Dornenreich

02. Mai 2014, Werkstatt, Köln, Deutschland

Dornenreich sind auf Tour (mit Heretoir und Wassermanns Fiebertraum), um ihr neues Album “Freiheit” zu promoten, aber das wohl im Geheimen, denn wenn du die Band nicht schon kennst, kämst du nicht auf die Idee, nach deren Liveshows Ausschau zu halten. Ich hab kein einziges Poster, keinen Flyer dazu gesehen, also wie kommt es, dass lange vor Beginnzeit eine Schlange vor dem Venue steht, und schon bei der ersten Vorband war der Laden voll?!

Das Venue ist klein, dunkel, ein Hauch Trash. Die Bühne ist nur ein bisschen höher als der Boden, kein Backstage, was den Eindruck erzeugt, als ob du selbst in der Band wärst. Musiker auf der Bühne breiten sich im Publikum aus, und alles wird eins. Im Fall von Dornenreich und ihrem einzigartigen Stil und der Atmosphäre, die sie erzeugen, funktioniert das sehr gut.

Die Österreicher beginnen mit einem kurzen Akustikset, nur die magische Violine, Gitarre und Evigas Flüstern. Ich sehe mich um und viele Leute haben ihre Augen geschlossen, als wären sie in Trance, gelegentlich nickend, mit entzückten Gesichtern. Wie bei einer Gruppenmeditation, es beruhigt, wirkt verträumt und sehr heidnisch. Ich kann nicht verhindern, mich in der Natur, nachts, im Mondlicht an einem Feuer irgendwo an einer Küste zu sehen… Ich weiss nicht, wie Jochen “Eviga” es macht, aber es ist pure Magie.

Später geht es von akustisch zu elektrisch, als sich auch der Schlagzeuger einfindet und sie ältere metallischere Songs spielen. Nun flüstert Eviga nicht mehr, sondern schreit eher zu den Metal Riffs, aber noch immer ist die Geige mit dabei, die eine elfenhafte, verträumte Stimmung um die Musik webt. Die Leute bangen nun, sogar zu langsameren Teilen, und ich weiss nicht mehr, wann ich das letzte Mal Bangen zu Geigenklängen gesehen habe, ausserhalb eines typischen Metalgigs. Wieder ziemlich surreal, als wäre ich eine Figur in einem Audiobook.

Sie müssen länger als eine Stunde gespielt haben, kommen dann noch für eine Zugabe, aber es schien alles viel zu schnell vorbei, wie es oft so ist, wenn dir ein Konzert wirklich gefällt. Das Set war eine gute Mischung aus akustisch und verstärkt, alten und neuen Songs. Es ist gut zu sehen, dass Dornenreich nach 18 Jahren auf ihrem Wege nicht experimentieren oder versuchen, sich neu zu erfinden. Mit jedem neuen Album ist ihre Musik abwechslungsreich genug, um neugierig zu machen, jedoch bleiben sie zugleich ihrem Stil treu. Klar, was anderes würde ich von ihnen auch nicht erwarten – ich hoffe, dass sie öfter auf Tour gehen. Sei wären ein toller Act für ein Pagan Festival, unter offenem Himmel, irgendwo in der Natur, wo ihre Musik hingehört.

Die Tour hat gerade erst begonnen, also wenn ihr eine Chance habt, die Band zu sehen, verpasst sie nicht! Und lest auch das Interview mit Jochen “Eviga”, um mehr über die Magie dieser Band zu erfahren.

Setlist:
1. INTRO
2. FREITANZ
3. IM ERSTEN ALLER SPIELE
4. DES MEERES ATMEN
5. MEER

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6. FLAMMENMENSCH
7. JAGD
8. DER HEXE FLAMMEND’ BLICK
9. AUS MUT GEWIRKT
10. WOLFPULS
11. TRAUMESTRAUM
12. SCHWARZ

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13. ERST DEINE TRÄNE LÖSCHT DEN BRAND
14. TRAUERBRANDUNG
15. WER HAT ANGST VOR EINSAMKEIT?

Stalker.cd bedankt sich beim Label der Band, Prophecy Productions, für die Unterstützung.

Autor: Marina Minkler, transl. K.Weber, Photos: Marina Minkler

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. Melanie Kircher, Grit Kabiersch, Marina Minkler, Maria Levin, Nina Ratavaara, Elvira Visser, John Wisniewski