YOU GOT STALKED: New Moon over Europe Tour – Swallow the Sun / Insomnium / Omnium Gatherum

Bei so vielen Bands, die derzeit in Europa auf Tour sind, scheint es nur natürlich, dass STALKER einigen auf den Fersen bleibt; ganz besonders denen, die als die Creme de la Creme des modernen Dark Melodic Metal gelten und das Qualitätsmerkmal „blaues Kreuz auf weissem Grund“ tragen… drei STALKER berichten:

Tavastia, Helsinki, FIN, 22.11.2009

Insomnium
Die Zusammenarbeit von Insomnium und Swallow the Sun passiert heutzutage so oft und so natürlich, dass man fast von einem grossen Act statt zwei unabhängigen kleineren sprechen kann. Ausserdem spielt Keyboarder Aleksi Munter in beiden Bands, beide haben unlängst ein neues Album veröffentlicht, wo sich viel mehr Clean Vocals als zuvor finden, StS haben das auch schon auf den letzten paar Alben gemacht.

Dennoch war es eine nette Überraschung, klaren Gesang von Insomniums Friman zu hören. Das neue Material ist solide, heavy, ernsthaft und perfekt für Headbanger, was nicht so einfach ist, wenn da eine komplette Band auf der Bühne in einer Reihe steht und das streng synchronisiert macht. Was soll ich noch sagen, ich kann nur Papa Wilska zustimmen, der meinte, dass Swallow the Sun und Insomnium derzeit der beste Metal-Exportartikel Finnlands sind. Ich kann auch sagen, dass Insomnium im Vergleich zu früher nun viel selbstbewusster und solider auftreten. Purer Heavy Metal, doomig, melancholisch, dennoch komplex und melodisch genug, um nicht ins Depressiv-Poser-Gotische abzugleiten. Und noch dazu gab es beide Acts um schlappe 8 Euro Eintritt! Also beeilt euch, diese beiden Bands zu sehen, ehe sie zu gross und notorisch ausverkauft werden. (MS)

Swallow The Sun
wählten einen ungewöhnlichen Einstieg – ein (US-amerikanischer?) Fan lässt sich da ziemlich lange über jene Musik aus, die er eigentlich toll fände, aber leider, der Sänger sei Schrott, denn er klänge wie “das Sesamstrasse-Krümelmonster”…

Die Anwesenden waren offensichtlich anderer Meinung, denn als Swallow The Sun die Bühne enterten, wurde Fotografieren – ohne Fotograben schon bei Insomnium ein schwieriges Unterfangen – endgültig zum Selbstmordkommando. Die Jungs präsentierten sich und das neue Black-Metal-lastige Material in gewohnter Manier – das heißt spielerisch makellos, Aleksi und Juha bangen, was das Zeug hält, Matti und Jämsä als Rhythmus-Powerduo, in der Mitte Mikko “Krümelmonster” Kotamäki, der allerdings weder mit Corpsepaint oder ekstatischer Bühnenshow a la Dragonforce aufwartete (zum Glück!). Jedoch war allen deutlich mehr Selbstbewusstsein als noch etwa vor einigen Jahren anzumerken. Der “Neue” Kai Hahto hatte als Rotten Sound/Wintersun Klöppelschwinger die Blast-Beats klarerweise live bombensicher im Griff, sein Stil kann als etwas “verfrickelter” und detailreicher im Vergleich zu Ex-Drummer Pasi bezeichnet werden, was aber dem alten Material ebenso gut steht und mir nicht störend auffiel (was, wie ich hinterher erfuhr, jedoch nicht bei allen STS Die Hard Fans der Fall war).

Die Setlist konzentrierte sich klarerweise aufs neue Album, enthielt außerdem die Horror Teile 1-3, also “Sorrow” gleich am Anfang, “Don´t Fall Asleep” und gegen Ende noch “Lights On The Lake”, bei welchem Gast-Sängerin Aleah tatsächlich auch persönlich auf die Bühne kam. Nach dem Titeltrack der neuen CD “New Moon” verließ die Band die Bühne – jedoch nicht lange… hatten wir Backstage noch geblödelt, dass die Band doch “Plague Of Butterflies” als Zugabe spielen könnte (also den “Song”, der 40 min lang ist) gab es nun tatsächlich selbigen zu hören, allerdings als “nur” 10-15-min-Auszug… Fazit: für Fans also definitiv ein gelungener Abend, wenn auch einige der persönlichen Faves (vom “Ghosts of Loss” oder “Hope” Album) fehlten. (KW)

Exit Chmelnice, Prag, CZ, 16.12.2009

Da dies hier die erste Kritik überhaupt ist, die man mir aufgetragen hat zu schreiben, war ich doch schon etwas nervös auf dem Weg ins angenehm große “Exit Chmelnice”, um dort über ein Konzert in einer Stadt zu berichten, die mir immer weniger fremd erscheint.

Schon bei den ersten Noten von Omnium Gatherum konnte ich feststellen, dass das Exit eine ziemlich gute Akustik hat, wenn man die Größe und das Aussehen des Klubs bedenkt. Omnium Gatherum spielten etwa 30-35 Minuten und obwohl Gitarrist Markus Vanhala krank war, blieb die Musik tight, die Band animierte, aber die Menge ließ sich nicht so recht locken. Sie hatten einen recht guten Percussion Sound, alles war einfach gut und heavy und ich bekam eine brilliante Einführung in eine Band, die mir vorher noch gänzlich unbekannt war.

Etwa 20 Minuten später enterten Insomnium die Bühne und lieferten eine grandiose Vorstellung ab. Ich habe diese Band schon immer bewundert und ihre Musik hat mich durch ziemlich schwierige Zeiten gebracht. Sie öffneten mit „The Gale“ und ein paar Minuten später spielten sie eines meiner Lieblingsstücke, „Drawn to Black“. Alles klang genial zu Beginn des Sets, wurde dann aber ein bisschen zu bass-lastig. Die akustischen Sachen waren immer klar und die Menge war weitaus aktiver. Frontmann Niilo Sevänen versuchte erfolgreich eine Rivalität zwischen Leuten aus Prag und Bratislava heraufzubeschwören. Die Band hatte auch noch Zeit für eine Zugabe, „Devoid of Caring“, ein absolut geiler Gig.

Swallow the Sun tauchten kurz danach auf und tranken einheimisches Branik Bier aus Dosen. Über die Band gibt´s nicht viel zu sagen, außer VERDAMMT GEIL! Auch Swallow the Sun waren dem Bass ein bisschen zu sehr zugetan, aber hier war der Sound klar und spielte eher zu ihren Gunsten. Die Soundqualität war brilliant und die harten Elemente repräsentierten totale Stärke. Das ware eine der unverfälschtesten, heaviesten Bands, die ich je gesehen habe und natürlich würde ich die Band gern wieder in Prag sehen. (Lann Davis)

K17, Berlin, GER, 17.12.2009

Einen Tag später ging der neue Mond dann über dem kleinen, aber feinen K17 in Berlin auf.

Bereits eine halbe Stunde nach Einlass legten die Jungs von Omnium Gatherum vor einer noch recht überschaubaren Menge los. Die erste Reihe begann etwa in der Mitte des Saales und verlagerte sich während des Gigs auch nur unwesentlich weiter nach vorn. Die Band selbst konzentrierte sich eher auf ihr bedächtigeres, melancholischeres Material, vielleicht war das auch der Grund, warum die Jungs an diesem Abend irgendwie etwas apathisch wirkten. Selbst der sonst so agile Fronter Jukka Pelkonen konnte sich nur hin und wieder ein müdes Grinsen abringen und glänzte einzig durch sein hirnschädenverursachendes Haarschütteln – nach 3 Wochen on the road auch kein Wunder, wenn die Batterien irgendwann leer sind. Dass es die Band live besser drauf hat, hat sie in der Vergangenheit schon bewiesen, an diesem Abend war allerdings die Luft komplett raus.

Nach einer kurzen Umbaupause betraten Insomnium die Arena. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Menge bereits zahlreich vor der Bühne eingefunden und wartete zunehmend ungeduldig auf das Erscheinen der Band. Und die Jungs enttäuschten nicht, mit ihrem extrem headbang-freundlichen Material war Kopfgymnastik von der ersten bis zur letzten Sekunde angesagt und dass auch, wenn man mit den Songs der Finnen nicht wirklich vertraut ist. Obwohl die Jungs mindestens genauso geschafft sein müssten wie ihre Tourkollegen von Omnium Gatherum, hatte die Band, die nach eigenen Aussagen bereits zum dritten Mal in Berlin gastierte, sichtlich Spaß auf der Bühne.

Weitere Sympathiepunkte sammelte Sänger Niilo Sevänen mit seinen deutschen Ansagen zwischendurch, nicht nur die Band fand den Gig deshalb „supertoll“. Das Publikum war voll dabei und kriegte einfach nicht genug, auch nach Abgang der Band wird immer wieder „one more song, one more song“ skandiert und die Jungs, mit Aleksi Munter am Tasteninstrument, ließen sich auch nicht lange bitten. Gemessen an der Zuschauerreaktion waren wohl Insomnium die Helden des Abends, aber war da nicht noch eine weitere Band…

Genau, und so stimmten Swallow the Sun mit einem gruselig-schönen Intro aus Gewitter, Nebel und Stimmen aus dem Nichts auf den Abschlussgig des Abends ein. Zwei Dinge fielen gleich zu Beginn auf, es sind etwas weniger Leute vor der Bühne als noch bei Insomnium zuvor und alle Musiker, bis auf Neudrummer Kai Hahto, stehen in vorderster Front. Allerdings zogen weder Fronter Mikko Kotamäki, der auch noch nach einer dermaßen langen Tour gesangstechnisch einiges zu bieten hatte, noch Hauptsongschreiber Juha Raivio die größte Aufmerksamkeit auf sich.

Es waren eher die „Hintermänner“, Bassist Matti Honkonen und Keyboarder Aleksi Munter, die mit ihrem leidenschaftlichen Spiel und angsteinflössendem Blick, im Falle des Herrn Munter, dem Publikum zumindest ansatzweise emotional entgegen traten. Musikalisch gab´s sicher nichts zu beanstanden, nur fehlte mir live irgendwie etwas mehr Nähe zum Publikum – einfach mehr als nur die reine Musik! Auch hier wurde von der Menge eine Zugabe eingefordert und ausgeliefert und damit ging der neue Mond über dem K17 wieder unter. (Kathleen Gransalke)

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photos: Klaudia Weber, Kathleen Gransalke

Text: Marina Sidyakina (MS), Klaudia Weber (KW), Lann Davis, Kathleen Gransalke

 

Contributors

Kathleen Gransalke

Kathleen Gransalke

Redakteurin für Reviews – Übersetzungen,
Reportagen, Fotos – – –
Favorisierte Musikrichtungen? – – –
Punk, Rock, Death Metal, Mathcore – – –
Favorisierte Bands? – – –
Coheed & Cambria, Black Dahlia Murder, Dillinger Escape Plan, Mastodon

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