The End of Before The Dawn / Black Sun Aeon / RoutaSielu – eine Grabrede

23.02.2013 Finlandia-klubi Lahti, FIN

“Klar kann ich den Merchstand schaukeln, wenn der in Bühnennähe ist, da krieg ich ja trotzdem genug vom Gig mit.” “Wenn die Bands spielen, interessiert sich eh keiner für Merch.” Zwei Personen, zwei Theorien, und alles falsch… Um diesem besonderen Anlass – immerhin das “offizielle Begräbnis” von gleich drei (bzw. sogar vier) Bands, Details HIER – auch hinsichtlich Berichterstattung gerecht werden zu können, werden auch einige GastautorInnen zu Wort kommen…

Interaktive Fotogalerie am Textende

Aber zunächst meine Eindrücke:

Der Finlandia-Klub stellte sich als Teil der beeindruckenden Sibelius-Halle in Lahti heraus – tolle Location, toller Saal. Aufgrund diverser Verspätungen (nicht nur Soundcheck, auch mein Zug) hatte ich kaum Zeit, den Stand vorzubereiten, als auch schon die Türen geöffnet wurden – und tja, ab diesem Zeitpunkt wünschte ich mir, die Göttin Kali mit 6 Armen zu sein, oder mich schnell mal klonen zu können, denn das spezielle THE END Merchandise wurde mir wortwörtlich aus den Händen gerissen…

RoutaSielu habe ich daher grossteils nur akustisch mitgekriegt; da die meisten Fans keine Sekunde dieses besonderen Gigs verpassen wollten, feierte auch schon eine beachtliche Menge den Opening Act enthusiastisch ab. Ein guter Start des Marathons, den viele auf der Bühne absolvierten, mit 2 oder 3 Auftritten an diesem Abend – allen voran Mastermind Tuomas Saukkonen, in dieser Band für Bass und Gesang zuständig, sowie Pyry Hanski, hier an den Drums. Auch Mikko Heikkilä (git, voc) sollte noch einmal in der nächsten Band zu sehen sein. Saku Moilanen (key) und Eero Silvonen (git) ergänzten die Combo, deren massiver Melo-Death-Folk-Groove mit finnischen Texten richtig gut rüberkam. Setlist: Soturi / Sukuhauta / M.E.V. / Enkeli / Kaipaus / Pimeä / Loppu / Ystävä

Von Black Sun Aeon konnte ich mir wenigstens teilweise auch ansehen; Tuomas und Pyry hatten hier Instrumente getauscht. Ich hatte den Eindruck, dass es diesmal längerdauerte, bis die massiv-brutale Soundwalze richtig in die Gänge kam, trotz der Gastgrowler Juuso Turkki (The Hypothesis, Red Moon Architect) und natürlich Mynni Luukkainen bei den letzten beiden Songs. Mein Highlight waren hier die Duette von Janica Lönn und Mikko Heikkilä, deren klare Stimmen einfach wunderbar zusammenpassen. Setlist: Funeral Of World / Frozen / River / Solitude / Oblivion / Nightfall / A Song for My Funeral / Brother

Da nahezu nichts mehr an Merch da war, konnte ich die Headlinershow geniessen – wo sich wirklich alle Anwesenden vor der Bühne drängelten und schon beim Intro völlig ausrasteten. Zu Recht, sollte das doch eine der besten und intensivsten BTD Shows werden, Überraschungen inklusive. Zur Grundbesetzung Bass – Pyry, Gitarre – Juho Räihä, Drums – Rainer Tuomikanto und Tuomas – Gitarre&Growls gesellte sich da etwa Panu Willman, Clean-Sänger aus den Anfangstagen, für einige Songs hinzu. Mit “I was never there” wurde auch dem ebenfalls zu Grabe getragen Projekt Dawn Of Solace Tribut gezollt. Tuomas hielt seine Ansangen rar und kurz, und in Englisch für die nicht-finnischen Fans im Saal. Am Schluss enterte sogar Lars Eikind die Bühne, um den “Deadsong” mit seinem einzigartigen Organ zu veredeln. Da versagte Tuomas kurz mal die Stimme… und er war mit überschäumenden Gefühlen nicht alleine… Klar, dass nach “Unbreakable” mit Mynny als Gastgrowler die Menge noch immer mehr wollte… Doch leider, keine Zugabe, wohl auch wegen Sperrstunde… Setlist: Pitch Black Universe / Fear Me / Disappear / Throne Of Ice / My Darkness / Vengeance / My Room / I Was Never There / The Black / Phoenix Rising / Fallen World / Eclipse / Deadsong / Unbreakable

Mit einer Träne im Knopfloch bleibt mir nur zu sagen: Danke euch allen für die geile Musik, die auch immer einen Platz in meinem Herzen (und meinem CD Player) haben wird – und ich wette, wir sehen uns bald wieder! (Siehe etwa Tuomas´ neues Projekt WOLFHEART
http://www.youtube.com/watch?v=9FFgrbFVyrw )
– Klaudia Weber –

Gastkommentare:
Als ich gerade vom Tuska Festival 2008 aufbrach, drückte mir jemand diese Dirty Black Summer EP in die Hand, darauf ein Black Sun Aeon Song namens 3rd Chapter. Der interessierte mich hauptsächlich wegen Gastsänger Tomi Koivusaari von Amorphis, aber das sollte sich in etwas völlig Unerwartetes entwickeln. Es führte zu merk-würdigen Abenteuern… 3h-Fahrt und im Auto schlafen, nahe einer Sportarena (beim Dark River Festival in Kotka), um eine lange Geschichte kurz zu machen.
Bei RoutaSielu passierte es so ähnlich – M.E.V. Traf mich mitten ins Herz. Ich halte meine Gefühle üblicherweise mit Hilfe von Musik im Griff, und ich muss sagen, dass mir beide Bands viel Kraft gegeben haben. Daher fühlte sich dieser letzte Gig an wie ein Abschied von meinen besten Freunden, die meine Höhen und Tiefen der letzten Jahre mitbekommen haben. Das Ende einer emotionsgeladenen, aber viel zu kurzen Reise. Ihr habt mir so viel Kraft und Glücksgefühl durch eure Musik gegeben. Hinter einem Schleier aus Tränen: Ich freue mich darauf, euch wieder auf einer Bühne zu sehen, eines Tages, irgendwo. Ich wünsche euch das Beste für eure zukünftigen Projekte. Gut… mir gehen nun die Worte aus, aber aus der Tiefe meines gebrochenen Herzens, noch einmal ein Wort an euch alle: Danke.
– Susanna Nylander –

Nach einer ca. 9stündigen Anreise erreichten wir gegen 20:30 Uhr den „Finlandia-Klubi“ im wunderschönen winterlichen Lahti.

Kurz nach betreten der großartigen Location eröffneten auch schon „Routasielu“ den Abend. Die Fläche vor der Bühne war gut gefüllt, die Fans erfreuten sich an den durchweg finnischen Songs. Die ca. 40 Minuten waren ein guter Beginn für einen „historischen“ Abend.

Nach einer kurzen Pause ging der Vorhang für „Black Sun Aeon“ auf. Beim Erklingen der ersten Riffs von „Frozen“ überfiel mich ein unglaublicher Schauer aus Freude, Gänsehaut und Trauma, der mir fast die Tränen aus den Augen drückte. Welch großartige Atmosphäre, düstere melodische Klänge erfreuten die Ohren und Herzen der Fans. Ein Wiedersehen mit früheren Bandmitgliedern machte einem trotz großer Freude klar, dass dieses der letzte Gig einer einzigartigen Band war. Ich denke, alle werden die gefühlvollen Stimmen von Mikko und Janica im Zusammenspiel mit dem perfekten Growling von Tuomas und/oder Mynni in dieser Form vermissen.
In der letzten kurzen Pause bot sich mir die Gelegenheit mit einigen Musikern zu reden, wobei allein durch die Mimik und die Tonlage der Stimmen klar wurde, wie emotional und auch traurig, trotz aller Genialität und Klasse der Musik, dieser Abend war.

Als „Before The Dawn“ den letzten Gig des Abends eröffnete, war es gerammelt voll vor der Bühne. Vom ersten Song an flogen einem die grandiosen harten Riff`s nur so um die Ohren, Tuomas` Gesang ließ einem das Mark erstarren, das Publikum feierte seine Helden und sang bei jedem Titel kräftig mit, so dass es ein würdiges Abschlusskonzert für die Band und deren Fans wurde. Auch hier wurden vorherige Bandmitglieder eingeladen (Lars, Panu) und in die Show mit eingebunden, die Fans dankten es mit „Standing Ovations“ und Freudenschreien.

Leider ging hier nicht nur ein toller Abend mit 3 Klasse–Bands zu Ende. Eine Ära von Tuomas Saukkonens Bands Dawn of Solace, Routasielu, Black Sun Aeon und Before The Dawn, die jahrelang die Herzen der Fans strahlen ließ, wurde hier beendet.
Ich denke, jeder Musiker, der das Vergnügen hatte, in einer dieser Bands mitwirken zu dürfen, ist dankbar für die Zusammenarbeit mit Tuomas und die sich daraus entstandene Chance, sich weiter zu entwickeln. Wir werden viel von ihnen in anderen Bands wieder sehen (Kaunis Kuolematon, Shining, Gloria Morti…) und den Weg von Tuomas mit seinem neuen erfolgsversprechendem Projekt „Wolfheart“ natürlich weiter verfolgen.
Es erfüllt einen schon mit etwas Stolz, solch klasse Musiker seine Freunde nennen zu dürfen.
Alles in allem war es ein überragendes, emotionales und unvergessliches Ereignis.
-Thor Twittallica –

(er hat auch dieses Gruppenfoto zur Verfügung gestellt)

Die Abschlussworte gehören dem Mastermind himself:
23.2.2013
Ein gebrochener Mann mit einem gebrochenen Herzen, umgeben von Leuten aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart. Leute, wo ich die Ehre habe, diese Freunde / Bandkollegen / Fans nennen zu dürfen. Meine Liebe für euch ist viel grösser als meine einsame Erscheinung jemals auch nur erahnen liesse.
Ihr habt das alles möglich und real gemacht. Ihr habt einen Traum geteilt und ihn mit mir gelebt. Was wäre ich ohne euch?
Ade, meine Waffenbrüder/schwestern. Edelste der Menschen, bemerkenswerte, grossartige FreundInnen!
Ade, meine Dunkelheit. Du hast mich 15 Jahre begleitet und mir dieses tiefschwarze Herz und eine verkohlte Seele hinterlassen, und das werde ich bis ans Ende meiner Tage zu schätzen wissen.
Und jene, die mich als vollständigen Menschen fühlen liessen.
„You always saw me
And for u I was always there“

– Tuomas Saukkonen –

photos: Tina Solda, group photo: Thor Twittallica
230213RS1

 

text: Klaudia Weber, Susanna Nylander, Thor Twittallica, Tuomas Saukkonen

Contributors

Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir!
Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also „Mädchen für alles“ – – –
Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater… also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.

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