Inferno Festival 2013

Wieder einmal Zeit für Inferno. Oslo ist sonnig aber kalt, und die kühle Brise hält die Leute gut in Kleiderschichten verpackt.
Dieses Jahr besteht das Line-Up aus unterschiedlichsten Bands, für den Fan guter Musik viel mehr im Angebot als konsumiert werden kann. Der erste Festivaltag findet in sechs Klubs gewidmet, die sich verstreut im Zentrum befinden. Die Venues in diesem Jahr: John Dee, Rock In, Victoria, De Ville´s Rock Lounge, Revolver und BLÅ, wo die Dark Essence Records Nacht stattfindet.
Einige dieser Nebenevents des Festivals sind zwei Shows des Stand-up Comedian Jason Rouse, die Tattoo-Messe im Rockefeller und Inferno Film im Cinemateket.

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Mittwoch, 27. März
BLÅ ist ein ehemaliges Gold- und Diamantenlager, das sich in einem faszinierend geschmückten Häuserblock nahe am Fluss befindet. Als wir im Hof ankommen wird klar, dass es aufgrund der Popularität dieser Veranstaltung unmöglich ist, sofort reinzukommen. Die Schlange draussen reicht vom Eingang aus noch einige Meter um die Ecke. Ins BLÅ passen zirka 400 Leute rein, und offensichtlich wird es heute eng.

Glücklicherweise dauert es nicht zu lange, um hineinzukommen. Die Sognametal-Weisen von Cor Scorpii heissen die Leute in der Schlange willkommen. Obwohl der Club voll ist, herrscht eine warme und einladende Atmosphäre und die Anwesenden scheinen diese Nacht voll zu geniessen.

Durch die schönen Melodien der Klangwelten von Cor Scorpii aus Sogndal wird das Publikum in eine andere Realität versetzt, ehe die Inkarnation der Schrägheit namens Vulture Industries die Bühne betraten. Diese Band aus Bergen fasziniert das Publikum mit ihrer leidenschaftlichen, experimentellen Musik und ihrem ungewöhnlichen Stil. Trotz einiger technischer Probleme wird eine lebendige Show geboten, mit all den üblichen abwechslungsreichen Showelementen.

Die letzte Band im BLÅ heute, Helheim aus Bergen, ist zweifellos einer der am meisten herbeigesehnten Acts dieser Dark Essence Records Nacht. Obwohl es scheint, dass nun einige Leute bereits verschwunden sind, wohl um die anderen Clubs anzuchecken oder um den Abend im offiziellen Festivalhotel Royal Christiania fortzusetzen, was als offizielles Basislager aller Vorspiele und Nachspiele dient.

Helheim sieht toll aus auf der Bühne und sie beginnen als erste die Serie mit Gastsängern in diesem Festival, als Hoest von Taake erscheint und seine Parts im Song Dualitet og Ulver zum Besten gibt, gekleidet wie im dazugehörigen Musikvideo. Die Fans sind ausgesprochen begeistert und auf dem Nachhauseweg dürften einige mental abgedriftet sein, um nachzudenken über die Balance von Licht und Dunkelheit in einem drin…

Obwohl ich etwas enttäuscht war, zu spät für die erste Band Kraków gekommen zu sein, bot die Nacht im BLÅ eine Menge hinsichtlich Musik und Atmosphäre.

Donnerstag, 28. März

Das Festival wird im Hauptvenue Rockefeller und im kleineren Club unten namens John Dee fortgesetzt. Auf dem Weg von der Rampe vom Haupteingang zur Rockefeller Bühne begleiten uns die einladenden Grooves von Hate, dem polnischen Death Metal Act, der den zweiten Inferno-Tag eröffnet. Das Konzert lässt ein wenig die Intimität kleinerer Clubs vermissen, aber der gute Sound und die Energie, die sich durch das Zusammenspiel von Band und einer grossen Menschenmenge ergibt, machen das alles wett. Leider wird diese Show in Oslo eine der letzten des charismatischen Bassisten Mortifer*.

Obwohl die schwedischen Black Metaller Dark Funeral viele Leute ins Rockefeller locken, nachdem Hate die Bühne aufgewärmt haben, scheint ihre Kunst die Menge zweitzuteilen – diese, die Dark Funeral als intensives Erlebnis empfinden und jene, die als unbeteiligte Zuschauer so gut wie nicht beeindruckt sind.

Wieder im ersten Stock des Hauptvenues macht sich eine weitere wohlbekannte Band aus Bergen daran aufzutreten: Taake In den 20 Jahren ihrer Geschichte hat sich die Band eine breite Fanbasis geschaffen. Es passiert ziemlich viel auf der Bühne während des Auftritts. Was die Gastsänger – das grosse Ding beim Festival dieses Jahr – betrifft, wird das Publikum mit Auftritten von Niklas Kvarforth von Shining, Jørn Inge Tunsberg von Hades Almighty, Morten Shax von Endezzma und last but not least, Bjørnar Erevik Nilsen von Vulture Industries verwöhnt.

Sich das Konzert von ganz hinten aus anzusehen, hinter dem Mischpult, ist keine gute Idee, denn da scheint man den schlechtesten Sound zu haben. Obwohl ich versuche, nicht unbedingt unter dem Balkon zu stehen, fasziniert mich die Taake show nicht ausreichend, um mich ganz nach vorne zu drängeln. Nicht heute Nacht.

Eine nette Erweiterung im Festivalareal ist die Ausstellung von Cartoonist Kim Holm und Fotograf Stig Pallesen in der Bushwick bar im Keller von John Dee. Eventuell könnte die Galerie etwas mehr Raum für die Zeichnungen und Fotos bieten, aber die Lage könnte zentraler nicht sein.

Im John Dee unterhalten die Norweger Chrome Division die Menge mit ihrem Rock ´n Rolli-mässigen Biker-Heavy Metal. Die Leute stehen Schlange, um teil zu haben an diesem Phänomen, das hauptsächlich aus schwarzem Leder und rockenden Gitarrenriffs besteht, um dann wieder die Treppen hochzutrampeln, um die letzte Band dieses Abends zu sehen, die Death Metal Veteranen aus Florida, Deicide. Ohne Props auf der Bühne ziehen Deicide einen routinierten Gig durch, der von einer grossen Menge bejubelt wird.

Es gibt noch Zeit, sich etwas auf der Dachterasse abzukühlen, ehe die Tore des Clubs geschlossen werden. Der Nachthimmel ist klar, ebenso wie die Luft. Jupiter blickt auf die Menschen herab, wie sie langsam betrunken werden und sich auf den nächsten Tag vorbereiten.

Freitag, 29. März

Der Freitag beginnt mit dem heissersehnten Gig der Finnen Behexen. Die Performance im Rockefeller ist durch emotonelle Nuancen gekennzeichnet, und im Unterschied zur letzten Show in Helsinki tragen die Musiker auch keine Roben, was noch zum emotionalen Eindruck der Show beiträgt. Behexen hat eine Reihe guter Songs und die Atmosphäre, die durch die Musik und die Anwesenheit einer grossen Menge erzeugt wird, machen dieses Konzert zu einem der besseren Erlebnisse bei diesem Festival.

Neben Taake gibt es eine weitere 1993 gegründete Band aus Bergen, die nun die Hauptbühne betritt, Aeternus. Immer mehr Leute versammeln sich, als dieses Konzert beginnt. Neben den alten Klassikern wollen die Fans besonders die Songs des gerade veröffentlichten albums …And the Seventh his Soul Detesteth zu hören bekommen, und auch jene, die noch nicht so sehr mit dem Dark Metal dieser Band vertraut scheinen, kommen langsam in Fahrt. Die Band klingt grossartig und die Tatsache, dass du die Leidenschaft der Musiker bei diesem Auftritt fühlen kannst, machen das Aeternus Konzert zu einem der Highlights des Festivals.

Einige Infernogäste haben ihre Enttäuschung kundgetan, dass die Schweden Ghost kurzfristig abgesagt haben. ancelling their performance in a short notice. Als Ersatz treten Witchcraft, ebenfalls aus Schweden, auf.

Der wunderbare Sound ihrer Doom-Songs im 70er Stil verzaubert die Menge im Rockefeller. Einige Leute stehen hingerissen da, andere finden es weniger faszinierend. Witchcraft zieht einen zurückhaltenden, aber doch beeindruckenden Gig durch und sind eine willkommende Bereicherung im Lineup.

Im John Dee sind die Holländer Carach Angren dran. Obwohl mir die Band von einem Freund kurzfristig empfohlen wurde, mache ich dann doch lieber Platz für jene, die wirklich auf diesen symphonischen Black Metal und Carach Angrens Stil stehen.

Wieder oben angelangt, haben die Fans von Gothic Metal sicher viel Freude an der Show der portugiesischen Langzeit-Profis Moonspell. Was die Publikumsreaktionen betrifft, ist dieser Auftritt mit sicherheit einer der am heissesten ersehnten für die meisten. Alte Songs ziehen die Fans in ihren Bann und versetzen sie offensichtlich auf eine Zeitreise.

Die nächsten auf der Hauptbühne sind Suffocation. Seit 1988 im Business, haben die brutalen Deathmetaller aus New York jede Menge Erfahrung. Es braucht nicht viel Zeit, bis heftiges Headbangen mitten im Publikum losgeht. Etwas erschöpft aber doch bereichert durch die Erfahrungen dieser Nacht, wird es Zeit zu gehen und Kraft für den letzten Tag zu sammeln.

Samstag, 30. März

Die Sonne ist heute früh dran, aber im Schatten ist es noch immer kalt. Nach Erhalt eines Anrufs von einem Kollegen muss ich eine Entscheidung treffen, ob ich mir Baptism ansehe oder versuche, eine Kamera hineinzuschmuggeln und dabei zu riskieren, es nicht rechtzeitig zum Konzert zu schaffen. Wegen der Grösse des Venues werden vom Festival nur begrenzt Fotopässe vergeben und heute dürfen keine Kameras ohne Pass mit hinein genommen werden. Geht also nicht. Aber zumindest kann ich mich voll auf die Musik konzentrieren. (Folgende Fotos wurden via Handy gemacht, Anm. d. Red.)


Baptism ist derzeit eine der besten Black Metal Bands aus Finnland. Seit 1998 aktiv, hat die Band vier vollständige Alben und noch eine Reihe weiterer CDs herausgebracht. Der Mann hinter der Musik ist Lord Sargofagian, dessen delikate Bühnenpräsenz wirklich was besonderes ist. Sogar der verwaschene Gitarrensound schmälert nicht den Eindruck dieser intensiven Performance.


Eine weitere Bergen-Band, Hades Almighty, präsentiert eines der interessantesten Konzerte des Festivals. Sie nehmen das Publikum gefangen mit ihrem Black Metal mit progressiven Elementen. Du musst einfach nur zusehen und abwarten, was als nächstes kommt. Und das was als nächstes kommt ist ein Gastauftritt von Hoest im Song Alone Walkyng. Ausserdem bekommt die Menge noch eine Geige zu hören. Alles in allem fällt die Hades Almighty Show unter die besseren Auftritte beim Inferno 2013.


Die nächsten auf der Rockefeller Bühne sind Solefald aus Oslo. Die ersten Songs klingen nicht vertraut, aber kein Wunder, ist ja 8 Jahre her, dass ich sie das letzte Mal gehört habe. Die Band wird von einer grossen Menge willkommen geheissen und – bizarr – der Künstler, der auf der Bühne ist und Berge malt, ist definitiv cool. Ab einem gewissen Zeitpunkt sind viele Leute auf der Bühne, und der Menge scheint es zu gefallen.


Die Headliner des letzten Tages sind die Norweger Satyricon, die nun auch gerade ein neues Album aufnehmen. Im ersten Stock hast du das Gefühl, eine Sardine in der Dose zu sein und musst dir schon rechtzeitig einen Platz gesichert haben, um vor dem Mischpultbereich zu landen. Die Performance lässt nicht an Kraft vermissen, zweifellos. Der Sound ist toll und die Lichtshow so fabelhaft wie sie nur sein kann. Es gibt Pyros und – halt, wie bitte? Ist das Konfetti? Nunja, egal. Wo waren wir stehengeblieben?

Das Publikum bekommt eine in vielfacher Hinsicht perfekte Satyricon Show geboten. Wenn nur Satyr die Musik für sich selbst sprechen liesse. Die Band hat so gute Songs, dass es für viele Fans besser wäre, diese ohne unnötige Unterbrechungen einfach zu spielen. Die tolle Performance hinterlässt dich etwas irritiert, eine Stimmung mit pulsierender Energie und Verwirrung. Also keine Chance, um nach unten zu kommen und die Los Angeles Doom Legenden Saint Vitus zu sehen.

Nach einer Anzahl toller Auftritte, der Gelegenheit, viele Freunde zu treffen, auf der Dachterasse Bier zu geniessen und Karten zu spielen, dann in der Tram das Drücken des Stop-Knopfes zu vergessen und ganz oben am Hügel zu landen, von dem aus du einen wundervollen Ausblick auf den Fjord hast, wird es dann Zeit für die Heimreise.

* HATE-Basser Sławomir „Mortifier“ Kusterka starb in der Nacht vom 5. auf den 6. April aus unbekannten Gründen. R.I.P.


Weitere Bands im Billing:
In Vain
From the Vastland
Man the Machetes
Blood Tsunami
Altaar
Mion´s Hill
Spectral Haze
Saturnus
Devil
Ninth Circle
Exeloume
Imbalance
Causing the Exile
Nidingr
Iskald
Horned Almighty
Zygnema
Faanefjell
Solstorm
Fleshcrawl
Warpath
Purified in Blood
Morbo
Mos Generator
Kråke
Diskord

text & photos: Meri Tikkala
1_Aeternus

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. Grit Kabiersch, Maria Levin, Nina Ratavaara, Elvira Visser, John Wisniewski

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