Santa Cruz – Fresh Act September 2010

Wenn eine Band derzeit die Musikszene Helsinkis im Sturm erobert, dann sind das Santa Cruz. Nach etlichen Gigs in ihrer Heimatstadt, besonders in den vergangenen Monaten, sind sie schon jetzt kein Geheimtipp mehr. Trotz ihres sehr jungen Alters besitzt das Quartett mehr 80ies-Rock-Attitude als so manches Original aus der damaligen Zeit und gleichzeitig eine sehr realistische Sicht auf die Dinge. Und weil die Hardrocker gemäß ihres Hits „We`re Aiming High“ auch außerhalb der Musikszene Helsinkis nach ganz oben wollen, nehmen sie gerade mit Produzent Joel Attila eine neue EP im „Studio Bulevardi“ auf, wo Sänger und Gitarrist Archie und Bassist Middy ein wenig ihrer raren Zeit opferten, um sich den vielen neugierigen Fragen von STALKER zu stellen.

Mögt Ihr Euch zu Anfang vielleicht einmal kurz vorstellen?
Archie: Wir sind vier junge Kerle aus Helsinki, die Glamorous oder Glam Hard Rock spielen, mit…
Middy: … Stil und Attitude!

Wie lauten die Namen der einzelnen Bandmitglieder?
Archie: Nun, wenn ich mich mit jemandem auf Englisch unterhalte, dann sage ich normalerweise, dass mein Name „Archie“ ist, aber in Wirklichkeit heiße ich „Arttu Kuosmanen“, und ich bin der Sänger bei Santa Cruz und spiele dort auch Gitarre.
Middy: Ich heiße Middy – Mitja Toivonen – und spiele den Bass bei Santa Cruz.
Archie: Die anderen beiden sind derzeit im Urlaub. Johnny – Joonas Parkkonen – der Gitarrist, und Taz – Tapani Fagerström – der Drummer. Finnish names suck!

Warum?
Archie: Nun ja, wenn Du auf der Suche nach einem Namen bist, der am wenigsten nach Rock`n`Roll klingt, dann musst Du einfach nur etwas Finnisches nehmen.
Middy: So sieht`s aus mit den finnischen Namen!

Ist das der Grund, warum Ihr diese englischen Pseudonyme benutzt? Oder tut Ihr das, um Eure Privatsphäre zu schützen? Oder befürchtet Ihr, dass die Leute außerhalb Finnlands Eure Namen nicht korrekt aussprechen können?
Middy: Es klingt einfach besser als unsere tatsächlichen Namen.
Archie: Yeah, der Hauptgrund ist, dass es einfacher ist. Jemand außerhalb Finnlands könnte sagen: „Oh, schaut Euch diese Band an, und der Sänger, der heißt Archie!“ Man hat`s sofort drauf. Aber mit einem Namen wie „Arttu“ dauert es drei Monate, bis sich die Leute an den Namen auch nur erinnern können.
Middy: Yeah, und Du musst den Namen immer und immer wieder buchstabieren.
Archie: Wir singen auf Englisch, also warum zur Hölle sollten wir dann nicht auch englische Namen haben können?!?
Middy: Mit Privatsphäre hat es übrigens nichts zu tun, denn wenn wir unsere Privatsphäre schützen wollen würden, dann würden wir Masken wie Lordi tragen. [Gelächter] Und wenn Du in einer Band spielen willst, kannst Du den Faktor „Privatsphäre“ gleich mal ganz vergessen!
Archie: Ich mag keine Privatsphäre.
Middy: Privatsphäre is Scheisse! [Gelächter]
Archie: Das ist der Grund, warum wir rausgehen und warum wir Rock`n`Roll spielen. Natürlich kann es am Anfang ein wenig lächerlich wirken, wenn die Leute dann sagen: „Hahaha, er kommt aus Helsinki… Ein finnischer Kerl, der mit Kühen spielt, der sich selbst „Archie“ nennt, ein englisches Pseudonym benutzt, hahaha…“ Aber nach ein paar Jahren, wenn Du Alben machst und Gigs spielst, denkt keiner mehr, dass es lächerlich ist oder dergleichen. Schau` Dir Michael Monroe oder Andy McCoy an. Heutzutage denkt man noch nicht einmal mehr darüber nach und ich bin mir sicher, dass sie am Anfang auch einiges an Hohn und Spott ertragen mussten, als sie damals begannen, sich „Michael Monroe“ oder „Andy McCoy“ zu nennen.

Wie alt seid Ihr?
Middy: Wir sind alle 18!
Archie: Kleine Kinder… Teenie-Jungs…
Middy: … mit Pickeln!

Seit wann existieren Santa Cruz?
Archie: Nun, die Band wurde von Johnny und mir gegründet, damals im Sommer 2007, aber im darauffolgenden ersten Herbst passierte nicht wirklich etwas. Anfang 2008 mussten wir dann unseren ersten Bassisten und unseren ersten Drummer feuern, da sie nicht genug Zeit hatten, sich ernsthaft auf die Band zu konzentrieren, also mussten wir sie rausschmeißen und gewannen Middy für den Bass und einen Kerl namens Orkku für die Drums, aber nach einem halben Jahr… oder noch nicht einmal so lange… mussten wir auch Orkku wieder rausschmeißen.
Middy: Es waren drei Monate oder so…
Archie: Und dann hatten wir diesen anderen Kerl, der ein Jahr lang in unserer Band war und die Drums spielte und den wir letzten Sommer, was ein Jahr und ein paar Monate her ist, rausschmeißen mussten, um stattdessen Taz zu bekommen – und nun sind wir komplett.

Also habt ihr bislang schon drei Schlagzeuger gefeuert?
Beide: Yeah, Taz ist der Vierte, seit letztem Sommer.
Archie zu Middy: Ist es nicht unglaublich, wie gut er in unsere Band passt?
Middy: Nach nur einem Jahr… He`s such a badass!
Archie: Es ist, als sei er schon immer in der Band gewesen.

Und die anderen Jungs wurden alle gefeuert, weil sie nicht so motiviert waren?
Archie: Weil, weißt Du, sie hatten nicht so schönes lockiges Haar wie wir! [Gelächter]
Beide: Haha, nein, wir machen nur Spass!
Archie: Yeah, die Motivation war das größte Problem, außer im Falle von Orkku. Er ist ein cooler Typ, aber ich weiß nicht… Er passte nicht so gut in die Band… Er ist ein wirklich cooler Kerl und wir sind auch noch befreundet und alles. In seinem Falle war es nicht die Motivation, denn er war motiviert wie kaum ein Zweiter!

Wie hat alles angefangen?
Archie: Nun, ich und Johnny lernten uns auf diesem Musik-Camp bei Pori kennen. Wir waren Teenager und wir spielten beide Gitarre und wir merkten recht schnell, dass wir beide die gleiche Art von Musik mögen und wir waren beide auf der Suche nach einer Band und da haben wir uns gesagt: „Hey, lass` uns eine Band gründen!“. Das war im Sommer 2007…
Middy: Das goldene Zeitalter!
Archie: Wir hatten den gleichen Musikgeschmack, wir waren beide auf der Suche nach einem anderen Kerl oder anderen Kerlen mit dem gleichen Musikgeschmack, der gleichen Einstellung, dem selben Look… Und zwischen mir und Johnny machte es diesbezüglich gleich „Bang!“. Heutzutage hasse ich den Motherfucker, aber… [Gelächter]
Middy: Was will man machen? Er hat die Band gegründet, man kann ihn nicht hinauswerfen… Nun, vielleicht können wir es ja doch… Haha!

Ihr seid ziemlich jung – alle 18, wie Ihr sagtet – aber Ihr spielt einen Musikstil, der angesagt war, bevor Ihr überhaupt auf der Welt wart. Wie kamt Ihr mit dieser Art von Musik in Berührung?
Archie: Nun, eigentlich stellen uns diese Frage ziemlich viele Leute…
Middy: Ich denke, es ist die großartigste Ära des Rock`n`Roll. Das erste Mal, dass ich mit dieser ganzen 80er-Sache in Berührung kam war, als ich „Appetite For Destruction“ von Guns`n`Roses in der Plattensammlung meines Vaters fand, zufällig, und ich war von der ersten Sekunde an hin und weg. Danach folgten all die anderen Bands wie Mötley Crüe und so weiter.
Archie: Ich kam zum ersten Mal damit in Berührung, als ich ein kleines Kind war und zu skateboarden begann. Darüber kam ich zunächst mit Punk in Berührung… The Clash, Sex Pistols… Weißt Du… Vom Punk kam ich dann zum Old Heavy Metal á la Black Sabbath und Iron Maiden und irgendwie durch diese Bands fand ich dann Mötley Crüe und all diese 80ies-Glam-Bands – und ich dachte nur: „What the hell!?!“ Sie hatten alles: Sex, Drugs, Rock`n`Roll. Sie definierten den Rock`n`Roll – und danach… Weißt Du… Kurt Cobain und diese langweiligen Sachen…

Also seid Ihr keine großen Fans der Grunge-Ära?
Archie: Nun, eigentlich liebe ich viele der großen Grunge-Bands… Pearl Jam, Alice In Chains… Manchmal ist es nicht so gut. Nirvana ist cool…
Middy: Ich denke, die coolsten Grunge-Bands sind Stone Temple Pilots und Alice In Chains, aber der Rest…
Archie: Alice In Chains ist cool, aber…
Beide: … es ist zu düster!
Middy: Das ist auch der Grund, warum wir die 80er lieben und warum wir auch diesen 80er-Kram spielen, denn man hat dabei eine gute Zeit und es geht auch nur darum, eine gute Zeit zu haben. Aber Alice In Chains und diese Bands… Da geht es nicht darum, eine gute Zeit zu haben. Da geht es darum, sich über seinen Drogenkonsum zu beklagen. Wenn Du schon Drogen konsumierst, warum zur Hölle musst Du dann auch noch Songs darüber machen!?! Mach` doch einen Song darüber, wie gut Du Dich fühlst! So sehen wir das und das ist auch der Grund, warum wir solche Musik machen.
Archie: Selbstverständlich gab es auch jede Menge Scheißbands in den 80ern. Vielleicht sogar mehr als in den 90ern…
Middy: … Oder in den anderen Jahrzehnten.
Archie: Yeah, aber die besten Bands der 80er… Sie haben einfach das Wort „Rock`n`Roll“ definiert! Sie sahen gut aus, sie klangen gut, sie hatten große Songs, sie spielten in den größten Hallen… Weißt Du, was ich meine? Und danach: Wo ist all der gute Hardrock hin? Diese Musik existiert nicht mehr!
Middy: Und all die Bands, die damals in den 80ern ganz groß waren, sind heutzutage eher lahm. Die letzten guten Songs haben sie Anfang der 90er gemacht oder so. Die Kids heutzutage haben Mötley Crüe und all das noch nicht gehört, weil sie halt so jung sind. Deswegen bringen wir denen den…
Archie: [unterbricht] Heutzutage hören alle Rap. Und wenn man an Kids denkt, die 12, 13 oder 14 Jahre alt sind und Rock oder Metal hören, dann hören sie Slipknot…
Middy: … Oder Iron Maiden oder Metallica.

Und was ist eure Meinung zu diesen Bands?
Middy: Ich mag Iron Maiden nicht.
Archie: Ich war mal ein ganz großer Fan von Iron Maiden, aber heutzutage kann ich sie überhaupt nicht mehr hören. Aber ich liebe Metallica, zumindest die „Black Album“-Ära und die Thrash-Metallica.
Middy: Ich mag „Master Of Puppets“ und all das, das ist cool. Slipknot haben ihr eigenes Ding, aber…
Archie: …Sie haben ein paar gute Songs, aber… Weißt Du…
Middy: … Diese Pop-Songs! Nun, seit ich fünf Jahre alt war, haben mich meine Mutter und mein Vater immer mit zu Partys genommen und ihre Freunde haben die Rolling Stones gehört. Danach hat mir mein Vater ein paar weitere Bands näher gebracht und den Rest habe ich mir dann selber beschafft.
Archie: Mich brachte das Skateboarding der Musik dieser Bands näher. Ich habe auch eine ganze Zeit lang mal Eminem gehört, als ich in der 2.Klasse war, aber als ich dann mit dem Skateboarding anfing und damit, mir all diese Skateboard-Filme anzuschauen…
Middy: …Da gibt es keinen Eminem…
Archie: Yeah, die haben all diese Punkrocker… Verdammt enge Jeans, auftoupierte Haare, Songs von Guns`n`Roses, Sex Pistols, The Clash, Mötley Crüe… Das war es, was mich gekriegt hat. Ich erinnere mich daran, wie ich diese Skateboard-Filme schaute, mit Songs von Guns`n`Roses, W.A.S.P., mit „Kickstart My Heart“… „Kickstart My Heart“ war eine Riesensache für mich! Da gibt es diesen einen Skateboard-Film, „In Bloom“, darin spielt ein Skateboarder namens Toni Trujillo mit, der ein Mötley Crüe-Tattoo auf seinem Rücken trägt, und sein Part… Es war so unglaublich… Er konnte so verdammt gut skaten… Und sein Part war mit „Kickstart My Heart“ unterlegt – und das war für mich DER Moment, in dem es „Klick“ machte! Das war mein Lieblingssong, von Anfang an…
Middy: Nun, ich habe auch Punk gehört, denn angefangen hatte zwar alles mit Guns`n`Roses, aber als ich dann meine erste Gitarre bekam, konnte ich keine Guns`n`Roses-Songs spielen. Ich war grottenschlecht darin. Also spielte ich etwa ein Jahr lang in einer Punkband, in einer Garage, und wir spielten Sex Pistols, Misfits und all diese Sachen. Aber dann sagte ich mir: „Punk ist nicht wirklich mein Ding… Ich möchte Mötley Crüe spielen! Ich möchte Guns`n`Roses spielen!“ Und nach einer Weile fand ich dann diese Jungs…
Archie: Ich spielte in dieser Old School Heavy Metal-Band, welche ähnliche Songs spielte wie Iron Maiden. Zunächst versuchte ich es, aber irgendwie kam ich dann nicht weiter. Ich versuchte die Band rockiger zu machen, aber dann bei dieser einen Bandprobe… Der Drummer mochte nur Bon Jovi von den Hardrock-Bands. Ich weiß nicht warum, aber es war so. Und ich dachte nur „Fuck, ich kann sie nicht für meinen Geschmack begeistern!“, also musste ich gehen…

Wie läuft der Prozess des Songwritings bei euch ab?
Archie: Normalerweise haben ich oder Johnny eine Idee oder manchmal einen ganzen Song oder einen Refrain… Wir fangen mit etwas an und dann bringen wir es in den Proberaum und dort kommt dann alles zusammen, aber manchmal macht Johnny auch seine eigenen Demos…
Middy: Er hat sein eigenes Homestudio, wo er auch alle Instrumente aufnehmen bzw. einspielen kann und dann bringt er die Songs zu uns und wir können sie entsprechend unseren Wünschen abändern, wenn wir das wollen, und normalerweise tun wir das auch.
Archie: Ich oder Johnny komponieren etwas und dann arbeiten wir alle zusammen daran.
Middy: Aber die Texte werden alle nur von Archie geschrieben!

Und wo bekommt ihr die Inspiration für eure Texte her?
Middy: Making sweet love and party!
Archie: Das könnte ich jetzt zwar tatsächlich sagen, aber das ist doch langweilig und abgedroschen, oder etwa nicht? Eigentlich schreibe ich bloß drauflos. Ich denke nicht über die Dinge nach, die ich getan habe oder tun möchte. Ich schreibe einfach drauflos und versuche dabei, möglichst gute Reime hinzubekommen.
Middy: Unsere Texte beinhalten auch keine politischen Aussagen, denn wir sind nicht Rage Against The Machine. Es geht einfach darum, eine gute Zeit zu haben.

Heutzutage ist es schwierig, von der Musik zu leben. Die Leute kaufen keine Platten mehr, sondern downloaden Musik. Was denkt ihr darüber?
Middy: Ich habe gerade eben erst eine CD von Iggy Pop & The Stooges gekauft, aber davor… Wann haben wir uns zuletzt CD`s gekauft? Vor ein paar Wochen?
Archie: Yeah, vor ein paar Wochen, aber an das Mal davor kann ich mich auch gar nicht mehr erinnern. Das Geld ist einfach zu knapp, weißt Du. Man möchte so viele Dinge machen und man hat nicht genug Geld, um alles machen zu können, also macht man erst die Sachen mit der höheren Priorität, bevor man sich neue Platten zulegt… Aber natürlich würde ich jeden Tag Platten kaufen, wenn ich mehr Geld hätte…
Middy: Aber wenn man kein Geld hat, kann man auch „spotify“ nutzen. Man muss es nicht downloaden. Ich denke, „spotify“ ist eine großartige Sache!
Archie: Heutzutage kaufen nur noch die Kids und die Die-Hard-Fans CD`s.

Also ihr findet „spotify“ okay? Ruiniert so etwas wie „spotify“ nicht die Musiker finanziell, weil sie kaum etwas daran verdienen?
Archie: Na ja, es nun mal leider Fakt, dass die Leute keine Platten mehr kaufen. Musiker nehmen heutzutage durch Gigs und die T-Shirts, die sie auf diesen Gigs verkaufen, ihr Geld ein… Diese Entwicklung ist nicht toll, aber… Und bezüglich „spotify“ denke ich, dass es ein großartiger Weg ist, um Deine Band zu promoten. Man kann sich die Musik einer Band sofort anhören und herausfinden, ob es etwas für einen ist oder nicht.

Denkt ihr, es macht heutzutage noch Sinn, einen Plattenvertrag zu haben, wenn die Leute doch kaum noch Platten kaufen? Wollt ihr einen Plattenvertrag?
Beide: Selbstverständlich!
Archie: Nun, eine Band ohne Plattenvertrag ist vielleicht echter. Die Business-Sachen können etwas zerstören, aber… Fuck, yeah, wir wollen einen Plattenvertrag, denn bei einem Plattenvertrag geht es um mehr als nur darum, die Platten in die Läden zu bekommen. Es geht auch um Promotion, Werbung, die Gehälter für Gigs et cetera. Wenn man alles in Eigenregie macht, dann nimmt die Arbeit schlicht und ergreifend kein Ende, aber mit einem Plattenvertrag kannst Du Dich…
Beide: …auf die Musik konzentrieren!
Archie: Du kannst Dich auf die Band konzentrieren. Du musst Dich nicht noch um die ganzen Business-Sachen kümmern.
Middy: Und die Musik ist uns wichtiger als der ganze Business-Kram.
Archie: Yeah, selbstverständlich!

Also macht ihr im Moment auch selbst das Booking für Eure Shows?
Archie: Ja, das Booking für unsere Shows machen wir selbst.
Middy: Bislang.
Archie: Manchmal senden wir E-Mails an die Clubs oder die Clubs fragen uns. Am Anfang haben natürlich wir bei den Clubs angefragt, aber mittlerweile bekommen wir ein gewisses Feedback zurück und die Anfragen kommen zunehmend von den Clubs. Manchmal fragen uns auch Bands, wie damals beim Sonic Roots-Gig im „Manala“.

Werdet hr noch mehr Shows außerhalb Helsinkis oder vielleicht sogar außerhalb Finnlands spielen? Wie wäre es mit einer gemeinsamen Tour mit euren Kumpels von Reckless Love?
Archie: Fuck, yeah! So viele wir können!
Middy: Es war unsere bislang einzige Show außerhalb Helsinkis, aber wir würden in jede noch so kleine Stadt kommen, wenn sich die Möglichkeit ergeben würde. Selbstverständlich. Und was eine gemeinsame Tour mit Reckless Love betrifft: Yeah, selbstverständlich, wenn sie uns fragen! Eigentlich haben wir die Jungs schon gefragt und sie haben es uns auch schon angeboten, aber es ist bislang nicht wirklich etwas passiert, was aber nicht deren Schuld ist. Sie haben halt diesen großen Plattenvertrag und mit dem all die Business-Leute dahinter und die machen das Booking für die Shows und sie treffen auch die Entscheidungen, nicht die Band selbst. Klar, wenn Du Mick Jagger bist, dann kannst DU entscheiden, wer Deine Support-Band ist, aber… Natürlich wäre das ein großartiges Package und wenn Reckless Love uns anrufen würden, um mit ihnen auf Tour zu gehen: Wir würden es auf der Stelle tun!
Archie: Das wäre wirklich verdammt cool, denn Reckless Love sind schon ziemlich groß und wir machen beide dieses 80er-Ding und wahrscheinlich würden wir auch deren Fans gefallen. Bislang hatten wir nur einen gemeinsamen Gig mit ihnen, ein paar Tage vor letztem Weihnachten im „Gloria“.

Kennt Ihr noch andere Bands, mit denen ihr euch eine gemeinsame Tour vorstellen könntet?
Archie: Yeah, mit Ace Up The Sleeve! Und wie bereits erwähnt wäre es verdammt cool, als Opening Act für Reckless Love spielen zu dürfen… Und ein paar Gigs mit Pyhät Tepot, einer finnischen Punkband, zu machen. Das sind Freunde von uns. Das sind gute Jungs. Die mögen uns, wir mögen die und… Sie sind nicht vom selben Genre wie wir, aber ein paar gemeinsame Gigs mit denen wären trotzdem cool. Sehr nette Kerle!

Was würdet ihr von einer gemeinsamen Tour mit Mötley Crüe halten?
Archie: Nun, das wäre natürlich ein Traum, der wahr werden würde, aber ich denke, es könnte ziemlich enttäuschend für uns sein, weil sie vielleicht Riesenarschlöcher sind – heutzutage. Weißt Du, wir sind junge Kids, hungrig, wir wollen feiern und Rock`n`Roll – und dann diese alten reichen Knacker…
Middy: Eine Band, mit der wir uns auch eine gemeinsame Tour vorstellen könnten, auch wenn es keine alten Knacker sind, sind Hardcore Superstar. Das sind junge Kerle und das sind keine Arschlöcher, zumindest hoffe ich das.
Archie: Es wäre cool mit einer jungen, aufstrebenden Band wie Hardcore Superstar oder Reckless Love zu touren als mit einem so großen Namen. Natürlich wäre es cool, in den ganz großen Hallen zu spielen, aber, weißt Du, niemand kommt zum Mötley Crüe-Konzert in die „Jäähalli“, um sich den Opening-Act anzuschauen.

Wo wir schon über Reckless Love sprechen: Ich war ziemlich überrascht, als ich euch in deren Musikvideo zu „Romance“ sah. Wie kam es dazu? Es gab da ja ein großes Casting: Habt ihr euch beworben oder haben sie euch gefragt?
Archie: Wie bereits vorhin erwähnt, hatten wir einen gemeinsamen Gig mit ihnen im vergangenen Dezember im „Gloria“ und als der Videodreh zu „Romance“ geplant wurde, fragte uns Olli [Herman, der Sänger von Reckless Love, Anm. d. Red.] via facebook, ob wir nicht Lust hätten, darin mitzuspielen.
Middy: Das hat Spass gemacht! Den ganzen Tag nur „Warten und Whiskey“, haha!
Archie: Yeah, wir sind ziemlich betrunken in dem Video! [Gelächter]

Plant ihr auch einen Videodreh?
Archie: Nun, eigentlich haben wir schon ein Video, zu „We`re Aiming High“, welches man sich bei youtube anschauen kann. Es besteht aus Live-Material. Eine Frau namens Minna hat uns geholfen, diesen Video zu realisieren, inklusive Schnitt und allem, im „Nuorten Toimintakeskus“, dem Jugendzentrum von Helsinki.

Plant Ihr auch ein richtiges Musikvideo mit Storyline und allem?
Archie: Nun, dafür bräuchten wir 10 000 E oder eine ähnlich hohe Summe an Geld. Wenn Du ein richtiges Musikvideo mit Storyline und allem machen möchtest, dann muss das Ergebnis schon großartig sein, so wie Guns`n`Roses` „November Rain“. Andernfalls kann man es auch gleich bleiben lassen.

Es ist so schwer, etwas über bzw. von euch im Netz zu finden, da „Santa Cruz“ ein sehr beliebter Name ist. Warum habt Ihr Euch gerade diesen Namen ausgesucht?
Archie: Es klingt cool und fernab jeglicher Klischees, wie „Mötley Crüe“. Nicht wie „Steel Panther“. [Gelächter]

Wir haben schon über ein paar beliebte Internet-Plattformen wie spotify und youtube gesprochen. Wie steht ihr zu sozialen Netzwerken á la myspace, facebook und twitter?
Archie: Yeah, Ich liebe facebook!
Middy: Ich mag es nicht, meine Zeit am Computer zu verschwenden. Ich bin generell nicht so mit dem ganzen Internetkram vertraut. Obwohl es natürlich eine wunderbare Möglichkeit ist, um Deine Band zu promoten.
Archie: Wir kümmern uns mehr darum, wenn eine Show ansteht oder so. Dafür benutzen wir neuerdings sogar twitter (http://twitter.com/SantaCruzBand), neben unseren Profilen bei facebook und myspace.
Middy: Yeah, es ist okay, dort die nächsten Gigs zu posten und sie somit zu bewerben, aber wen zur Hölle interessiert es denn, wenn ich ein Würstchen esse, pissen gehe oder einen Kaffee trinke!?!

Ist eine eigene Band-Webpage geplant?
Archie: Eigentlich haben wir schon die Domains dafür und alles, aber weißt Du, wir haben im Moment nicht soviel Zeit, um uns auch noch darum zu kümmern. Wir planen auch eine Veränderung unserer Artworks, auch für unser Merchandising, also es gibt noch eine ganze Menge zu tun für uns. Im Moment befinden wir uns aber hier im „Studio Bulevardi“, um mit unserem Produzenten Joel Attila unsere neue EP aufzunehmen, welche unter anderem einen neuen Song namens „Over The Limits“ enthalten wird.

Apropos „Artworks und euer Auftreten generell“: Ihr tragt nicht die für euer Genre typische Kleidung wie Spandexhosen, Stirnbänder / Bandanas und so weiter – Warum? Ist es in euren Augen zu tuntig oder legt ihr allgemein nicht soviel Wert auf Image?
Archie: Mein Arsch ist zu groß für Spandexhosen, haha.
Middy: Und ich bevorzuge Lederhosen. Und wir haben die Haare so schön – Warum sollten wir sie unter Stirnbändern oder Bandanas verstecken?!? Wir sehen in zivil schon so cool aus, dass wir den ganzen anderen Quatsch nicht brauchen.

Mit Alexi Laiho von Children Of Bodom habt Ihr einen ziemlich berühmten Fan. Er sagt unter anderem, dass Euer Alter keine Rolle spielen würde, da Santa Cruz aus all den Bands Eures Genres herausstechen…
Archie: Yeah, er war auf einem unserer Konzerte und es gefiel ihm. Wir gaben ihm eine unserer EP`s, die ihm auch gefiel. Ihm gefällt die Band und so kam es dann zu diesem Kommentar.

Alles scheint sich sehr gut für euch zu entwickeln, aber habt ihr einen Plan B, falls es mit der Musikkarriere doch schiefgehen sollte?
Archie: Nun, wir alle gehen noch zur Schule, bis zum nächsten Sommer. Außer Taz, der eine Berufsschule besucht und dort zum Elektriker ausgebildet wird. Wir alle werden unsere Schullaufbahn beenden, aber danach werden wir uns voll und ganz auf unsere Musikkarriere konzentrieren.

Ihr seid also gute Vorbilder für die Jugend. Keine Pläne, neben der Musik noch die Universität zu besuchen oder ähnliches?
Middy: Ich habe keine Pläne, da ich meinen Glauben in der Band habe…
Archie: Wir glauben so sehr an die Band, von daher… Vielleicht besorgen wir uns Jobs, um halt Geld zum Leben zu haben und halt auch Geld, welches wir in die Band investieren können… Aber kein Studium oder dergleichen. Vielleicht die Sibelius Academy, das wäre die zweite Wahl, aber… Man wird sehen… Ich habe noch ein Jahr Zeit…
Middy: Vielleicht sind wir dann ja auch schon Millionäre im nächsten Jahr… Haha… Nein, das ist nur Spass!

Wie auch immer, es wäre nur schön, wenn ihr dann immer noch mit uns sprechen würdet. Zum Abschluss: „Famous last words“ an unsere Leser da draußen?
Archie: Ähm… [denkt nach] Peace and love!
Middy: Girls, putzt Euch die Zähne! Ihr werdet herausfinden, warum – nach unseren Konzerten!

www.myspace.com/realsantacruz
Autor: Stefanie Singh

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. Grit Kabiersch, Maria Levin, Nina Ratavaara, Elvira Visser, John Wisniewski