Wacken 2015: Matsch, Musik, Mementos

Der Regen hatte kleine Pfützen auf der Straße hinterlassen, als unser Konvoi mit Finnen in Wacken 2015 am Dienstag Nachmittag ankam. Jedoch war es die starken Winde und schweren Schauer während des Aufbaus unserer Lagerstätte, die uns auf das Wetter in der kommenden Woche einstimmen sollten. Zum Glück war ich mit einer Gruppe Wacken-Veteranen, die gut vorbereitet waren und einen Schutz über und rund um das Camp in kurzer Zeit aufgestellt hatten. Aus Mitleid für ihre Notlage, erweiterten wir das Camp, um auch eine kleine Gruppe von verwahrlosten Pelz-tragenden Österreichern zu beherbergen, die das Aufstellen ihres Lagers aufgegeben hatten und sich in diesem Regenguss lieber betranken.
Mittwoch begann mit Regen, und der stetigen Verwandlung der Felder Wackens zu Schlamm. Meine erste Aufgabe des Tages war quer durch die Stadt zu laufen, um meine Pressekarte erhalten. Die Straßen der Stadt Wacken waren mit schwarz tragenden Metalheads aus der ganzen Welt überfüllt, und die Bevölkerung von Wacken hatte ihre Hinterhöfen und Häuser für ihre alljährlichen Gäste geöffnet. Nachdem ich meinen Pass erhalten hatte, hielt ich bei einem kleinen Hinterhof-Café an und wurde von zwei entzückende kleine Mädchen bedient, die ihrem Vater halfen, Kaffee einzugießen und Brötchen zu holen.
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Ich spreche wenig bis gar kein Deutsch, aber nach dem Zurückwaten über die Campingplätze mit der Kamera in der Hand, wusste ich, es würde keine Rolle spielen. Wacken hat eine ganz andere Atmosphäre als die Festivals in Finnland, aber es ist immer noch eine massive Gemeinschaft von Metalheads auf der Suche nach guter Musik, guten Zeiten, und grinsen trotz des knöcheltiefen Schlamms. Ich wanderte durch das Wackinger Dorf und tauchte in die Atmosphäre des frühen Fests ein, wie die Leute abwechselnd Sonne tankten oder im Regen eingeweicht waren. Kostüme waren angesagt, und die Acts im Dorf brachten echtes Festival-Feeling in den kleinen Abschnitt des Heiligen Wacken Landes, das offen war.
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Der einzige Main Act, den ich am ersten Tag sah, war The Gentle Storm mit der schönen Frontfrau Anneke van Giersbergen mitten im strömenden Regen auf der Wackinger Bühne, vor einen Regenmantel-geschmückten Publikum. Ich war beeindruckt von der Bühnenpräsenz und dem Können der Live-Gitarristen Merel Bechtold und Ferry Duijsens, und auch mit den Fans, die hingebungsvoll dem späten Sommerregen und der Kälte des Abends zu trotzen, um jeden letzten Moment der Band zu sehen.
Zurück im Lager hatten die Finnen beschlossen, bis spät in die Nacht zu trinken, und die Österreicher hatten ihre Freunde gefunden … und eine Axt. Es dauerte nicht lange, bevor die Axt im betrunkenen Zustand rumgeschwungen wurde, bis hin zur Zerstörung ihrer Bänke für das Wochenende. Dies scheint eine schlechte Idee sein, aber sag das mal Pelz-tragenden Barbaren, wahrscheinlich keine gute Idee.
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Donnerstag brachte knöcheltiefen Matsch, gelegentlich auch bis hoch zur Wade, und die Erkenntnis, wie toll Duschzelte sind. Es geht nichts über heisses Wasser, wenn auch nur für 10-15 Sekunden, nachdem man bis auf die Knochen nass wurde. Die geschlechtergetrennten öffentlichen Duschen mögen die meisten Zentraleuropäer wohl nicht schocken, aber ich bemerkte eine Reihe sehr unglücklich wirkender Britinnen in Badeanzügen.
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Meine erste Aufgabe des Tages war zu sehen, wie gut sich Österreich im Metal Battle präsentierte. Silius aus Landeck spielen Pantera-mässigen Thrash Metal mit gnadenloser Gewalt. Obwohl die Öffnung der Headbanger Bühne am Donnerstag bedeutete, dass die Massen fehlten, da die Metalheads noch draußen Schlange standen für ihre Tickets (oder einen Kater ausschliefen … oder im Schlamm stecken), brachten Silius mit ihrem geilen Set eine anständige Menge zusammen, die auch mit Begeisterung moshte. Ich blieb während des Sets da und schoss ein paar Fotos aus dem Publikum, ehe ich mich auf die Suche nach Freunden und aromatisierte Wein-Mischungen machte, die die Deutschen so gern mögen.
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Dänemark hat dieses Jahr
Savage Machine mit ihrem Old School Heavy Metal zum Metal Battle entsendet . Mit einem starken Sound und offensichtlicher Freude, auf ner Bühne in Wacken zu sein, waren die Dänen bereit, mit einer soliden Riffattacke hier in der Schlamm-verkrusteten Masse neue Fans zu gewinnen. Draußen im Wackinger Dorf, wo Knasterbart spielte, hatte ständiger Regen eine Menschenmenge in Regenmäntel, Plastiktüten, Gummistiefel und mit Klebeband gekleidet. Leute schlurften ohne zu zögern durch den Schlamm, gewöhnlich mit einem der Wacken Plastik-Trinkbecher in der Hand, und der generellen Akzeptanz gegenüber der Tatsache, dass Sommer-Festivals in Deutschland oft ne matschige Angelegenheit sind.
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In Finnland war ich mit dabei, als Shiraz Lane beim Nummirock in diesem Jahr den Sieg der finnischen Wacken Metal Battle feierten. Nun nehmen diese begeisterten finnischen Jugendlichen die Headbangers Bühne in Wacken in Besitz, als ob es nie einen Zweifel gegeben hätte, dass sie es schaffen würden. Sie locken eine recht große Menge an, und mehr als nur ein paar erste Reihen halten junge weibliche Fans – diese Finnen haben es echt drauf angelegt, um ihren 70er Stil „Peace & amp; Love “ Hard Rock in ganz Europa zu verbreiten. Stellt euch blutjunge, frische und unverdorbene Mötley Crüe vor, mehr daran interessiert, euren Geist zu öffnen, als über Girls, Girls, Girls zu trällern, und ihr kiregt einen Eindruck von dem, was diese Jungs zu bieten haben.
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Wusstet ihr, dass China einen Vertreter beim Wacken Metal Battle hatte? Ich gebe zu, ich wusste es nicht, ehe ich das Programm las. Die Metalgemeinde in China ist ebenso leidenschaftlich wie jene im Rest der Welt, und ich weiss, wie herzlich europäische Bands empfangen werden, die es nach China schaffen, daher wollte ich wissen, wie die Europäer eine chinesische Metalband empfangen würden. Und wie sich herausstellte, waren für mich Dream Spirit (梦灵) die herausragendste Metal Battle Band beim Wacken. So ging es auch einigen weiteren Leuten in der Menge, mit denen ich mich unterhielt, die ebenso beeindruckt waren von diesem Mix traditioneller chinesischer Volksmusik mit Heavy Metal, den diese Band hervorbrachte.
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Schwer von den düsteren Aspekten norwegischer Folklore beinflusst, brachten Troldskugge eine dunkle, faszinierende Performance als Norwegens Metal Battle Repräsentanten auf die Bühne. Mit einer Verbeugung vor der norwegischen Black Metal Szene, haben Troldskugge ihre Musik eher mit Pagan Einflüssen angereichert, welche der Schönheit ihres Landes Tribut zollen. Tja, das ist zumindest das, was ich durch Recherchen und von ihrer Darbietung herausfinden konnte. Keine Ahnung, was der Sack über den Kopf des Sängers bedeuten soll, es erinnert mich ein wenig an einen Batman-Bösewicht.
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Nach einem metallischen Nachmittag entschied ich mich dazu, was ich in erster Linie in Wacken tun wollte: all die Metalheads fotografieren, die hier Jahr für Jahr kommen und Regen, Schlamm und Staub trotzen. Wacken ist oft innerhalb von Stunden ausverkauft, nachdem die ersten Tickets erhältlich sind, und viele Besucher haben schon zahlreiche Wacken-Festivals erlebt. Wacken Tickets sind heiß begehrt in den Monaten vor dem Festival, und die Menschen reisen aus der ganzen Welt an, um in den Wacken Geist einzutauchen. Im wahrsten Sinne des Wortes eintauchen. Einige Gruppen haben Kostüme, um herauszustechen und sich gegebenenfalls gegenseitig in den Menschenmassen zu finden. Ich traf Deutsche, Österreicher, Franzosen, Australier, Briten, Iren, Amerikaner, Tschechen, Polen, Belgier, Holländer, Schweizer und viele mehr. Wacken ist wirklich ein internationales Festival, auch wenn es manchmal komplett von Deutschsprechenden besiedelt scheint.
Im Heiligen Wacken Land machen die Stände im Zentrum schnelle Geschäfte mit Gummistiefeln, Regenmänteln und Kapuzenshirts. Es war hier spät am zweiten Tag, dass ich eingie Armeestiefel fand, aufgegeben im Schlamm. Deren Besitzer liefen entweder barfuß herum, oder hatte sie für Gummistiefel eingetauscht und beschlossen, dass ihre alten Armeestiefel einfach zu schlammig waren, um sie aufzuheben.
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Die Menge war echt massiv für das Doppel Savatage und Trans-Siberian Orchestra. Vom Regen liessen sich die Fans nicht abhalten, diese legendären Bands zu sehen. Ich hatte Glück, für ein paar Songs ins Fotopit zu dürfen, aber konnte leider nicht nahe genug an Jon Oliva herankommen. Auch wäre ich gerne so weise wie einige regelmässige Wacken-Fotografen gewesen, die Hocker mitgebracht hatten, was ich gebraucht hätte, um Jeff Plate hinter den Drums zu knipsen. Jedoch konnte ich alles hören. Du bist ein Savatage Fan der diesen kurzen Auftritt verpasste? Tut mir echt leid für dich. Leidenschaft und Talent, ungetrübt von langer Bühnenabwesenheit, ertönte von der Black Stage.
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Zachary Stevens verzauberte das Publikum mit klarer Stimme bei Edge of Thorns. Das Set endete mit Hall of the Mountain King, die Menge tobte vor Begeisterung, als via fliegenden Wechsel das Trans-Siberian Orchestra seine Magie auf das Wacken-Publikum wirken liess.
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Ich schaffte es ins Fotopit, als Jeff Scott Soto eine brilliante Live-Version von Another Way You Can Die sang, und ich war auch sehr beeindruckt von den toll synchronisierten Bewegungen der Hintergrundsänger. Was mich echt umhaute war Kayla Reeves Stimme, sobald sie mit What The Night Conceives loslegte.
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Sie verfügt über eine reiche Tonalität umrandet von Seele, die dich mit purem Gefühl in ihren Bann schlägt, und dazu jede Menge Talent. Das Trans-Siberian Orchestra weiss in der Tat, wie sie Musiker aussuchen, und ich denke, die leidenschaftliche Reaktion der Zuschauer auf das ganze Set spiegelt diese Tatsache wider.
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Es regnete weiter die ganze Nacht hindurch, und die vielen Füße würden bis Freitag Morgen große Teile des Heiligen Wacken Lands in etwas verwandeln, das in seiner Konsistenz an einen Schokopudding erinnert. Als Ensiferum spielten, suchte ich Zuflucht auf einer Jägermeister-Hütte, während unten Menschen durch den Wacken Sumpf schlurften. Es gibt einen sehr guten Grund, warum die Wacken Regenmäntel erklären „Nach dem Regen kommt der Schlamm.“ Allerdings konnte sowas nicht die Stimmung trüben, denn ich entdeckte viele im Schlamm moshend für Sepultra, und die Crowdsurfer in voller Kraft.
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Meine erste Pflicht an diesem Tag war es, die irre Brillianz von
Kvelertak zu bannen. Obwohl es schade war, dass der Eulenhut keinen Auftritt hatte, kam die Sonne heraus und schien auf die Norweger, die ein starkes Set als Eröffnung meines Tages boten. Diese Heavy Metal Band liefert hochmelodische Songs, die jede Stimmung aufhellen kann, gemischt mit leidenschaftlichen Punk-mässigen Growl-Vocals. Ich hab noch nie einen schlechten Gig gesehen, und ihre Wacken-Performance zog die Leute an und brachte sie zum Tanzen. Ich muss zugeben, dass ich aus dem Fotopit tanzte, was die sonst steinernen Gesichter der Security sehr amüsierte.
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Ich liebe At the Gates. Wirklich. Sicher eine meiner Lieblingsbands. Jedoch stimmte dieses Jahr etwas nicht mit ihrem Sound beim diesjährigen Wacken. Vielleicht bin ich nur ungemein voreingenommen, weil ich sie bei makellosem Sound erlebt habe, jedoch stimmten mir die Finnen in meiner Gesellschaft zu. Allerdings störte das die Mosher gar nicht, und generell liess sich auch die Band nicht davon abhalten, eine weitere tolle Show hinzulegen. Manchmal klappt etwas einfach nicht, und den Sound über so ein grosses Areal hin perfekt klingen zu lassen ist schwierig.
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Ich hatte einen Freund versprochen, dass ich Bilder von seinen geliebten Annihilator machen würde, also tat ich’s. Mehr als je zuvor sind Annihilator nun ein Vehikel für alle von Jeff Waters Talenten, aber ich muss sagen, ich war noch nie ein großer Fan seiner Stimme. Allerdings ist seine Bühnenpräsenz charismatisch, und sein Gitarrenspiel bleibt brillant. In der Tat wurde die Bühnenpräsenz in Wacken sehr visuell choreographiert, um Waters Präsenz zu betonen. Die Gitarren waren rot, und sein Live-Gitarrist und Bassist trugen beide Kinnbärte zu ihren langen gewellten dunklen Haaren. Abgesehen davon strahlen die Live-Energie und das Charisma von Annihilator, auch gegen die brennende Sonne und tiefen Schlamm, mit dem sie konfrontiert sind.
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Ich eilte durch Wacken, um ein paar Songs von Birminghams Anaal Nathrakh anzusehen, bevor ich den gesamten Gig von Thyrfing wie ein Schulmädchen gespannt verfolgte. Ich wünschte, ich wäre in der Lage gewesen, mehr von Anaal Nathrakh zu hören, denn ihr schwerer Sound war in guter Form, und es gab sogar Crowdsurfer im überfüllten Zeltbühnenbereich. Was Thyrfing betrifft, die Schweden spielten leidenschaftlich, stark und hauten mich schlicht um. Ich bin schamlos parteiisch, denn Thryfing sind eine meiner Lieblings-Bands, aber ich denke, der Reaktion der Menge und der vielen Menschen, die mitsangen zu schliessen, ich war nicht die einzige.
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Zum Abschluss meines Kameraeinsatzes ging ich zu Mister Zakk Wylde und seiner Black Label Society. Black Label Society sind mehr als nur eine Band, sondern Kult für viele der Fans des ehemaligen Ozzy Osbourne Gitarristen. Wylde räumt jegliche Illusionen warum auf mit seiner starken Leistung, meisterhaften Soli und dominanter Bühnenpräsenz. Wenn Wylde auf der Bühne steht, dann ist es sehr schwer, sich anderweitig umzusehen, denn er spiegelt die ganze Energie und Wertschätzung der Menge zurück zu seinem Publikum. Es gab einige sehr glückliche Metaller in der ersten Reihe, und mehr als nur ein paar BLS Patch-Jacken konnten in der gesamten Menge gesichtet werden.
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Ich hörte viel von In Flames und Running Wild von unserer gut positionierten Campingplatz, in einem Camping-Stuhl sitzend und den trockenen deutschen Sommerabend genießend . Später kroch der Nebel nach oben durch die Zelte, und die Geräusche der Party flossen um uns herum. Für manche dreht sich Wacken über das Sehen möglichst aller Bands. Für andere ist es die Balance zwischen so viele wie möglich sehen, während es immer noch Zeit gibt, bei einem Drink mit alten und neuen Freunden zu sitzen. Da ich wusste, dass meine letzten Tag des Wacken wäre einer meiner geschäftigsten werden, entschied ich mich diese Nacht für die zweite Möglichkeit.
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Die Sonne am Samstag schenkte uns einen schönen Tag, auch wenn das der Boden in ständig härter werdendem Schlamm verwandelte. Einigere trockenere Stellen entwickelten sich und die Regenmäntel wurden abgelegt, als Khold die Black Stage eröffneten, mit ihrem characteristischen Sound, melodische Riffs mit kurzen Ausflügen in Norwegische Black Metal Gefilde. Es ging eher träge los in einigen Wacken-Arealen, da einige Leute müde waren vom Trotten durch den Schlamm und auf die Energie warteten, die ausschliesslich durch den Genuss von einem Dutzend Bier errungen werden kann (oder einem ausgesprochen alkoholischen Milkshake) … oder durch die richtige Band.
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Die richtige Band, um meine Energie am letzten Wackentag wieder herzustellen, waren die Schweden Avatar. Mit all den Zutaten einer abgedrehten Zirkusshow, bieten Avatar auch einen süchtig machenden groovenden Death Metal, akzentuiert durch die derben aber doch melodischen Vocals von Johannes Eckerström. Ich kenne Johannes abseits der Bühne, war aber nicht ganz gefasst auf diese Verwandlung, die ihn gefangen nimmt, wenn er die Bühne als irrer Zirkusdirektor mit Clownschminke betritt. Vor einer begeisterten Menge legten die Schweden eine Mischung aus alten Faves und ihrem neuen Album vor, wobei offensichtlich mehr als nur ein paar loyale Fans bei jedem Song mitträllerten.
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Mit diesen Songs in meinem Kopf machte ich eine Pause, um Verpflegung zu finden, ehe ich mich zu den Zelten für Cryptopsy begab. Cryptopsy liefern technischen Death Metal, gnadenlos und brutal. Leute, die keinen Metal mögen, beschweren sich oft über endlose Gitarren und Vocals so grob und tief, dass sie nahezu unverständlich sind… tja, das genau machen diese Kanadier, und es tut ihnen auch kein bisschen leid. Nicht dass ihre loyalen Fans das erwarten würden, die hier ihre Fäuste zur Bühne hochrecken, von welcher sie akustisch attackiert werden.
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Manchmal kann ich guten Presseaussendungen nicht widerstehen und beschloss nachzusehen, was es mit dem Teenage-Gitarrengenie Nik Kai auf sich hat. 14 Jahre alt, hat Nik schon Aufsehen erregt, seit er 10 ist, nachdem er mit 9 Jahren das Gitarrespielen angefangen hat. Ja, er ist ein talentierter Junge. Dennoch fühlte ich, dass die Publicitymaschine noch einige Gänge zulegen muss, je älter er wird, oder in eine Band stecken muss, die etwas mehr Aufmerksamkeit auf sich lenkt, um seinen Namen in der Metalszene weiter nach oben zu bringen. Ein Vertrag beim Mötörhead Label punktet da schon mal, aber warten wir ab, was die unangenehmen Teenagerjahre aus dem jungen sich entwickelnden Talent machen.
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Vom jungen Talent zur Institution, als nächstes dran waren bei mir Cannibal Corpse. Nach dem starken Release A Skeletal Domain im Vorjahr legen Cannibal Corpse noch immer eine tolle Show hin, 27 Jahre nach der Bandgründung in Buffalo in den späten 80ern. Bekannt für ihre grauenvollen Cover, gelten diese Death Metaller aus guten Gründen als Kultband. Die sind live einfach verdammt gut. Und zwar so gut, dass die Crowdsurfer kein Ende fanden. Die Security musste hart arbeiten, als Metalhead nach Metalhead mit den Füssen zuerst vor der Bühne ankam, einige sogar mehrmals. Fäuste in der Luft, fliegende Matten, es ist klar, dass Cannibal Corpse sich Jahr für Jahr neue Fans machen, um die Ränge zu füllen. Es ist auch klar, dass einige dieser Fans auch Fans von World of Warcraft sind, wie Sänger Corpsegrinder, da Horde Symbole in dieser Menge oft zu sehen waren.
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Ich möchte hier an dieser Stelle der netten Crew von Imbizan Streetfood danken. Obwohl es viel für Vegetarier und Veganer bei den Essensständen zu finden gab, hätte ich doch aufgrund meiner Allergien das gesamte Wochenende nur Pommes essen können, oder selbst am Campingkocher kochen müssen, wenn es ihren Stand nicht gegeben hätte. Ich hätte sie gerne umarmt, aber sie hatten diese langen Schlangen für ihr tolles Essen und netten Service, und ich bin auch zu klein, um über die Trennscheibe zu kommen.
Ich genoss die Kanonen und feurige Show von Sabaton, all die Energie ihrer Musik und Performance aus der Menge; ich sah auch Judas Priest auf diese Art, um meine Füsse in schlammverklebten Gummistiefeln etwas hochzulegen und einen guten Drink bei guter Musik zu geniessen. Es schien, dass all die Soundprobleme vom Vortag verschwunden waren und es in den meisten Arealen im inneren Zirkel gut klang.
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Sehnsüchtig erwartet wird jedes Jahr der Dank der Festivalorganisatoren und die Ankündigung des Wackenfestivals im folgenden Jahr. All der Schlamm? Allen egal. Es ist ein Gesprächsthema, eine Sache, auf die man sich vorbereiten muss, eine Sache, über die man lacht, wenn man nach Hause fährt. Das Risiko eines schlammigen nassen Festivals oder eines trockenen staubigen Festivls stört die Wacken Metalheads überhaupt nicht. Ausverkauft ehe ich überhaupt wieder in Finnland ankam, wird Wacken 2016 mit u. a. Blind Guardian, Ministry, Steel Panther, Eluveitie, Dragonforce etc steigen. (LINK HIER) Wir können auch schon ankündigen, dass Iron Maiden beim Wacken 2016, spielen wird, also falls ihr noch kein Ticket habt, solltet ihr euch schleunigst um eines kümmern.
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Jedoch war mein Wacken 2015 noch nicht ganz vorbei. Ich stand beim Fotografeneingang Schlange, umklammerte einen Papierstreifen, der besagte, dass ich die Erlaubnis hatte, 1,5 Songs von Cradle of Filth zu knipsen, und ich war begeistert. Cradle of Filth sind bekannt für ihren extremen Metal und ihr Schock-Image, aber auch für die Aufmerksamkeit und Hingabe an ihre Fans.
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Jedes Mal, wenn ich Cradle of Filth sehe, werde ich sofort in meine Teenagerzeit als Goth zurückversetzt, als deren Musik bei mir ständig rotierte. Dass sie seitdem keine Kompromisse eingingen, und die Tatsache, dass ich meine Linse auf sie richten darf, bereitete mir Vergnügen, besonders wenn ich bedenke, dass ich beim allerersten Entwickeln eines Filmstreifens mit Konzertfotos (mit Freunden im Fotolabor der Universität) das Dusk… and Her Embrace Album hörte.
Wacken war auch noch nicht zu Ende für viele Metalheads, denn es gab noch einige Bands mehr zu sehen, die Bars waren noch offen, und es galt noch Freunde zu finden, ehe es Morgen wurde. So gesehen war Packen und Wegfahren am nächsten Tag eine traurige Angelegenheit. Die temporäre Behausung für 6 Tage in einem Campingbereich verschwand, als sich ein Auto nach dem anderen einreihte, um die Wacken-Gründe zu verlassen. Und ich hörte viele versichern, dass sie nächstes Jahr wieder kommen. Ich bin mir dessen sicher, denn sobald dich Wacken einmal gefangen nahm, wird es das wieder tun.
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Nikky Holmes

nikky@stalker-magazine.rocks - Reportagen, Fotos - - - Nikky, Fotonärrin in zweiter Generation, kommt aus Australien und lebt in Helsinki und ist eine der Redakteure des englischsprachigen finnischen Online-Musikmagazins Hel Rocks. Schon seit 2002 werden ihre Beiträge in Magazinen für Kunst und Kultur veröffentlicht, 2012 wandte sie sich dem Schreiben über Metalmusik zu, bei dem australischen Magazin Metal as Fvck. Nikky bevorzugt Black und Doom Metal mit guter Melodieführung, der auch ein bisschen was von Blues hat.

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