Overkill / Prong / Enforcer / Darkology

06. November 2014, Substage, Karlsruhe, Deutschland (Photos von Björn Schmiterlöw auf Flickr)

Schon seit längerer Zeit steht das Substage in Karlsruhe auf dem Tourplan der New Yorker Thrash Institution Overkill. Vor 2 Jahren auf der Killfest Tour mit Purified in Blood und 3 Inches of Blood unterwegs, haben Blitz & Compadres in diesem Jahr die annähernd genauso alten Hasen von Prong und die schwedischen Enforcer sowie Darkology dabei. Von letzteren habe ich bis dato allerdings noch nichts gehört, und da ich wegen des gleichzeitig stattfindenden Jahrmarktes auf dem angrenzenden Messplatz eine halbe Ewigkeit brauche, bis ich einen Parkplatz finde, bekomme ich von den Newcomern (das unterstelle ich hier einfach mal frecherweise) auch nur die letzten zweieinhalb Titel mit.

Rein von der Stimme könnten Darkology glatt als Overkill Cover Band durchgehen, technisch lässt sich eine Affinität zum Prog nicht verleugnen. Viel mehr als wohlwollendes Kopfnicken bekommen Darkology jedoch nicht für ihre Anstrengungen, das Substage ist zum Ende des Auftrittes nur gut zur Hälfte gefüllt.

Dies ändert sich jedoch während „Mesmerized by Fire“, des ersten Titels vom aktuellen gleichnamigen Albums von Enforcer, welche die ersten Köpfe zum Schütteln bringen können. Sänger Olof Wikstrand, der seit dem Weggang von Adam Zaars live auch die Sechssaitige bedient, meistert seinen Job perfekt und reißt bei jeder Gelegenheit die Faust in die Höhe, um das Publikum anzufeuern. Titel wie „Live for the Night“, „Take me out of this Nightmare“ und „Death rides this Night“ werden mit maximaler Spielfreude zum Besten gegeben und mit dem Venom Cover „Countess Bathory“, von Gitarrist Joseph gesungen, nimmt zwischendurch etwas den Fuß vom bisher durchgedrückten Gaspedal. Warum man als Supportband ein Drumsolo braucht, erschliesst sich mir zwar nicht so wirklich – die Spielzeit ist mit knapp vierzig Minuten ja nicht gerade üppig, aber gut. Mit Midnight Vice beschließen Enforcer dann ihren Highspeed Auftritt und lassen ein doch sehr zufrieden gestelltes Publikum zurück.

Was Prong bei diesem Package sollten, hat sich mir eingangs nicht gleich erschlossen, habe ich die Amis um Tommy Victor doch eher im Industrial Bereich in Erinnerung. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich von Prong nicht viel mehr als „Snap your Fingers,…“ kenne und Tommy Victor gedanklich meist mit Ministry in Zusammenhang bringe, bei denen er ja auch fester Gitarrist ist. Oft ist bei einer Drei-Mann-Band nicht allzuviel Action auf der Bühne, was bei Prong absolut nicht zutrifft, denn T.V. hüpft sich auf der Bühne einen Wolf. Bereits beim zweiten Titel „Beg to differ“ hüpfen schon die ersten Metaller ordentlich mit, kurz darauf werden auch die ersten Crowdsurfer gesichtet. In jedem Fall liefern Prong hier einen ziemlich energiegeladenen Gig ab und ich kann heute nicht mehr mit Sicherheit sagen, ob jetzt bei Prong oder bei Overkill mehr Action vor der Bühne abging, selbst wenn sich das Substage während des Auftrittes von Prong nochmal gut füllt. Selbstverständlich geht´s beim beim vorletzten Titel „Snap your fingers, snap your neck“ am rundesten, und die Ordner leisten zehn Minuten Schwerarbeit. Nur schade, dass das doch ziemlich große Prong Backdrop fast komplett vom Overkill Drumriser verdeckt wird, aber das nur nebenher.

Overkill gehen nach dem Intro „XDM“ mit „Armorist“ auch gleich in die Vollen und legen mit „Overkill“ noch einen ordentlichen Scheit nach. Bobby „Blitz“ Ellsworth, mittlerweile auch stolze 55 Lenze, fegt über die Bühne wie ein Derwisch, allerdings sieht man ihm im Laufe des Abends doch an, dass er eben nicht mehr der Jüngste ist, wenn er während Soli oder Rhythmusparts am Bühnenrand verschwindet und sich erfrischt oder durchatmet. Mit „Electric Rattlesnake“ vom 2012 Album „The Electric Age“ und „Wrecking Crew“ geht es weiter im Text. Blitz bedankt sich zwischendurch für den Support und betont, wie zuhause man sich doch in Karlsruhe, respektive Deutschland fühlt. Mit „Rotten to the Core“ folgt bereits jetzt schon letzte größere Klassiker bis zum Zugabenblock. Das ist mir beim letzten Mal schon aufgefallen, aber bei 18 veröffentlichten Alben kann man nunmal nicht jedem mit mehr als zwei gespielten Titeln Rechnung tragen. Nichtsdestoweniger, „In Union we stand“ oder „Bastard Nation“ würde ich gerne mal wieder live hören.

Weiter geht´s mit „Bring me the night“ und „End of the Line“ vom Under the Influence Album, ja auch irgendwo wieder ein Klassiker, bei dem ich sogar meine, Anleihen von Phantom of the Opera im Mittelteil herauszuhören. Die Crowd geht jedenfalls ziemlich steil auf Overkill, und Overkill gehen steil auf das durchdrehende Publikum – eine klassische Win Win Situation sozusagen. Mit einem mächtigen „Pig“ vom aktuellen Album geht der offizielle Teil dann auch schon in die Schlussrunde, die von einem nicht minder kraftvollen Gruß „Hello from the Gutter“ beschlossen wird. Nach einer kurzen Pause melden sich D.D. Verni und Kollegen nochmal mit „Bitter Pill“, „Elimination“ und dem obligatorischen „Fuck you“, in ultraschneller Geschwindigkeit und mit ziemlich unorthodoxem Drumming von einem recht zufrieden strahlenden Publikum ab.

Björn Schmiterlöw

Björn Schmiterlöw

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