MyGrain Funeral Show

8.5.2015 Nosturi, Helsinki, FIN

feat. Profane Omen, Magenta Harvest, Less than Three

Tolle Bands versammelt in einem Gig, aber ein trauriger Anlass: Nach vier Alben und über 10 Jahren im Geschäft haben die finnischen Science Fiction Metaller MyGrain beschlossen, das Handtuch zu werfen (im Anschluss findet ihr die offizielle Stellungnahme der Band). Darum beschloss ich – wie auch der Grossteil des Publikums – an diesem Abend so richtig die Sau raus zu lassen, damit diese Band den gloriosen Abschied kriegt, den sie absolut verdient. Die erste Band war auch schon ziemlich früh am Start, zum Glück hatte sich auch schon eine ansehliche Menge zu deren Gig eingefunden.

Interaktive Fotogalerie am Textende

Less than Three
Eigentlich war ich überrascht, so viele Leute auf der Bühne zu sehen, suggeriert der Bandname doch was anderes… OK Scherz beiseite, hier konnte nicht nur MyGrain Sänger Tommy wieder einmal seine stimmliche Vielfalt unter Beweis stellen, einige andere bekannte Gesichter fanden sich im Line-Up… Das Songmaterial, das Elemente von Thrash, NuMetal und Melodic Death, fand ich allerdings noch etwas sperrig, mir fehlt da noch sowas wie ein roter Faden, aber dennoch eine vielversprechende Band, checkt mal deren Meshuggah Coverversion: https://www.youtube.com/watch?v=zEgGvH3XRqE www.facebook.com/LessThanThreeBand

Magenta Harvest
entsprachen mit ihrem klassischen Schwedentod schon eher meinem Geschmack – also verdammt hartes Material mit doch einer Menge Groove. Und dann noch ne geile Show, wo ein charismatischer Fronter die Blicke auf sich zieht… und irgendwie kommt einem der Typ auch bekannt vor… Nunja, ohne Fell/Lederzeug und Kriegsbemalung nicht so leicht zu erkennen, und neuerdings lässt sich Finntroll Shouter Mathias ja auch einen Bart stehen. Die Band ist ja relativ jung und hat erst im vergangenen Herbst ihr Debutalbum Volatile Waters herausgebracht, aber so wie es scheint, hat sie die besten Voraussetzungen, gross in die Szene einzusteigen.
In der Zwischenzeit hatte sich der Club dermassen gefüllt, dass du dir wie eine Sardine in der Dose vorkamst. Nosturi hatte zwar den Alkoholbereich bis hin zur Bühne erweitert, aber die meisten hielten sich doch lieber in der Nähe der Bar auf – es war leider die einzige, die an diesem Abend geöffnet war … www.facebook.com/MagentaHarvest

Profane Omen
Was soll ich über die Band noch grossartig schreiben – Jules & Co sind immer eine Augen- und Ohrenweide, und auch diesmal stellten sie ihr Können als ausgesprochen professionelle, unterhaltsame, sympathische und hyperaktive Performer unter Beweis. Wieder einmal hatten Band und Publikum jede Menge Spass, und Jules initiierte zwischendrin immer wieder “MyGrain” Sprechchöre, sogar mitten in einem Song. Glücklicherweise war der Balkon des Nosturiclubs zugänglich gemacht worden, sodass man nun nicht mehr in Gefahr lief, zerdrückt oder zu Tode getrampelt zu werden – oder noch schlimmer, seinen kostbaren Drink zu verschütten…. http://profaneomen.net/

MyGrain
Tja, wie soll ich die Stimmung beschreiben, als der Headliner die Bühne betrat – die Menge flippte aus, sobald die ersten Takte des Dreamscape Intros ertönten und sich der Schatten einer Nase eines Bandmitglieds zeigte… Die Jungs und das Mädel zeigten sich ob dieses Empfangs natürlich hocherfreut, aber war da nicht auch ein bisschen Trauer in dem Lächeln dabei, oder projiziere ich nun meine eigenen Gefühle? Jedenfalls schien die Band keine Sekunde Spielzeit verschwenden zu wollen und bot einen Powertrip durch all ihre Alben, angefeuert von einer begeisterten Menge, die Mygrain vom ersten bis zum letzten Ton abfeierte.

Eigentlich hätte ich meine persönlichen All-Time-Faves wie ”Of Immortal Aeons” von etwas näher an der Bühne genossen, jedoch verhinderte das riesige Moshpit jeglichen Versuch – keine Chance, ausser du bist dünn wie ein Blatt Papier, oder Hulk. Abgesehen von der Gefahr für Leib und Leben, ich hatte ja auch noch die Kamera dabei, und hatte ich schon erwähnt, wie kostbar Drinks waren?

Darum zog ich es dann doch lieber vor, den Wahnsinn auf und vor der Bühne aus sicherer Distanz – dem Balkon – zu geniessen. Im letzten Drittel des Sets mutierte die Band zu MyGrain Allstars, da sich auch der frühere Gitarrist „Resistor” Markus Resi dazu gesellte.

Tja, ich hätte wie wohl alle Anwesenden auch gerne die “47 Songs auf der Setliste” im Set genossen, die Tommy zwischendrin mal angekündigt hat … aber alles hat einmal ein Ende, auch ein genialer Gig einer genialen Band. Ich werd euch vermissen, Leute… aber sicherlich gibt es ein Wiedersehen bei anderen Bands und Projekten, und es gibt ja auch die vage Hoffnung auf eine Reunion irgendwann…

Offizielle Stellungnahme von MyGrain:
Hallo!
In gegenseitigem Einvernehmen haben wir beschlossen, MyGrain auf Eis zu legen. Es steckt kein Drama dahinter – die Beziehungen der Bandmitglieder sind so gut wie sie immer waren. Wir haben das Privileg, in den letzten zehn Jahren erstaunliche Dinge gemeinsam erlebt zu haben, aber sicher gab es auch eine Menge Schwierigkeiten und Hindernisse auf dem Weg. All dies hat seinen Tribut von der Band gefordert und das für eine lange Zeit; vor allem nach all den Problemen, die wir mit der Veröffentlichung von „Planetary Breathing“ hatten, haben wir uns gefragt, ob wir immer noch das Feuer und die Kraft hätten, weiterzumachen.

Wie ihr wisst, nahmen wir 2014/2015 eine Auszeit, da wir diverse Dinge durchdenken mussten. Als wir zu Beginn dieses Jahres zusammenkamen, um die neuen Songs fertigzustellen, wurde schnell klar, dass die Dinge nicht mehr waren, wie sie sein sollten. Der ursprüngliche Plan war, 2015 eine EP herauszubringen, aber aus unterschiedlichen Gründen ist das Feuer weg – es macht keinen Spaß mehr, die Inspiration ist weg. Dies ist der Hauptgrund für unsere Entscheidung. Wenn du dein Herzblut nicht mehr in einen Song legen kannst, dann ist es an der Zeit aufzuhören und was anderes zu machen. nicht Ihr Herz an den Songs mehr, ist es Zeit, weiterzuziehen. Wir wollen nicht in der Zukunft beschissene Alben aufnehmen, nur weil wir nicht aufhören konnten, bevor dieser Punkt erreicht ist.

Das war keine leichte Entscheidung, aber es war eine notwendige und trotz aller Trauer fühlt es sich richtig und befreiend an. Das Traurigste daran ist, sich von dieser Bruderschaft genannt MyGrain zu lösen, da wir immer eine sehr enge Einheit waren. Wir werden auf jeden Fall Freunde fürs Leben sein, aber natürlich wird es nie mehr so ​​sein wie vorher. Aber man weiß ja nie – wir werden an einem gewissen Punkt vielleicht noch Musik zusammen zu machen, in irgendeiner Form. Und wir werden auf jeden Fall weiter Musik machen, in unserer getrennten Projekten.

Ein demütiger Dank geht an euch, die Fans. Wir wissen, es gibt viele von euch, die uns viel Liebe und Unterstützung in all diesen Jahren gegeben haben. Es war fantastisch, mit Euch bei den Gigs diese Verbindung zu spüren, und auch online. Die Erinnerungen werden immer in unseren Herzen bleiben. Wir möchten auch unsere Crew danken: vor allem unserem Fahrer, Fotografen und langjährigem Freund Toni Salminen, Toningenieur Glen Loit und Agentin / Managerin Vilma Lindqvist. Ohne euch hätten wir viele Erfahrungen nie gemacht. Unser Dank gilt auch unseren ehemaligen Gitarristen: Resistor und Matthew. Vielen Dank für diese Reise mit uns.

In den Worten von Douglas Adams: so lange, und danke für den Fisch!

Tommy
Eve
Janne
Jonas
Teemu
Joni

photos: K. Weber

LTT (1)

Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir!
Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also „Mädchen für alles“ – – –
Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater… also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.

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