Eine in Teich 2013

Ein Metal-Festival auf einem Berggipfel – schon die Location alleine kann dick punkten – wunderbare Aussicht. Nur: Gesunden Magen sollte man haben und schwindelfrei muss man sein, und das schon bei der Anreise den Berg hoch. Flachlandbewohnern sei dringend angeraten, sich hinsichtlich Fahrtechnik zu informieren – gleich 2 hängengebliebene Fahrzeuge fielen uns bei der Anreise auf, und das Aroma von überhitzten Bremsscheiben verbreitete sich auch gelegentlich im Gelände. (NS)
Ein kleines Festival im 4. Bestandsjahr, das sich besonders dem österreichischen Metal-Underground angenommen hat. Nunja, sarkastisch betrachtet, ist die Metalszene in Österreich an sich absolut Underground, umso wichtiger Festivals dieser Art… Der positive Aspekt einer kleinen Szene ist, alle kennen einander, daher herrscht der Charakter „Familientreffen mit Live-Musik“ vor. Ein wichtiger Hinweis, auch wenn es im Tal 30 Grad Plus hat, unbedingt ausreichend warme Sachen dabei haben, denn oben auf 1600m wird es bei Bewölkung und dann abends auch im Sommer eisig kalt…

Schon vorher beim benachbarten Hüttenwirt treffen sich Fans, Bands und Crew bei einer Stärkung – z.B. Frigga, ein Kraftessen, das nur bei grossem Hunger zu schaffen ist. Einige wagten tatsächlich den Sprung in den Teich (der Titel des Festivals in Hochdeutsch: „Hinein in den Teich“). Und wir kriegen auch die legendären beschrifteten Kühe des Baumgartnerhofs leibhaftig zu Gesicht.
Interaktive Fotogalerie am Textende

 

Der Vorschlag vom Nachbartisch, nächstes Mal die Festival-Running Order auf Kühe aufmalen zu lassen, klingt gut – so kriegt „Running Order“ gleich völlig neue Dimensionen, denn erwartet euch lieber nicht, dass die Viecher lange stillhalten … (KW)

 

Den etwas undankbaren Job, das Festival am frühen Nachmittag zu eröffnen, erledigen Death Construction mit ihrem technischen (Melo) Death Metal ganz gut.

Calderah aus Niederösterreich gefallen mir, machen schönen Druck – Entombed würd mir da einfallen als Anhaltspunkt.

Die Salzburger Thrasher Supercharged Afterburner erinnern mich irgendwie an Children Of Bodom – minus Keyboard. Leider noch zu wenig Leute am Gelände. (NS)

Mein erstes Highlight des Tages sind die Tschechen Panychida, die mit Dudelsackintro (vom Band) und Folk Metal mit Black Metal-Ausflügen positiv überraschen. Immerhin wagen sich schon mehr Leute als vorher an die Bühne.

Die mehrmals zu Unrecht totgesagten Rotten Cold zeigen sich nicht nur höchst lebendig, die neue CD soll in Kürze erscheinen. Herrlich respektloser Grind, der uns noch respektloser um die Ohren geprügelt wird. (KW)

Eine wahrlich blutige Show: Seduced versuchen durch grosszügige Verteilung diverser leckerer Schweins-Innereien an das Publikum der Unsitte des Veganertums Einhalt zu gebieten. Ob dies gelungen ist, darf bezweifelt werden. (NS)

Als erster Publikumsmagnet erweisen sich Tulsadoom mit Bombast-Metal und beeindruckender Show. Da wünschen sich mit Sicherheit auch einige Leute vor der Bühne so ein Fellkostüm, nicht nur aus modischen Gründen…

 

Einige mögen den Bass bei diesem Extreme-Core-Trio vermisst haben, mich überzeugen
Annihilate sowohl mit Sound und Attitüde zum Thema „Vernichtung der Menschheit“.

Die Texte von den Deutschen Der Weg einer Freiheit hingegen sind doch zu pathetisch für meinen Geschmack. Dem zahlreich versammelten Publikum gefällt´s, und ja, zugegeben, geile Mucke, die etwas an die frühen Dornenreich erinnert.

Dasselbe gilt für Sakrileg, die den ersten Festivaltag abrunden – und ja, wir können die Frage „War euch nicht kalt in jener Nacht“ absolut bejahen…
Hut ab vor allen, die tatsächlich das Abenteuer, da oben auf dem Berggipfel zu campen, eingehen, denn wir sind nicht die einzigen, die die warme Stube des Hüttenwirts dem Festivalgelände vorziehen.
Fotos von allen Bands findet ihr in der Galerie, Link oben!

Am zweiten Tag ähneln sich die Szenen, nur dass sich schon mehr Leute am Gelände und im Teich tummeln. Für die ersten Bands sah die Kulisse trotzdem noch mager aus.

Dass sich dieses Festival gerne auf die Black Metal Abteilung konzentriert, macht schon die erste Band Svarta klar – Corpsepaint und Stil weisen nach Norwegen. (KW)

Scarecrow N.R.W. aus Graz höre ich zum ersten Mal, die Show gefällt mir gut. Musikalisch besonders der letzte – epische – Song, und der Sänger mit seinen originellen Sprüchen („wir sind hoffentlich laut genug für all die Leute am Campingplatz“). (NS)

Nephrolith aus Slowenien haben für ihren atmosphärischen Black Metal gleich die richtige Kulisse, düstere Gewitterwolken – und ganz kurz hagelt es sogar. Glücklicherweise sollte es auch an diesem Tag bei bedrohlichen Wolken bleiben. (KW)

Fallen Utopia haben offensichtlich viele Fans, und deren Thrash-Metalcore fährt wirklich gut ein.

Ähnliches Bild bei Sole Method , die vielleicht etwas mehr in die Thrash-Ecke fallen. (NS)

Asmodeus scheinen die erklärten Publikumslieblinge des Abends zu sein, und die professionelle Bombast-BM-Show tut da ein Übriges. Hinsichtlich cooler Sprüche hätte Scarecrow-Bernd fast Konkurrenz gekriegt.

Distorted Impalement machen überraschenderweise viel Spass mit ihrem Death-Grind, das kreischrosa Shirt setzt da noch eins drauf.

Flammensturm entfesseln in der Tat eine feurige Show, die allerdings unter dem Motto „Farewell Concert“ steht. Die begeisterten Publikumsreaktionen zeigen, dass diese Band wohl vielen sehr fehlen wird.

Die Franzosen Benighted stellen mit ihrer energiegeladenen Show wirklich alles in den Schatten. Ein würdiger Headliner! Ein Moshpit tobt (wohl schon um sich warmzuhalten), doch irgendwie kommt eine Wall of Death trotz Aufforderung nicht zustande… Fotografieren ist durch die Kombination hyperaktive Band und zuviel Gebibber meinerseits kaum noch möglich (trotz Winterhandschuhe und dicker Jacke). Die letzte Band Boozehounds Of Hell kriegen wir durch verfrühten Aufbruch ins Tal nur noch am Rande mit. (KW)
Fotos von allen Bands findet ihr in der Galerie, Link oben!

Fazit:
Crew sehr nett und hilfsbereit, Verpflegung erstklassig und preiswert, ebenso die Tickets, Atmosphäre genial, nur die Temperaturen liessen viele vorzeitig kapitulieren; und die Bands hätten sich abends Beheizung bzw. bessere Ausleuchtung des Backstage-Bereiches gewünscht… dennoch, absolut empfehlenswert! (KW)
Feines Festerl. Ein Lob der Technik, alles lief immer im Zeitplan. Vielleicht beim nächsten Mal doch an Heizkanonen denken. (NS)

photos: Klaudia Weber
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text: Norbert Schüller, Klaudia Weber
Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir!
Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also „Mädchen für alles“ – – –
Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater… also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.

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