KORN / The Dirty Youth / J Devil

KORN sind ja eine Band, bei der sich regelmäßig die Geister scheiden. Die einen finden ihre Experimentierfreude und Kompromisslosigkeit gut und wichtig, die anderen meinen, dass ihre Musik nichts mit Metal zu tun hat und daher de facto nicht als solcher bezeichnet werden darf. KORN selbst ist sowas erfahrungsgemäß völlig egal, was sie mit dem eigenwilligen Nu Metal/Dubstep Hybriden „The Path of Totality“ erneut unter Beweis stellen. Dass das auch live funktionieren kann, versuchen sie auf der aktuellen Tour zu beweisen, die sie auch nach Offenbach führt. STALKER war für euch vor Ort, um das Ganze mal in Augenschein zu nehmen.


Der Opener war schon mal eine Überraschung. KORN-Frontmann Jonathan Davis ließ sein Alter Ego J DEVIL auf die Meute los. Statt Metal gab es eine Runde Dubstep pur. Das Publikum erschien zwar zahlreich, wirkte aber etwas irritiert. Einige wenige feierten die Musik zwar, der Großteil schien aber nicht zu wissen, was er nun davon halten soll. Immerhin gab J Devil sich alle Mühe die Menge anzuheizen, was im Laufe des Auftritts auch teilweise gefruchtet hat.


Nach diesem eher durchwachsenen Auftritt folgte nach kurzer Pause die Band THE DIRTY YOUTH mit einem ziemlichen Kontrastprogramm. Weder Dubstep noch Metal, stattdessen wurde aggressiver Alternative Rock geboten. Sängerin Danni Monroe überzeugte mit einer beeindruckenden Stimmgewalt, die an Hayley Williams von Paramore erinnerte und mit sehr mitreißenden Posen. Der Songtitel ´Fight´ sagt eigentlich alles, was man über die Performance wissen muss. Im Hand umdrehen hatten sie einen gutteil des Publikums im Griff, ihr Album an den Mann gebracht und eine Reihe neuer Fans gewonnen. Auch wenn die Musik vom Härtegrad her nicht reichte, um ein adäquater KORN-Supporter zu sein, machten die Herren plus Dame ihre Sache doch sehr gut. Zudem traf ihre Musik eher den Zuspruch des Publikums als der Opener.


Dann war der Moment für den eigentlichen Höhepunkt gekommen. KORN ließen sich zwar etwas bitten, als sie dann aber endlich die Bühne betraten, gab es für die vordersten Reihen kein Halten mehr. Von einem Morgen ganz zu schweigen… Die Combo präsentierte denn auch ein farbenfrohes Potpourri ihrer Hits und Raritäten. Von ´Lies´ und ´No Place to Hide´ über ´Here to Stay´, ´Freak on a Leash´ bis zu ´Shoots and Ladders´ war alles dabei, ebenso das bekannte Pink Floyd-Cover ´Another Brick in the Wall´. Garniert wurde das Ganze von nicht weniger als sechs Songs vom aktuellen Album, womit mehr als die Hälfte desselben geboten wurde. Darunter die Single-Auskopplung ´Get Up´ und der Opening-Track ´Chaos Lives in Everything´. Wer die Band erst seit dieser Release kennt (und derer waren einige unterwegs, wie Pausengespräche ergaben), kam also nicht zu kurz. Nicht zu verachten war auch die gigantische Laser-Show, für die KORN praktisch die komplette Bühnenrückwand in eine Projektionsfläche verwandelten. Für Epileptiker ungeeignet. Fairerweise muss man sagen, dass KORN auch nicht jünger werden und selbst die ausdrucksstarken Posen von Davis irgendwann einstudiert wirken. Nichtsdestotrotz haben die Herren eine unglaubliche Energie, die sich nach wie vor auf alle Anwesenden überträgt.

Spieltechnisch gibt es nichts auszusetzen, jedoch war deutlich zu spüren, dass gerade bei den neuesten Songs die Härte fehlt, die KORN eigentlich auszeichnet(e) und man nur an alten Nummern erkennen konnte, dass sie zu einer solchen noch in der Lage sind. Abschließend lässt sich sagen, dass es zweifelsohne bessere Auftritte der Band gab, aber dennoch jeder zumindest einigermaßen auf seine Kosten gekommen sein sollte. Nur J DEVIL sollte eher in Elektro-Clubs auftreten, dort dürfte die Musik auch mehr Zuspruch finden. KORN-Sänger hin oder her.

Markus Seibel, Gregor Bewernick (+ Photos)
Markus Seibel

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