Marina V / Johna

12. September, Kattwinkelsche Fabrik, Wermelskirchen, Deutschland

An einem Samstagabend, in einem kleinen, gemütlichen und gut gefüllten Raum ließ sich ein ebenso begeistertes wie aufmerksames Publikum von Marina V und Johna verzaubern. Gut zwei Stunden lang unterhielten sie und mit poppigen Klängen und Lieder, die von Freude bis Melancholie alle Emotionen abdeckten. Es war ein wunderbarer Abend, an dem man Zeit und Raum für eine Weile vergessen konnte.

Schon mal was gehört von Wermelskirchen? Keine Sorge, das hatte ich bis vor kurzem auch nicht. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet dort im Untergeschoss der Kattwinkelschen Fabrik monatlich die wunderbare Konzertreihe “Couchgeflüster” stattfindet? Konzipiert als Wohnzimmerkonzerte spielen dort in Deutschland weniger bekannte Bands im intimen Setting. Am 12. September waren es das deutsche Singer/Songwriter Duo Johna und die russisch-amerikanische Popsängerin Marina V, die jeweils ein Set spielten.

Den Anfang machten Johna und nahmen bereits mit dem ersten Song das Publikum für sich ein. Der schönen Stimme von Nadine Krämer konnte man sich einfach nicht entziehen, und was sie und Kolja Pfeiffer an Melodien aus Gitarre und Klavier zauberten, tat sein übriges. Ihre Musik war einfach schön, mal eher ruhig, dann wieder kraftvoll. Die Texte erzählten Geschichten aus dem Leben und von Gefühlen, die jeder kennt. Manchmal erläuterte Nadine kurz die Hintergründe der Songs, aber oft ließ sie einfach die Musik sprechen.

Johna waren nicht nur wirklich gut, sie kamen auch total sympathisch rüber, erzählten, witzelten und bezogen das Publikum mit ein. Mitsingen allein reichte da nicht, es wurde auch nach verschiedenen Merkmalen in Gruppen eingeteilt („Jetzt alle mit Brille!“). Zum Ende ihres Programms baten sie die junge Sängerin Sihna Maagé zu sich auf die Bühne, um mit ihr gemeinsam zwei Lieder zu singen. Sie war die große Überraschung des Abends und überzeugte nicht nur durch tollen Gesang, sondern auch durch ihre eigenen Lieder. Die Zuhörenden waren so begeistert, dass sie sie zu einer Zugabe zurück auf die Bühne holten. Zu Recht wie ich fand: In 25 Jahren und beinahe 500 Konzerten habe ich schon viel gehört, aber Sihna hat mich nicht nur überrascht, sondern auch überzeugt. Gerne hätte ich mehr von ihr gehört, aber nach drei Liedern war leider Schluss. Dafür spielten Johna noch zwei Songs, und nach lauten Rufen von Seiten des Publikums auch noch einen allerletzten. Schon alleine für ihr Set hatte sich der Weg von Dortmund gelohnt.

Nach einer kurzen Pause ging es mit Marina V weiter, die alleine mit Klavier ihre gefühlvollen, oft auch melancholischen Lieder spielte. Normalerweise wird sie von Nick an der Gitarre begleite, aber er konnte auf dieser Tour nicht dabei sein und so spielte sie die Gitarre eben selber. Auch sie zog das Publikum sofort in ihren Bann – alle lauschten fast andächtig ihrer klaren Stimme und ihrer Musik.

Im Laufe des Abends brachte sie mich sowohl zum Lachen als auch zum Weinen und sorgte immer wieder dafür, dass ich Zeit und Raum vergaß und mich völlig in der Musik verlor. Alle Lieder, vom energetischen „Run“ in zwei Sprachen über das gefühlvolle „You make me bautiful“ bis hin zum kämpferischen „Speak“ waren perfect gespielt und gesungen. Da stimmte jeder Ton. Immer wieder nahm sie Kontakt mit dem Publikum auf, stellte Fragen und ging auch auf Kommentare ein. Neben russischer Melancholie – „Russland kann keine fröhlichen Lieder“ wie sie es ausdrückte – hatte sie auch fröhlichere Musik mitgebracht, unter anderem das neue „Sunshine guaranteed“.Wir durften sogar einer Premiere beiwohnen, denn an diesem Abend wurde ein neuer Song, „Back again“, den sie mit Nadine geschrieben hatte, von beiden gemeinsam dargeboten.

Auch die Zuhörenden waren natürlich wieder gefragt, sangen und klatschten eifrig mit. Gerne ging Marina auf unsere Wünsche ein und spielte sogar ihr eigenes „Fairytale or not“ und eine wunderbarer Coverversion des Guns ‘n’ Roses Songs „Don’t Cry“ für die, die eine besonders weite Anreise hatten. Spätestens bei der Zugabe hatte sie alle im Raum in der Hand und gemessen am Applaus hätte sie wohl noch einige Zeit weiterspielen können. Leider müssen auch schöne Konzerte irgendwann enden und nach deutlich über einer Stunde verabschiedete sie sich mit einem allerletzten Song. Nach und nach landeten wir alle wieder im Hier und Jetzt und wer wollte und blieb, hatte noch die Gelegenheit mit Marina, Johna und Sihna zu sprechen. Es war ein gelungener Abend, nach dem ich mich noch völlig High vor Glück auf den Heimweg machte.

Foto: Stefanie Oepen

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Stefanie Oepen

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