YOU GOT STALKED: Apocalyptica | Livingston

Wieder mal eine finnische Band, die STALKER genauer unter die Lupe nehmen musste – das heisst, wir blieben Apocalyptica, dem rockigsten Celloensemble der Welt, bei gleich drei Terminen ihrer EU-Tour auf den Fersen: Österreich, Deutschland und Luxemburg.

Interaktive Fotogalerie am Textende

Austria: Wien „Bank Austria“ – Halle Gasometer, 19.10.2010
Um 20 Uhr heizt die Support-Band Livingston* – eine Rockformation aus London (GB) – das Publikum vor. Einige Unsicherheiten im Gesangspart werden durch mitreißende Musik wettgemacht. Nach einer guten halben Stunde, in der sich pointierte Moderation und spannende Songs (von Balladen bis Hard Rock) die Waage halten, wird der Sound schon wieder abgedreht und ein größerer Umbau für den Hauptact findet statt. Durch ihr sympathisches Auftreten und eingängige Melodien hat Linvingston sicher einige Fans für sich gewinnen können.

Eine passende Unterstützung der beiden Bands während des gesamten Konzertes durch die Lichttechnik ist gegeben. Die Abstimmung des Timings der Effekte und die Farbstimmungen fügen sich perfekt in den Klang ein.

Die Eröffnung des Auftritts der Finnen Apocalyptica wird durch dramatische Lichteffekte untermalt, die Bandmitglieder legen ihre coolsten Auftrittskleider an, Nebelwerfer kaschieren die Umrisse des Veranstaltungsortes und erleichtern dem Publikum den Einstieg in die Welt aus Lyrik und Sound.

Das Konzert ist in Themen eingeteilt, ein paar Nummern hiervon was davon, es ist von überall was dabei: Stücke aus ihrem neuesten Album „the seventh symphony“, eigene Songs mit Sänger, ein paar ihrer berühmten frühen „Metallica“ – Coversongs wie zum Beispiel „Master of Puppets“ , bei dem die singende Menge Lob für ihre Stimmgewalt bekommt.

Mal liefern sich Eicca Toppinen (Cello) und Mikko Sirén (Drums) eine Hetzjagd, dann werfen sich alle Musiker wieder klangliche Spielbälle zu, Lötjönen fesselt einige der grölenden Metallfans aus den vorderen Reihen mehrmals mit seiner fast interaktiven Performance, Kivilaasko führt Bruchstückhaften Small Talk auf Deutsch und flucht auf Finnisch; gegen Ende des Konzerts fliegt Toppinens Bogen nach einem Schlagzeugpart, der für den Cellobogen wohl zu heftig gewesen ist, ramponiert in die Menge, Sirén will kurz darauf offensichtlich auch ein abgespieltes Paar seiner Sticks loswerden und schleudert diese hinterher.
Freudig stürzen sich einige der inzwischen gut gelaunten Fans in den „Pogo“.
Die Menge taumelt glücklich nach knappen zwei Stunden Konzert (mit Zugaben) aus dem Veranstaltungszentrum.

Mehr Fotos hier
Unserer Meinung nach ein ziemlich cooles Konzert mit hochwertiger Musik und spannenden Stimmungsmodulationen aber etwas platten und aufgesetzt wirkenden Zwischenmoderationen im Hauptact;
Der Gehörschutz war während der Performance bei weitem nicht ausreichend um das Ohr genügend zu schützen; egal ob die Tontechnik, das Veranstaltungsmanagement oder die Bands selbst für den Lautstärkepegel verantwortlich gewesen sind, es hat der Musik nicht gut getan, viele spannende Aspekte der Stücke sind schlicht und einfach unter dem Schreien der Anlage und dem Pochen der Subbässe verschwunden. Lautstärke ist relativ, die Schmerzgrenze absolut. Deswegen geben wir dem Event 7 von 10 Punkten.

*Es gibt zumindest von „linvingston“ einen live-track zu diesem Konzert im Internet zum Download, sonst homepages für mehr Infos selbst abchecken:
www.apocalyptica.com/de/home
www.lingstonmusic.co.uk

Text: Julian GAMISCH und Marlene ULLREICH, Fotos: Marlene ULLREICH

Germany: Hamburg, Grosse Freiheit 36, 23 Oct 2010
Das Licht war perfekt, der Sound war perfekt, die Vorband war nett, Apocalyptica war umwerfend. Der einzige mögliche Minuspunkt kann für die Vorband und den Sänger (Tipe Johnson), den die Cellisten mit sich auf Tour genommen haben. Er ist nicht schlecht, aber konnte den Original-Sängern nicht das Wasser reichen.

Zum Aufwärmen spielten Livingston, die mit Herkunftsländern wie Süd-Afrika, Deutschland, Italien und Großbritannien ein sehr internationales Line-Up vorweisen können. Musikalisch sind sie wirklich okay, auch wenn sie sehr poppig klingen. Die Band hat eine Menge Ähnlichkeit mit Rust, welche irgendwo zwischen Cold Play und Linkin Park angesiedelt sind. In einem ihrer Songs spielt die ganze Band Drums, was ein bisschen Blue-Man-Group Vibes Stimmung rüberbrachte. Wer sich für die hier genannten Bands erwärmen kann, sollte sich Livingston nicht entgehen lassen.

Apocalyptica haben mit ein paar Oldies gestartet. Zunächst gab es ein paar Metallica Songs und dann kam der Sänger auf die Bühne um “Bring them to the Light” und “I’m not Jesus” Stimme zu verleihen. Bei beiden Songs hat er seine Sache gut gemacht, aber die Tatsache, dass er sich da im direkten Vergleich zu Sängern wie Corey Taylor befindet bleibt einfach bestehen. Es war sehr schön zu erleben, dass der Song “Bring them to the Light” live großartig funktioniert. Der geballte Kraft, die dem Song innewohnt greift um sich und haut einen einfach um.

Jedes Bandmitglied ist wirklich ein prima Entertainer. Bewaffnet mit einem besonders trockenem Humor und einer armseligen Aussprache der deutschen Sprache, haben sie nicht nur Wellen von Gelächter provoziert, sondern von Zeit zu Zeit wahre Lachsalven verursacht. Das Publikum ging während des ganzen Konzerts total mit und stimmte bei den instrumentalen Stücken zu denen ein Text existiert mit ein. Es war offensichtlich dass die Cellisten eine Menge Spaß auf der Bühne hatten, Eicca witzelte herum, Paavo grinste von einem zum anderen Ohr und Perttu konnte nicht aufhören rumzualbern. Selbst Mikko, der Schlagzeuger, schien kein bisschen nervös zu sein, nicht mal als er dazu aufgefordert wurde zu dem Song “Beautiful” Cello zu spielen.

Alles in allem spielten sie 90 Minuten, welche eine Menge alte aber auch neue Songs und drei Zugaben beinhalteten, wovon die letzte „Hall of the Mountain King” war. Man kann kaum mehr erwarten, wenn auch niemand etwas dagegen gehabt hätte, wenn sie noch ein bisschen länger gespielt hätten.

Autor: Ozzy Aikas, Fotos Samira Alinto

Den Atelier, Luxembourg City, 5.11.2010
Apocalyptica verfolge ich beinah seit der ersten Stunde und damals kam es noch recht oft vor, dass man „Apo wer?“ als Antwort bekam, wenn man sagte, man ginge zu einem Konzert der Finnen. Das allerdings hat sich mittlerweile ganz schön geändert, denn ich würde behaupten, mittlerweile weiß sogar meine Oma, wer sie sind. „Oh diese langhaarigen Finnen mit den Cellos, ja die Musik hab´ ich bestimmt schon mal gehört!“
Genau das schien der Fall zu sein, denn das Den Atelier im Herzen von Luxemburg Stadt war nicht nur ausverkauft (seit Anfang September, wie mir ein Kollege mitteilte), das Publikum war auch verdammt bunt gemischt – es war beinah schon schwierig Metalheads auszumachen, oder sagen wir es einmal so, solche die optisch so aussahen. Zuschauer aller Altersklassen waren vertreten, ganze Familien mit Kindern, Teenager etc. alle waren dort!
Da konnte man sich dann schon wundern, dass man sich nicht entschlossen hatte, die Veranstaltung in die größere Rockhal zu verlegen, auf der anderen Seite war es aber auch eine tolle Sache, die Finnen noch einmal in solch intimem Rahmen zu sehen. Fast schon fühlte es sich an, wie eine kleine Reise in die Vergangenheit, zurück nach 2003, als ich die Jungs schon einmal in einem solch kleinen Club irgendwo in Frankreich gesehen hatte. Der Fotograben war demzufolge nicht der Rede wert. So nervig das für einen Fotografen war, so toll war es für die Fans, denn die Musiker waren so wirklich zum Greifen nahe!

Der Opener waren Livingston aus London – ich muss zugeben, ich hatte zuvor noch nie von ihnen gehört, aber sie haben mich gleich mit dem ersten Song überzeugen können. Ok, wahrscheinlich nicht nur mich, denn erstaunlicherweise, ging das Publikum nach den ersten beiden Stücken „Smile“ und „6×4“ ordentlich mit, klatschte und schrie – das dürfte in Luxemburg erwähnenswert sein, das das Publikum dort ansonsten recht reserviert ist und schon gar nicht beim Opener so bei der Sache ist. Spätestens, als während einer Drum“solo“ session Eicca und Mikko von Apocalyptica zu den Jungs stießen, war das Eis vollends gebrochen. Eicca am Schlagzeug, Mikko an der Trommel und alle trommelten gemeinsam und schienen sichtlich Spaß an der Sache zu haben. Der Funke sprang auch auf die Fans über. Es waren nur noch zwei Songs übrig und mit ein wenig Wehmut in der Stimme gab der Sänger bekannt, dass dies nun nicht nur der letzte Gig zusammen mit Apocalyptica wäre, sondern auch der letzte Gig einer sehr schönen Tour. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie mit ihrer Mischung aus schmissigen Stücken und Balladen eine Menge neuer Fans gewinnen konnten. Punkten konnten sie zudem mit ihrer Spielfreude und ihrem charismatischen Bühnenpräsenz.
Die sollte man auf alle Fälle mal antesten und am besten auch gleich einmal live ansehen, denn was auf CD gut klingt, ist live noch eine Ecke härter und reißt mehr mit!

Setlist Livingston:
Smile
6×4
Whatever
Disease – Drum Solo
Broken
Man Overboard

Es folgt eine Umbaupause von 30 Minuten und die Temperaturen im ausverkauften Den Atelier stiegen. Ein hoch auf die gut funktionierende Belüftung, denn ohne diese, hätten die Finnen bestimmt eine tolle Sauna á la Luxemburg genießen können. Punkt 21:30 enterten sie die Bühne und stiegen mit zwei neuen Stücken, „Quasimodo“ und „2010“ ein, gefolgt von „Grace“ vom „Worlds Collide“ Album. Die Fans waren ja im wahrsten Sinne des Wortes bereits warm und Apocalyptica hatten ein leichtes Spiel. Beim folgenden „Master of Puppets“ gab es dann kein Halten mehr, Hörner wurden in die Luft gereckt und es wurde lauthals mitgesungen. Immerhin war es auch der letzte Gig der Tour und so verausgabten sich die Finnen total. Bei den beiden folgenden Songs stieß Sänger Tipe Johnson, den einige von den Sommer Festivals vielleicht schon kennen, zur Band und gab „End Of Me“ und „I´m Not Jesus“ zum Besten. Der Background Gesang wurde von Eicca beigesteuert. „Refuse/Resist“ markierte dann sicherlich mit den härtesten Part der Show und das Publikum ging mit, plötzlich sprangen auch die Livingstone Jungs auf die Bühne und bearbeiten ihre Gitarren und Bässe teils mit Cellobögen. Perttu´s folgende Vorstellung der Bandmitglieder im Interviewstil nebst interviewen einiger Fans in der ersten Reihe hatten einen leicht komödiantischen Touch und brachte alle zum Lachen. Mittlerweile ist wirklich jedes einzelne Mitglied von Apocalyptica zu einer Art Entertainer geworden, jeder in seiner ganz eigenen Art und Weise.

Beinah so, als wolle man das Publikum nun eine Runde abkühlen oder ihnen eine Verschnaufpause bieten, wurde nun einen Gang zurückgeschaltet und das wundervolle „Beautiful“ und „Sacra“ führten dazu, dass der Großteil der Anwesenden wie gebannt auf die Bühne schaute. Nach weiteren Stücken wurde das Tempo wieder angezogen und „Seek´n Destroy“ lud zum lauten Mitsingen ein.
Zu schade, dass das folgende „Inquisition Symphony“ bereits das Ende des offiziellen Teils markierte, da das Atelier aber bereits lautstark nach einer Zugabe verlangte, ehe die Band überhaupt die Bühne verlassen hatte, dauerte es natürlich nicht lange, bis diese folgte.
Apocalyptica kehrten für eine Zugabe bestehend aus drei Songs auf die Bühne zurück, darunter einer, für den Sänger Tipe Johnson nochmals Gesang beisteuerte – „I don´t Care“. „Hall of the Mountain“ läutete das Konzert in gewohnter Manier aus – der letzte Song des Konzerte und gleichzeitig auch der letzte der Tour.
Wieder einmal konnten Apocalyptica ihre Livequalitäten eindrucksvoll unter Beweis stellen. Sehr unterhaltsam, mitreißend und musikalisch top!

Setlist Apocalyptica:
On The Rooftop with Quasimodo
2010
Grace
Master of Puppets
End Of Me
I´m Not Jesus
Refuse/Resist
Beautiful
Sacra
Bittersweet
Last Hope
Bring Them To Light
Seek´n Destroy
Inquisition Symphony
At The Gates of Manala
I Don´t Care
Hall of the Mountain King

Autor + Fotos: Cornelia Wickel

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Samira Alinto

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