Steelfest 2015

15.-16.5.2015, Villatehdas Hyvinkää, Finland – photos T. Solda

Ein paar Kilometer jenseits der Nordgrenze des Großraums Helsinki liegt das Städtchen Hyvinkää, das wohl in den wenigsten Reiseführern Erwähnung findet. Stetig zunehmendes Ansehen genießt es dagegen in Schwarzmetallkreisen, dank des Erfolgs von Steelfest, dem spätestens seit dem Tod von Hammer Open Air bedeutendsten jährlichen Treffen der Zunft in Südfinnland. Da der Mai tendenziell ein arbeitsreicher Monat ist, verpasste ich es in früheren Jahren, und auch 2014 wäre das Festival bei mir fast komplett unter anderen Terminen untergegangen. Primordial wollte ich dann aber doch unbedingt sehen, und so besorgte ich mir auf den letzten Drücker ein Tagesticket und fuhr mit dem Spätzug nach Hyvinkää. Ich kriegte sogar noch einen Teil von Vader mit.

Vor allem aber reichte die kurze Stippvisite im idyllischen Hof der alten Wollspinnerei aus, um sicherzustellen, dass ich dieses Jahr von Anfang bis Ende dort sein würde.

Freitag

Besagten Anfang machten Axegressor, die etwas zu früh und ohne große Ankündigung loslegten, da der Bühnenmoderator des Wochenendes, die finnische Radiolegende Klaus Flaming, noch gar nicht vor Ort war. Schon die ersten Riffs machten jedoch auch so klar, dass die Band ihrem Namen alle Ehre macht und genau deswegen einen ausgezeichneten Opener hergaben. Eher dem Thrash- als dem Black Metal zuzuordnen, verjagten sie in Windesschnelle die letzten Gedanken an den Arbeitsalltag und machten das Gehirn frei für eine ausgiebiges Partywochenende. Spätestens bei „SS-18“ war auch meine Frisur Geschichte…


Das Festival hat eine Außen- und eine Innenbühne, wobei Axegressor auf letzterer spielten. Als ich hinterher nach draußen ging, wurde ich von niemand Geringerem begrüßt als der Sonne selbst. Die Temperaturen waren zwar weit von denen des Vorjahres entfernt (an den Sonnenbrand von Mitte Mai 2014 erinnere ich mich heute noch), aber die Verbesserung gegenüber der offiziellen Wettervorhersage war lobenswert.
Ich war sogar versucht, meine Lederjacke abzulegen, behielt sie dann aber sicherheitshalber doch an. Dagegen waren die Jungs von Ketzer beim Einweihen der Außenbühne ganz klar auf Sommer eingestellt, insbesondere Infernal Destroyer. Dessen Gesangsleistung wurde seinem Namen nicht vollauf gerecht (oder kam möglicherweise wegen des arg durchschnittlichen Songmaterials nicht ausreichend zur Geltung) und die optischen Vorzüge von Bassist Necroculto wurden durch eine etwas unvorteilhafte Rotzbremse geschmälert, aber insgesamt erfreute die Truppe Auge und Ohr. Extrapunkte dafür, dass sie einen Song dem tags zuvor verstorbenen BB King widmeten.


Mein erster Hauptact des Freitags war Satanic Warmaster, die ich vor dem letzten Jahr erschienenen, exzellenten Album „Fimbulwinter“ gerade mal vom Namen her gekannt hatte. Selbiges weckte hohe Erwartungen, die auch nicht enttäuscht wurden. Unterstrichen wurde die winterliche Stimmung durch die stilvolle, überwiegend in blau und weiß gehaltene Bühnenbeleuchtung. Werwolf gestand freilich, nicht alle Songs mit Frostbeulen an den Fingern geschrieben zu haben; beispielsweise war „Winter Hunger“ ein Produkt der gnadenlosen Hitze des vorigen Sommers. Die meisten Songs waren jedoch älter, und der Set hatte insgesamt eine gute Dramaturgie. Die erste Hälfte war melodischer (z.B. „One Shining Star“, „Fimbulwinter’s Spell“), dafür wurde es zum Ende hin immer brutaler bis hin zum Abschlussduo „The Burning Eyes Of The Werewolf“ und „Vampire Tyrant“. Beeindruckend.


Die für die Dauer des nächsten Gigs auf der Außenbühne platzierten Panzersperren mögen in erster Linie der Dekoration gedient haben, waren angesichts des krachenden Ansturms von Mor Dagor aber auch anderweitig gerechtfertigt. Mir war die Truppe bislang völlig unbekannt und wird wahrscheinlich auch nicht allzu lange im Gedächtnis bleiben, aber unterhaltsam waren sie allemal. Dass die Bühnenpräsenz des Sängers stellenweise ein wenig an Johan Hegg erinnerte, schadete dem Ganzen in keinster Weise.


Inzwischen waren auch diejenigen FreundInnen eingetroffen, die aus arbeitstechnischen Gründen nicht früher konnten, und somit war Zeit für ein Bier. Können auch zwei gewesen sein, aber das Verpassen von Dim Aura und fast des kompletten Vorum-Gigs war ein verschmerzbarer Preis für das Sonnenbad in guter Gesellschaft im wohl schönsten Biergarten aller finnischen Festivals. Lange Tische und Bänke unter großen alten Bäume in der Nähe der Hauptbühne sind hierzulande überhaupt eine Seltenheit, und es war sogar erlaubt, mit einem Drink in der Hand zwischen Innen- und Außenbereich hin- und herzulaufen. Jeder, der die übliche finnische Praxis der weit von der nächsten Bühne entfernten Schankbereiche kennt, wird meine Anerkennung nachvollziehen können. Wie seinerzeit beim Hammer Open Air war diese Lösung dadurch möglich, dass die Altersgrenze des Festivals mit 18 Jahren angesetzt war, aber wo mittlerweile der krasseste Metal-Boom vorbei ist, hält sich die Zahl der an Black Metal interessierten Teenager ohnehin in Grenzen (obwohl bei Emperors Tuska-Gig letztes Jahr doch einige Kids zugegen waren). Apropos Gelände, ein weiterer großer Pluspunkt waren die im Gebäude befindlichen WCs inklusive Waschbecken und reichlich Klopapier. Eine seltener Komfort auf Festivals, und ein äußerst willkommener.


Klarer Gewinner unter den unbekannteren Acts des Tages war Evil Angel. Das Quintett aus Lahti hat vor acht Jahren mal ein Album veröffentlicht und dazu in unregelmäßigen Abständen eine Handvoll Splits und Demos, aber seine Mitglieder sind hauptsächlich in anderen Bands aktiv, namentlich Sacrilegious Impalement und den weniger bekannten Witchtiger. Evil Angel waren nicht nur überraschend gut (trotz einiger technischer Probleme), sondern machten obendrein Laune. Für Amüsement sorgte unter anderem Sänger Orgasmatrons unorthodoxes Outfit, das möglicherweise von Miley Cyrus abgeschaut war. Ziemlich badass auf alle Fälle.


Kuopios Death-Metal-Pioniere Demilich kehrten letztes Jahr im Zuge der Veröffentlichung ihrer Jubiläumszusammenstellung 20th Adversary of Emptiness nach langer Abstinenz auch wieder auf die Bühne zurück. Die wenigen Gigs fanden und finden jedoch mehrheitlich im Ausland statt (u.a. Maryland Deathfest, wo sie schon während der kurzen Comebacktour 2006 Station gemacht hatten), und Steelfest ist meines Wissens der einzige einheimische Festivalgig des Sommers. Die denkwürdige Gelegenheit wurde denn auch nicht vergeudet und die Band erwies sich ihres Kultstatus würdig, auch wenn der Toningenieur anfangs eine Weile brauchte, bis das Hauptmerkmal von Demilich angemessen zu hören war: die grabestiefe Stimme von Antti Boman. Die Setliste umfasste den Großteil des Nespithe-Albums – einschließlich des phantasievoll betitelten „The Planet that Once Used to Absorb Flesh in Order to Achieve Divinity and Immortality (Suffocated to the Flesh that it Desired…)“ – plus eine noch ältere Demonummer und das vergleichsweise neue „Emptiness Of Vanishing“, welches 2006 aufgenommen wurde, aber erst auf der neuen Compilation erschien. Neue Veröffentlichungen sind von Demilich zwar nicht zu erwarten, aber die alten Sachen sind zeitlos.


Die nächste Band hinterließ bei mir gemischte Gefühle – musikalisch waren Temnozor mein klarer Tagesfavorit, aber ein gewisser Teil des Publikums ruinierte die Stimmung für mich. Ich weigere mich, diesem Gesocks unverdiente Aufmerksamkeit zu schenken, aber obwohl sie nicht von der gewalttätigen Sorte waren (Finnland hatte in dieser Hinsicht im Vergleich zu anderen Teilen Europas bislang ausgesprochenes Glück), sorgten sie für ein ausreichend mulmiges Gefühl, um mich zum Rückzug in die hintere Hallenhälfte zu bewegen. Dort war auch der Sound besser.


Unleashed dagegen übertrafen nicht nur hat meine Erwartungen, sondern hauten mich schlichtweg um. Verzeiht mir den Mangel einer detaillierten Beschreibung, wir standen in der ersten Reihe und ich hatte besseres zu tun, als mir Notizen zu machen. Ausverkauft war das Festival zwar diesmal nicht, aber angesichts der Menschenmenge zwischen mir und dem Mischpult kann die Anzahl der unverkauft gebliebenen Tickets nicht allzu groß gewesen sein. Unleashed waren die letzte Band des Abends auf der Freilichtbühne, die Sonne war schon lange weg und es war frisch genug, um mir die Erkältung zu bescheren, die mich beim Tippen dieser Zeilen immer noch nervt, aber während des Gigs fühlte ich mich gegen die Kälte immun. Hammer fuckin´ Batallion!


Ebenfalls keine Enttäuschung, aber eine gewisse Antiklimax nach Unleashed waren Dark Funeral. Es ist unbestritten, dass Anfang bis Mitte der neunziger Jahre viele wegweisende Black- und Death-Alben erschienen, und Jubiläumsshows zu deren Ehren sind seit einiger Zeit ganz klar in Mode. Was ja auch absolut nicht falsch ist, bloß habe ich persönlich kein besonderes Verhältnis zu The Secret Of The Dark Arts, das beim Steelfest in voller Länge dargeboten wurde. Da ich lediglich das jüngste DF-Album besitze (Angelus Exuro pro Eternus, 2009) und die Schweden seit Tuska 2004 nicht mehr live gesehen habe, hätte ich gegen einen aus neuerem Material bestehenden Set nichts einzuwenden gehabt. Außerdem war ich nach Unleashed ziemlich erschöpft, was sich negativ auf meine Aufmerksamkeit ausgewirkt haben mag. Glücklicherweise war der Gig lang genug, um im Anschluss an Dark Arts noch ein paar zusätzliche Songs enthalten, unter anderem „My Funeral“ von Angelus und dem brandneuen „Nail Them To The Cross“. Und wenn schon ein neues Album in der Mache ist, sieht man die Jungs ja vielleicht mal in absehbarer Zeit auf einem Clubgig in Helsinki.

Samstag

Im Grunde bin ich mir nicht einmal sicher, ob die oben erwähnte Erkältung tatsächlich Ergebnis des Abfeierns bei Unleashed war oder vielmehr auf die Klimaanlage des Hotels zurückzuführen war. Beim Aufwachen war ich nicht nur verschnupft, sondern auch völlig ausgetrocknet – von mir aus dürften Anlagen dieser Art ruhig aus allen menschlichen Behausungen nördlich des Mittelmeerraums verbannt werden. Abgesehen davon hatte die Hotelübernachtung den klaren Vorteil der Bequemlichkeit, mit dem Ergebnis, dass sich unser Samstagmorgen bis in den frühen Nachmittag hinzog. Als wir endlich auf dem Festivalgelände ankamen, fragte Coprolith-Sänger Ben gerade, ob irgendwer im Publikum einen anständigen Kater habe. Soweit ich sah, hob niemand die Hand, aber klar – wem ein echter Brummschädel beschieden ist, der ist nicht um 15 Uhr schon auf dem Posten. Für die Band tat es mir ein bisschen leid, da sie den gesamten Gig auf Video aufnahmen und etwas mehr Volk vor der Bühne nicht geschadet hätte, aber sie gaben sich trotzdem redlich Mühe. Der Drummer erledigte seinen Job zwischendurch sogar mehrfach im Stehen, wenn gerade kein Doppelbasstrommelfeuer erforderlich war.


Dass nicht alle FestivalbesucherInnen verkatert waren, mag an unter anderem an einem Mißstand liegen, dessen Behebung die Veranstalter am Samstagmorgen auf der Steelfest-Facebookseite verkündigten: die schier endlosen Schlangen an den Theken. Selbige waren am Samstag etwas anders platziert und mit mehr Personal bestückt, was sich prompt bemerkbar machte: ich musste kein einziges Mal länger als zwei Minuten auf mein Bier warten. Danke für die schnelle Problemlösung! Die Begleitmusik zum ersten Pint kam aus Norwegen: Svarttjern, die zwar nicht gerade das Beste sind, was die reiche Blackmetal-Szene des Landes zu bieten hat, aber überraschend gut abgingen.



Wenn auch nicht so heftig wie Torture Killer, die alsbald einen beträchtlichen Moshpit vor der großen Bühne mobilisiert hatten. Zusammen mit Sotajumala knapp zwei Stunden später trugen sie die Hauptverantwortung für das nachmittägliche Abfeiern draußen im Hof. Im direkten Vergleich verstanden sich letztere besser auf die Interaktion mit dem Publikum; Sänger Mynni verließ zwischendurch sogar die Bühne, um den Inhalt seines Flachmanns mit möglichst vielen Fans zu teilen. Dagegen erschienen Torture Killer eher zurückhaltend und verschließen am Ende die Bühne, ohne sich auch nur zu bedanken, obwohl die Menge lautstark eine Zugabe forderte. Wie auch immer, Power lieferten beide reichlich und an Sonnenenergie mangelte es auch nicht – für ein paar Stunden präsentierte sich Steelfest als waschechtes Sommerfestival.


Zwischen diesen beiden Bands kam ich jedoch nicht umhin, das Dunkel der Halle aufzusuchen, um ja nicht Sargeist zu verpassen. Für mich waren sie der erste echte Höhepunkt des Tages, mit besonderer Erwähnung für die Stimme von Hoath Torog. Ich habe ihn zwar schon mit Behexen erlebt, aber bei Sargeist kam er noch intensiver rüber, animalisch und nicht ganz von dieser Welt. Trotz des gewaltigen stilistischen Unterschieds kam mir zwischendurch die ähnlich eindrucksvolle Performance von Nemtheanga beim Primordial-Gig auf derselben Bühne vor einem Jahr in den Sinn. Wobei Torog freilich das bessere Make-up trug.


Die erste Folk-Metal-Band des Tages war Wyrd, eine lokale Combo von sehr sporadischer Aktivität. Keine Ahnung, ob sie in den letzten fünf Jahren auch nur ein einziges Konzert gespielt haben, aber der Routinemangel stellte keine Beeinträchtigung dar. Als eine von nur wenigen Bands des Wochenendes hatten sie einen Keyboarder dabei und boten sogar vereinzelt cleane Gitarrenklänge, womit sie etwas zusätzliche Farbe in das Programm brachten. Musikalisch würden sie als dunklere Version von Finntroll durchgehen, wenn auch ohne schwedische Texte. Einige Songs waren auf Finnisch, der Rest auf Englisch, und sogar ein paar Zeilen Sámi waren zu hören. Kann was.

Danach war es Zeit für ein wenig bierselige Geselligkeit, einen kurzen Blick auf das laufende Eishockeyspiel – für die Bands des frühen Abends war es gewissermaßen ein Segen, dass Finnland es nicht ins WM-Halbfinale geschafft hatte, da sie sonst einen großen Teil des Publikums an den Fernseher im Bierzelt verloren hätten – und natürlich für eine ausgiebige Mahlzeit. Schwierige Entscheidung, da die vegetarische Auswahl besser war als bei manch größerem Festival, aber am Ende entschied ich mich für den Soja-Burger der Poppamies-Chilibude, sehr empfehlenswert. Es gab auch eine gute Auswahl an CDs, Vinyl und sonstigem Merch; ich verbrachte letztendlich deutlich mehr Zeit an den Ständen als geplant, da ich dort eine Freundin treffen wollte, die entgegen ihrer Gewohnheiten nichts von sich verlauten ließ. Zug eine halbe Stunde verspätet und Handy-Akku leer, was willste machen.

Als sie endlich eintraf, waren Dead Congregation schon fast am Ende, aber sei’s drum, die wichtigsten Acts des Abends standen allesamt noch bevor.


Im Laufe der Jahre sind Moonsorrow-Gigs in Finnland immer seltener geworden, heutzutage ist es schon was, sie einmal im Jahr zu sehen. Bei diesen seltenen Gelegenheiten stimmt dafür dann aber auch von Anfang bis Ende alles, wie letzten Herbst in Helsinki, wo sie dem knüppelvollen Club zwei Stunden lang ein Leckerli nach dem anderen servierten. Soviel Zeit war beim Steelfest natürlich nicht gegeben, aber die Qualität war dieselbe. Der erste Song war ausgerechnet „1065: Aika“, der mich vor knapp 14 Jahren zum Fan dieser Band machte. Noch weiter zurück in der Geschichte ging es mit „Taistelu Pohjolasta“ vom 1999er Demo. Nach dem dritten Song, „Pimeä“, dachte ich kurz, Villes Ankündigung falsch gehört zu haben. Aber es stimmte: der nächste Song war bereits der letzte. Und kein geringerer als „Tulimyrsky“… mit anderen Worten, eine halbe Stunde purer Ekstase.


Der resultierende Durst in Kombination mit einem zunehmend schmerzhaften Husten sowie der Sorge um meine Kamera, deren Navigationstaste nicht mehr so recht wollte, ist schuld daran, dass ich mich nicht so sehr auf Asphyx konzentrierte, wie sie es eigentlich verdient hätten. Die niederländische Death-Legende um den herausragenden Sänger Martin van Drunen (der gleich mehrfach seine Liebe zum klassischen finnischen Longdrink Lonkero gestand) spielte ebenso mächtig auf wie Unleashed in der Nacht zuvor, aber diesmal war mir wirklich schweinekalt, und das Abrocken in der ersten Reihe fiel flach.


Stattdessen floh ich ins Warme, noch bevor Asphyx fertig waren. Drinnen gab es dann zum Abschluss nochmal eine Ladung glorreichen Pagan Metal, diesmal von Nocturnal Mortum. Die atmosphärischen, melodischen Klänge der ukrainischen Combo waren nicht nur von deren eigener lokaler Tradition beeinflusst, sondern auch von westlichem Prog, und mehr als ein Gitarrensolo trug den Stempel „Inspired by Gilmour“. Auch das Licht war wieder wunderschön. Anzunehmenderweise waren im Publikum auch diesmal ein paar von der Sorte, die sich nicht schämt, Kulturerbe zu nationalistischen Zwecken zu missbrauchen, aber soweit anwesend, besaßen sie den Anstand, die Klappe zu halten. Für eine kurze Zeit schien die Tagespolitik sehr weit weg zu sein, und die von MC Flaming in seiner Ansage erwähnte gemeinsame Sprache wurde von allen verstanden. Oder vielleicht bin ich nur eine unverbesserliche Idealistin, aber in einer Welt, in welcher der Idealismus mehr Mut erfordert als der Zynismus, ist mir das nicht im Geringsten peinlich.

Und apropos Idealismus, es verlangt eine kaum überschaubare Menge an selbigem, ein Festival wie dieses überhaupt erstmal auf die Beine zu stellen. Respekt und Dank der gesamten Crew, von den kompetenten OrganisatorInnen bis hin zum netten und ausgesprochen hilfsbereiten Sicherheitspersonal. Musikalisch mag Steelfest Finnlands brutalstes Festival sein, aber in jeder anderen Hinsicht ist es eines der angenehmsten.

Tina Solda

Tina Solda

tina@stalker-magazine.rocks – Konzert- und Festivalberichte, Fotos, Interviews – – – Bevorzugte Musikrichtungen: melancholischer Death-, unkonventioneller Black-, melodischer Doom-, dramatischer Folk- und intelligenter Paganmetal (Schwerpunktregionen: Island, Finnland & Norwegen) – – – Sonstige Interessen: Gitarre, Bücher, Bier, Kino, Katzen.