Pothead

In Berlin zirpen es die Spatzen aus den Büschen: Der langjährige Schlagzeuger der Band Pothead, Sebastian Meyer, ist vor einigen Monaten ausgestiegen. Das Schicksal schlägt gern zweimal zu, denn auch der Drummer der Berliner Gruppe Knorkator hatte just dieser seiner Formation entsagt: Nicolaj Gogow – der Sohn des bulgarischen Geigers und Bassisten Georgi Gogow der legendären Ostberliner Band City („Am Fenster“) – suchte und fand ein neues Nest bei Pothead und war somit zum ersten Mal in Hamburg beim Konzert zu bewundern.

Dies war nun auch das erste Konzert in Hamburg seit Erscheinen der letzten CD „Pottersville“, aus welcher allerdings nur ein einziger Song gebracht wurde, nämlich das treibende „Rock On, Let´s Rock“ mit dem charakteristischen Riff.

Alle übrigen Lieder stammten aus dem Repertoire früherer Jahre und durften natürlich auch nicht fehlen, was insbesondere der „Indian Song“ beweist, in den der gesamte Saal geschlossen einstimmte. Neuer Drummer, neue CD und noch etwas war aktualisiert: die eleganten Nadelstreifenanzüge, frisch und mit gestärkten Bügelfalten direkt aus den USA eingeflogen (wo auch Al Capone schneidern ließ).

Im Unterschied zu früheren Jahren, in denen auch mal ein paar jüngere und sogar noch jüngere Gesichter im Publikum auftauchten, zog diesmal die Alterskurve ab 30 aufwärts. Es feierte die Generation, die mit dem guten, alten Rock`n´Roll, der aus 90er Grunge&Blues, den 70ern und heiß laufenden Gitarrenseiten generiert wird, aufgewachsen sind und sich darin heimisch fühlen.

Pothead steht nun mal nicht für Experimentelles oder neue Strömungen, sondern auf individuelle Art für unspektakuläre Musik, die aus dem Bauch und aus dem Herzen kommt. Und genau das wollen sie, die kamen, um in der gut besuchten Markthalle zu feiern. Es war ja schon epochale Änderung genug, sich auf den neuen Mann im Trio einzustellen, dessen Trommelspiel sich nicht nur integrierte, sondern auch für neue genetisch-bulgarische Akzente sorgte und mit großem Wohlwollen aufgenommen wurde.

Manche Dinge ändern sich nie und gehören in die Rubrik Tradition, so auch am Ende das obligatorische Händeschütteln, mit denen sich die Band von den vorderen Reihen ihrer Fans verabschiedet. Doch diese hatten längst nicht genug und forderten lautstark in Chören weitere – obwohl vorher auch traditionell schon gegebene – Zugaben.

Doch die Band hatte eine Stunde dreiundfünfzig Minuten gespielt und entschied sich für Ruhe im Karton, zog sich Backstage zurück und pflegte die strapazierten Stimmbänder, Gelenke und Fingerknorpel mit einer Mischung aus sanften Biereinreibungen und dem Rauch indianischer Heilkräuter.

Andreas Torneberg

Andreas Torneberg

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