AHOLA: Ein Stresser braucht auch mal Ruhe

Vor zwei Jahren haben AHOLA ihr erstes Album veröffentlicht, jetzt gut zwei Jahr später erscheint der Nachfolger „Tug of War“ am Markt. Wir haben mit Sänger J.Ahola über die Idee von „Tug of War“ gesprochen und auch über die Arbeit als Musiker allgemein. Weil Musiker zu sein viel mehr bedeutet als einfach nur Songs zu schreiben, sie aufzunehmen und sie dann Live zu spielen, viel mehr. Heutzutage musst du deine Fans verhätscheln und deine Social Network Accounts managen. Jarkko Ahola ist heute sehr präsent auf diesen Plattformen, und was er stattdessen lieber tun würde, erfahrt ihr hier.

Hallo Jarkko, es ist eine Weile her, seit du das letzte Mal mit Stalker gesprochen hast. Wie geht´s?
Danke der Nachfrage. Es geht mir ziemlich gut, aber ich muss sagen, dass all diese Songs schreiben, sie zu proben, sie arrangieren, sie zusammen stellen, aufnehmen, spielen, singen, produzieren, das beaufsichtigen des Aufnahme und Mix Prozesses, die Fotos, Kunst usw. ein sehr anstrengender Prozess war. Ich möchte das für eine Weile nicht machen, haha! Ich bin ein Stresser, weisst du…Ist das überhaupt ein Wort?
(Anmerkung der Redaktion: wohl nur in Schweizerdeutsch, aber wir wissen alle, was du meinst – dass du jemand bist, der immer unterwegs ist und sich gerne auf Trab hält)

Also zu aller erst, wie ist es zum Titel “Tug of War” gekommen? Es ist nicht etwas, das man jeden Tag hört.
Naja, ich schrieb die Lyrics zum Titelsong und ich war mir nicht sicher, wie ich alles im Chorus zusammenfassen soll. Dann dachte ich auf Finnisch, das es ist wie „an einem Seil zu ziehen“ (so sagen wir es) und ich fragte mich, wie man es auf Englisch sagen könnte, und ich fand heraus, dass es „Tug of War“ heisst. Zur Hölle ja! Es klang cool und ich wusste, es wäre ein toller Songtitel, und vielleicht auch ein Album Titel.

Wer hatte die Idee zum Album Cover? Wir sehen ein zerrissenes Seil, aber ein dünner Faden in der Mitte hält es noch zusammen, warum? Ich denke nicht, dass es ohne Grund so aussieht?
Ich hatte dieses Vision des Album Covers, welches Ville Terämä sehr gut auf dem Computer Bildschirm darstellte. Der dünne Faden kam von ihm, aber für mich gibt es einfach mehr Perspektive. Das Seil ist noch nicht zerbrochen, es kann repariert werden, oder zumindest kann man immer noch diesen WAHNSINN STOPPEN… Und könnt ihr das Herz sehen in der „Explosion“? 😉

Die Tour für das neue Ahola Album “Tug of War” hat gerade angefangen, und acht weitere Shows stehen während den nächsten zwei Monaten an, wie bereitet ihr euch auf diese Shows vor?
Wir haben versucht, so oft wie möglich zu proben… was nicht all zu viel war, da wir weit von einander entfernt leben und Leute auch andere Sachen im Leben haben. Jedenfalls ist es lustig, dass Leute es schaffen, sich selbst zu toppen, wenn der Moment kommt, der wirklich zählt. Die Jungs zeigten wirklich musikalisches Können dort draussen. Und für die Tage der Show ist es wirklich sehr viel Arbeit und Warterei. Wir sind eine kleine Band, also tragen wir die Amps und Cabs selber, der Soundcheck braucht Zeit und natürlich auch das An/Abreisen. Ich bin glücklich, wenn ich zwei, drei Stunden vor dem Konzert habe, so dass ich eine Dusche nehmen und einfach für einen Moment relaxen kann. Das ist wichtig.

Ich habe gehört “Tug of War” verkauft sich bisher ziemlich gut. Bist du zufrieden mit den Rückmeldungen bisher?
Ja, es hat sich ganz ok verkauft, wenn du es mit den massiven Produktionen vergleichst, die Sendezeit, Werbung und TV Spots usw. bekommen. Wir haben das alles nicht. Natürlich möchte ich all den Radio DJ’s danken, die ab und zu unsere Songs gespielt haben. Es ist alles gute Medienzeit für uns.
Aber unser, mein Dank geht an all die Fans, die mich seit langer Zeit supporten und jetzt auch AHOLA. Das ist etwas das Geld einfach nicht kaufen kann. Ich bin so dankbar für die Leute, die ihre Zeit und ihr Geld benutzen, um anderen zu sagen, dass AHOLA es wert sind angehört zu werden und das Album zu kaufen, was die einzige Möglichkeit ist und nicht, es zu kopieren oder es illegal runterzuladen oder so was.

Glaubst du, dass die Verkäufe auch so gut sind, weil sich “Ave Maria” so gut verkauft hat, oder wissen einfach mehr Leute heute von AHOLA als damals noch beim „Stoneface“ Release?
Das ist ziemlich schwer zu sagen, weil ich weiss das es Leute gibt die sich einen Scheiss um meine eigene Musik kümmern aber mich gerne die Sachen singen hören möchten die sie mögen. Ich würde sagen einige Leute kommen und bleiben, wenn du verstehst was ich meine. Die meisten Hörer möchten Teil von einer Art von Hype sein. Die Musik selber ist oft nicht so wichtig. Also, dauert es lange Zeit um eine Grundlage zu bilden. Und ich kann euch sagen das dass ein bisschen schwerer zu verkraften ist wenn man nahe an 37 ist und nicht an 25. Es ist alles Arbeit, Arbeit ohne Bezahlung…Jedenfalls, lest die Lyrics von „Rock’n’Roll“ und ihr wisst warum ich das tue.

Es gibt zwei Songs auf dem Neuen Album „Still Metal” und “ Rock’n’Roll”. Man kriegt ein bisschen das Gefühl, du versuchst damit zu zeigen, dass du ursprünglich aus dem Metal Bereich kommst und die Leute gerade nach „Ave Maria“daran erinnert werden sollen, dass du trotz allem „Still Metal“ bist. War das ein Grund dafür dass du diese Songs geschrieben hast?
Etwas in der Art. Es war nicht nur Ave Maria, aber ich habe so viel Unterschiedliches in den letzten Jahren gemacht, dass es mir schwer fällt, mich an all diese unterschiedlichen Gigs, Bühnen, Stile und Konzerte zu erinnern. Ich habe mich einfach danach gefühlt, einen Song zu schreiben, der sagt woher ich komme, und dass es etwas ist, das keiner aus mir herausbekommt. Weiss du, „it follows me’til the day I die“ („Es folgt mir bis zum Tag an dem ich sterbe“)

Das neue Album klingt sehr zwiegespalten im Vergleich zum letzten, auf einer Seite sehr aggressiv und chaotisch und auf der anderen sehr emotional und sanft. So dass man das Gefühl bekommt, du hattest mit anderen Emotionen zu kämpfen als noch bei “Stoneface”, kann das sein?
Ja, ich bin froh, dass dir das auch aufgefallen ist. Als ich über die Reihenfolge der Songs nachdachte, dann ist es wie Side A für raueres Zeug und Side B für das sanftere Zeug. Für mich klang es nach der besten Song Reihenfolge. Zuerst treten wir euch in den Hintern und dann sagen wir euch „alles ist gut, alles gut“, hah! Aber ich schrieb Songs, wie ich mich fühlte, und zum Beispiel bei „One Among The Crowd“ hatte zuerst einen anderen Chorus und Text, aber ich wollte ihn sanfter und schöner machen. Antti Mäkelä war bei mir zuhause und wir waren dabei, am nächsten Tag Drumtracks aufzunehmen. Ich sagte ihm, dass ich dieses Gefühl über diesen Song habe, und wir haben einen neuen Chorus dafür geschrieben. Er kam mit ein paar schönen Akkorden daher und ich sang, improvisierte eine Melodie und habe selber ein paar Akkorde beigefügt. Danach habe ich den Text neu geschrieben… So mache ich Musik. Wenn du Dinge zu sehr erzwingen willst, klingt es vielleicht unaufrichtig.

War es schwerer die Songs für „Tug of War” zu schreiben, oder einfacher?
Auf eine Art ja, aber ich glaube der wichtigste Grund ist, dass ich keine vier Jahre Zeit hatte, sondern weniger als zwei und natürlich wollte ich, dass wir besser klingen und wollte bessere Songs schreiben. Also, ja, ich glaube, es wäre fair zu sagen, dass es schwerer war.

Gibt es einen Song auf den du besonders stolz bist? Und gibt es einen den du heute nicht mehr auf ein Album packen würdest?
Das ist sehr schwer zu sagen, denn ich liebe sie alle und manchmal denke ich, dass dieser oder jener Song scheisse ist, aber das nächste Mal denke ich „Was zur Hölle habe ich mir nur gedacht, er ist gut“. Aber wenn ich zurück auf Stoneface Blicke, würde ich vielleicht „Does it matter what I wear“ weglassen, weil er einfach nicht so gut wurde, wie ich mir das vorgestellt habe.


Du kannst von deiner Musik leben, wie sieht ein Tag bei dir für gewöhnlich aus, an dem du nicht an Gigs oder mit Studio Arbeit beschäftigt bist?
Naja, manchmal mache ich einfach nichts, aber wenn du ein Künstler bist, dann arbeitet dein Verstand die ganze Zeit. Es kann manchmal ein bisschen stressig sein, sich keine Sorgen über etwas zu machen oder eher, dass man wütend auf sich selber ist, einfach nichts zu tun. Viel Zeit wird heute von Sozialen Netzwerken verbraucht. Viele Fragen, die beantwortet werden müssen, Updates, Fotos, Videos, und so weiter nehmen mir meine Zeit. Ich bin darüber manchmal ein bisschen frustriert, weil ich mich gerne mehr auf die Musik konzentrieren würde, aber dennoch Facebook oder Homepage-updates und solche Sachen verfolgen mich! Haha!

Natürlich wollen die Leser gerne wissen, was neben AHOLA passiert mit deinen anderen Projekten. Planst du ein weiteres Solo-Album heraus zu bringen im Stil von „Ave Maria“ oder vielleicht etwas Härteres?
Naja, das zweite Solo Album ist in der Vor-Produktions Phase und ich kann noch nicht wirklich all zu viel dazu sagen, da das Label auch was dazu zu sagen hat. Es ist möglich, dass es gar nicht raus kommt.

Teräsbetoni befinden sich wieder in einer Pause und Raskasta Joulua ist etwas, das erst im November/Dezember wieder kommt. Welche Pläne hast du bis dahin? Hast du neue Projekte geplant?
AHOLA und ich spielen jetzt Konzerte und vielleicht ist das Solo Album das nächste grosse Ding für mich.

Die meisten Künstler machen zu einem gewissen Zeitpunkt ihrer Karriere ein Duett mit jemandem anderes. Natürlich hast du das auch mit Raskasta Joulua, Northern Kings und auch Cheek gemacht, aber gibt es jemanden, mit dem du gerne einen Song machen würdest? Wenn du wählen könntest, wer wäre es?
Ich würde liebend gerne eine Version von Temple of the King mit Ritchie Blackmore machen. Er ist mein Guitar Hero und der Song ist einfach unglaublich. Aber hey, es ist Ritchie Blackmore, also träume ich einfach weiter.

Du wirst mit AHOLA am Down by the Laituri Festival in Turku spielen. Als das Festival der Liebe, hat es eine Tradition namens “Tahdon by the Laituri” (Ich will by the Laituri) wo Paare heiraten am Festival, wäre das was für dich? 😉
Ahhaha! Ich bin eine private Person und ich würde nie solche Dinge in der Öffentlichkeit machen. Die ganzen Medien sind voll mit beschissenen TV Shows mit Leuten, die was auch immer tun, wie heiraten zum Beispiel. Ich kann nicht verstehen, wo all diese aufmerksamkeitslüsternen Leute herkommen.

Du warst in den letzten zwei Jahren sehr beschäftigt, die Arbeit am AHOLA Album, die eine Show mit Teräsbetoni, das Ave Maria Album, Raskasta Joulua, Queen Shows und Solo Gigs. Hast du überhaupt Zeit gefunden, mal auszuspannen? Oder brauchst du zuerst Mal Urlaub, wenn die Tour vorüber ist?
Es ist lustig, wie klein diese “eine Show mit Teräsbetoni” klingt, aber es war eine lange Zeit her, dass wir uns überhaupt gesehen haben, also war das Proben und alles zusammen zu stellen sehr zeitaufwändig. Jedenfalls, ja, ich habe Zeit um zu relaxen, aber wie ich bereits gesagt habe, ich stresse oft, also würde ich einen sehr langen Urlaub benötigen, um wirklich meinen Gedanken Ruhe zu gönnen. Hoffentlich finde ich die Zeit dafür bald!


Ok dann, , last but not least: Gibt es eine Frage die du schon immer in einem Interview gefragt werden wolltest, aber noch keiner hat dich gefragt?
Möchtest du eine Million Euros auf deinem Konto, gleich jetzt?

Danke für deine Zeit und Alles Gute!
Danke dir und kein Problem. Mach’s gut!

Mehr Infos : http://new.aholaband.com/

Sandy Mahrer

Sandy Mahrer

Fresh Act Redakteurin, Reportagen, Reviews, Fotos - - - Favorisierte Musikrichtungen? - Hard Rock, Heavy Metal und Pop-Rock, etc. Weniger Death, Black, Grind Core