Árstíðir

21.9.2012 Lutherhaus Osnabrück

“Arstidir – isländischer Indie Folk” war auf dem Plakat am Eingang des Lutherhauses in Osnabrück zu lesen. Hätte ich nicht schon von ihnen gehört, ich hätte danach bestimmt nicht gewusst, was mich erwartete. Eine besonders konkrete Vorstellung hatte ich auch so nicht, aber das ist ja nicht unbedingt schlecht…

Nachdem ich im letzten Jahr den Dokumentarfilm „Arstidir – you just have to know of me“ über sie gesehen hatte, wusste ich, ich musste einfach (mehr) von ihnen wissen. Endlich bekam ich meine Chance. Es sollte ein ganz besonderes Vergnügen werden: Ein Abend voll wunderschöner Musik, die ein Lächeln auf meinen Lippen zurückließ. 6 Männer, 6 harmonierende Stimmen, 3 Gitarren, eine Geige, ein Chello und ein Konzertflügel brachten wunderbare Klänge hervor, die mein Herz berührten und meinen Geist ansprachen. Der Name Arstidir bedeutet „Jahreszeiten” und genau so hört sich ihre Musik auch an. Sie ist fließen wie der Wind, der an einem grauen Herbsttag durch die Bäume streicht, wärmend wie die Sonne an einem hellen Sommertag, sie deckt dich zu wie Schnee im Winter oder ruft nach Dir wie Vögel im Frühling.

Kaum jemand im Publikum kannte Arstidir, aber am ende des Abends klatschten und jubelten sie und stampften so sehr mit den Füßen, dass der Boden bebte – im wahrsten Sinne des Wortes. Es war ein tolles Ende für einen Abend voll magischer Musik. Die Jungs schienen ziemlich erstaunt angesichts unserer Reaktion. Ich kann mir allerdings kaum vorstellen, dass diese bisher irgendwo anders ausgefallen ist.

Zwei Stunden lang sangen sie für uns auf Isländisch und Englisch. Alle im Publikum, die es zuließen, von der Musik getragen zu werden, wurden an einen anderen Ort entführt – an einen Ort, an dem Schönheit existiert und alles von Magie umgeben ist. Ich schloss ein paar Mal meine Augen, um wirklich zu spüren, was ich hörte, aber selbst mit offenen Augen sah ich eine friedliche Landschaft und verspürte das Verlangen, dorthin zu gehen. Die meisten Songs vermitteln ein Gefühl von Melancholie und Sehnsucht. Es geht über die Musik hinaus und vermittelt einen Botschaft, die mehr ist als nur Töne. Diese Musik kann man fühlen, sehen, schmecken und riechen, nicht nur hören. Da ich kein Isländisch spreche, musste ich mich auf meine anderen Sinne verlassen, um zu verstehen und es funktionierte – manchmal braucht es das Gehirn nicht, um Dinge zu begreifen.

Der Veranstaltungsort passte gut zur Musik. In der Konzerthalle waren Tische und Stühle aufgestellt, wo während des Konzerts alle ruhig saßen. Die Akustik war unglaublich gut, jedes Instrument und jede Stimme waren klar und deutlich zu hören. Das Publikum war sehr aufmerksam – keine Gespräche oder sonstigen Nebengeräusche störten das Konzert. Nur zwischen den Songs zeigte der Applaus, wie sehr sie die Musik genossen.

Ich mochte die englischen Songs wegen der schönen Texte und die isländischen wegen der Bilder, die sie in meinem Kopf hervorriefen. Alle Songs hatten auf ihre Art eine besondere Kraft, manche waren lauter und schneller, andere sehr ruhig. Manchmal sang nur einer der Jungs, manchmal alle sechs, meistens zwei oder drei von ihnen. Die Instrumentierung bildete eine gute Basis für den Gesang, aber die a capella gesungenen Stücke waren genauso schön.

Einige der Stücke, die Arstidir für uns spielten, waren traditionelle isländische Songs, aber die meisten waren ihre eigene. Manchmal erzählten sie uns, worum es dabei ging, aber nicht alles ließ sich übersetzen. Es spielte keine Rolle, was die Worte bedeuteten, die Musik sprach alle im Raum an, Als der letzte Song verklungen war, fühlte ich innere Ruhe und Frieden. Danke, Arstidir, ich hoffe wir sehen uns bald wieder.

Text & photos: Stefanie Oepen

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. Melanie Kircher, Sander Burmeister, Grit Kabiersch, Marina Minkler, Maria Levin, Nina Ratavaara, Elvira Visser, John Wisniewski