Vanity Beach: Wann man alleine arbeitet, hat man nicht so viel Geld

Nach einer langen Pause spielten Vanity Beach ein Konzert und ein DJ Set in St. Petersburg. Gleich nach ihrem Konzert in Helsinki und einer ziemlich abenteuerlichen Reise per Bahn sprachen Jonas und Jesse ein bisschen über ihr neues Album, über Labels und über die Kombination von harter Arbeit und Spass in der Musik.

Wie geht es euch?
Jonas: Gut! Wir haben zwei Stunden geschlafen und sind dann auf den Zug gesprungen. Wir hatten letzte Nacht eine Show in Helsinki.

Seid ihr noch am Leben?
Jonas: Wir leben noch, ja. Wir hatten gerade den Soundcheck und ich denke wir spielen so in zwei oder drei Stunden.
Jesse: Und der Zug hatte Verspätung. Unser erster Zug hatte einen Defekt und wir mussten umsteigen, das war ziemlich anstrengend.

Liegen wir richtig, habt ihr nicht so viel Freizeit wie gewöhnlich, wenn ihr am Touren seid, aber trotzdem – was würdet ihr gerne sehen in der Zeit, wo ihr in St. Petersburg seid und was macht ihr dort?
Jonas: Wir werden zwei Tage hier sein. Wir werden die Isaacs Kirche ansehen gehen, wir wollen rauf in den Turm. Und morgen legen wir Platten in der Union Bar auf. Also sehen wir diese Bar auch. Es ist eine schöne Stadt, es ist schön rumzulaufen und sich einfach umzusehen.

Wenn ich nicht falsch liege, wart ihr schon mal in Sankt Petersburg, richtig?
Jonas: Wir waren zweimal hier, aber das ist lange her. 2008 oder so.

Welche Musik spielt ihr morgen Nacht bei eurem DJ Set?
Jonas: Jede Art von Musik.
Jesse: Ich gehe vielleicht morgen schon nachhause.
Jonas: Ja, wir wissen immer noch nicht wer spielt, wir sind alle DJs und haben allen möglichen Kram dabei.

Euer neues Album kommt dieses Jahr raus, richtig?
Jonas: Ja, “dieses Jahr” ist gut.
Jesse: Wir sind immer noch in mitten der Aufnahmen.

Wird es etwas geben, das einen starken Kontrast zum vorherigen Material bildet, oder macht ihr eure Fans mit dem gleichen Sound glücklich?
Jonas: Es ist 4 Jahre her, also….war es ein natürlicher Prozess. Wir sind jetzt älter und klüger.

Arbeitet ihr mit einem Label oder in Eigenregie im Moment?
Jonas: Wir arbeiten in Eigenregie im Moment. Wir machen das Album zuerst fertig und sprechen dann über Labels.

Habt ihr zuvor mit Labels gearbeitet?
Jonas: Wir hatten ein Label, haben unser letzten Album veröffentlicht und wir arbeiten sehr wahrscheinlich mit jemand anderem mit diesem neuen Album.

Was glaubt ihr, ist es komfortabler, mit einem Label zu arbeiten oder das Album selber zu veröffentlichen?
Jonas: Das kommt natürlich drauf an.
Jesse: Es kommt sehr drauf an. Weil jede Arbeit mit einem Label unterschiedlich ist: unterschiedlicher Art, unterschiedliche Projekte. Es kommt sehr auf die Band und auf das Label an. Musik und das Musik Business verändern sich ständig.
Jonas: Und Labels wollen schnell grosses Geld.
Jesse: Ja, schnell viel Geld, also ist es manchmal schwer für Bands, ein Album zu machen, weil jeder gute Singles möchte. Es ist jetzt schwieriger als, sagen wir mal in den 90ern oder früher, oder um 2000. Mehr Leute hören sich Musik an und wollen sie auch mehr, aber keiner möchte dafür bezahlen. Und das kommt auch auf das Label zu. Also wollen die Labels so viel Geld wie möglich für das Album, aber sie wollen immer noch ein Top-Qualität Produkt. Es ist schwer ein Top-Qualität Produkt zu machen, wenn du nicht viel Geld hast.
Jonas: Es ist knifflig.
Jesse: Also manchmal ist es einfach, alleine zu arbeiten. Aber! Auf der anderen Seite, wenn du alleine arbeitest, hast du nicht viel Geld.
Jonas: Und du hast auch keine Deadlines.
Jesse: Deadlines sind wirklich gut.
Jonas: Weil sie Leute dazu bringen schneller zu arbeiten.

Eigentlich gibt es in Russland das gleiche Problem zwischen Künstlern und Labeln.
Jonas: Ich denke, das ist ein globales Problem.
Jesse: Es ist ein globales Problem und es kommt nicht auf das Genre an. Es kommt überhaupt nicht darauf an, welche Art von Musik du machst.
Jonas: Es ist mehr wie in den 50ern, es geht mehr um Singles, nicht um Alben. Es geht mehr um grosse Hits.

Ihr seid populär in Finnland, aber trotzdem erscheint euer Name auf den Anschlagbrettern der grossen Festival nicht so oft auf.
Jonas: Wir haben ein bisschen getourt nach unserem letzten Album, dann haben wir einfach angefangen, an einem neuen Album zu arbeiten und wir arbeiten daran immer noch.
Jesse: Die Szene ist sehr hart. Wenn du keine grossen Hits hast, lassen dich grosse Festival sehr wahrscheinlich im Stich. Und wenn du kein grosses Label hast, dann hast du auch nicht das Geld, das dabei hilft.
Jonas: Wir kommen immer wieder zurück zum gleichen Punkt mit den Labels.

Jesse, hast du dich je beeinflusst oder unter Druck gesetzt gefühlt vom Erfolg deines Bruders?
Jesse: Nein, nie!

Vielleicht gab es ein paar Fälle bei denen Mädels dich nur kennen lernen wollten, um näher an ihn ran zu kommen?
Jesse: Ja, das könnte sein.

Unter den finnischen Künstlern, mit wem versteht ihr euch gut und von wem haltet ihr euch lieber fern?
Jonas: Wir versuchen nicht, uns von irgendjemandem fern zu halten.
Jesse: Die Szene ist eher klein.
Jonas: Die Szene wird sehr klein und alle kennen einander.

In welcher Atmosphäre schreibt ihr für gewöhnlich euer neues Material, macht ihr es getrennt von einander und tauscht euch danach aus, oder macht ihr alles zusammen im Studio?
Jonas: Wenn wir über dieses Album sprechen, machen wir die Sachen und geben es dann Jesse.
Jesse: Ja, ich mache eine Art Studio Arbeit: Aufnehmen und Produzieren. Ich weiss wie man unterschiedliche Musik wie Pop, Rock, House und Electronic aufnimmt.

Ist Musik für euch mehr Arbeit oder Vergnügen?
Jesse: Beides, aber du musst auch gute Muskeln an deinem Hinter haben!
Jonas: Es ist viel sitzen. Vor allem während der Studio Arbeit. Wenn du für drei Tage im Studio arbeitest, kannst du gute Dinge machen während zwei oder drei Stunden, aber die passieren vielleicht nicht, wenn du nicht sitzt. Je mehr du mit Geduld ohne Unterbrechungen arbeitest, umso bessere Ideen kriegst du von der Arbeit. Musik ist harte Arbeit. Also ist es eine Mischung aus Spass und Arbeit.

Autor: Evgeniya Gyjva, Julia Andreeva, transl. S.Mahrer, Photos: Julia Andreeva

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