samuli Kosminen (drums, percussion), Ismo Alanko (vocals), Lauri Porra (bass).

Die eingangs erwähnten Sängerinnen sind nämlich seine Töchter Inka und Saana, die ihn ausserdem an Gitarre und Drums begleiten, wenn es um Live-Präsentation des Albums geht. Die beiden schienen erheblichen Einfluss auf das Ergebnis gehabt zu haben, abgesehen von der Tatsache, dass Kimmo hier ausreichend Zeit und Musse hatte, die CD im hauseigenen Studio fertigzustellen. Verglichen mit früheren Alben (Kielo, Uumen, Kluster) scheint Sensitive Skin das melodischte und verspielteste – oder sogar fröhlichste – bisher zu sein. Als würde hier die Liebe des Künstlers für seine Familie durchscheinen und eine transzendente Stimmung kreieren – Musik, die heilende Kräfte zu besitzen scheint (z.B. der erhabene Track Sub).

Versteht mich da nicht falsch, da geht noch genug die Post ab, dass man sich live bei einer (Progressive) Rock Band Jam Session fühlt (Cyclon, Emissio, Atomi).

Das alles macht Sensitive Skin zu einem ausgesprochen ”zugänglichen” Album, das vielleicht sogar das Zeug hat, Mainstream-Publikum zu erreichen? Eventuell ist es bereits auf dem besten Weg dazu, erklomm es doch Platz 4 in den World Music Charts Europe.

Listen to “Cyclon” on Soundcloud.
https://soundcloud.com/kimmo-pohjonen/cyclon

Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir! Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also "Mädchen für alles" - - - Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater... also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.

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