Before The Dawn / Black Sun Aeon: Slave to the Rhythm

Tatort: Nosturi, Backstage.
Die Beteiligten: Ein wegen durcheinander geratener Soundcheck-Zeiten gestresster, nervöser und leicht gereizter Band-Mastermind Tuomas Saukkonen, konfrontiert mit meiner in jeder Hinsicht angeschlagener und daher ebenfalls leicht gereizter Wenigkeit.
Die Folge: ein Blutbad??
Tjaaa… da müsst ihr schon weiterlesen…

Gar nicht so leicht, den vielbeschäftigten Tuomas zu fassen zu kriegen, weshalb hier auch gleich sein bekanntestes (Before The Dawn) und sein neuestes Projekt (Black Sun Aeon, die Debut-CD erscheint Ende März) im Doppelpack vereint werden. Gag am Rande, das Treffen fand statt, als er mit einer weiterer seiner Bands, The Final Harvest, als Support von Napalm Death in Helsinki Station machte.

Teil 1- BEFORE THE DAWN
Zum Einstieg vielleicht die Story, die du mir ja noch schuldest – wie hast du Lars (Eikind, BTD Bassist und Clean Sänger, aus Norwegen, Anm. d. Red.) kennengelernt?
Ich hab Lars eigentlich über Juho (Räihä, BTD Gitarrist und Produzent der letzten drei Alben, Anm. d. Red.) getroffen. Der Grund, warum Lars nach Finnland gezogen ist, war Jenni, seine damalige Freundin – leider nicht mehr, was schade ist. Sie spielte Keyboard in derselben Band wie Juho, und wir nahmen bei ihm gerade ein paar Demos auf, als Juho die Idee hatte, Lars dazuzunehmen. Ich kannte Lars damals gar nicht, weder als Musiker noch persönlich.

War es “Liebe auf den ersten Blick”?
Naajaaaa – nicht auf den ersten Blick, ich brauch immer eine Weile, um jemanden wirklich kennen zu lernen. Also ging es nicht ganz so schnell. Aber wir wurden gute Freunde mit der Zeit.

Du bist ja unlängst (mit Before The Dawn, Anm. d. Red.) beim Helsinki Metal Meeting aufgetreten, und da wurdest du auch auf Platz 4 für den Preis “Musiker des Jahres” nominiert. Kam das als Überraschung?
Yeah, das kam überraschend, ich hatte gar nicht damit gerechnet. Ich musste dann bei diversen Freunden nachfragen, ob wirklich ich gemeint war oder Tuomo Saikkonen, der Gitarrist von Mokoma, unsere Namen klingen ja sehr ähnlich…und das fand ich so cool, denn dieser Preis wird ja von FANS vergeben und hängt nicht von irgendwelchen Verkaufszahlen ab; ich hab nicht damit gerechnet, von so vielen Leuten gewählt zu werden.

Wegen deiner Clinic beim HMM weiss ich ja nun etwas mehr über Death Metal Songwriting – aber wie schreibst du die Gesangslinien für Before The Dawn? Spielst du die zuerst mit der Gitarre oder…
Tja, für meinen eigenen Gesang (Growls, Anm. d. Red.) mach ich zuerst das Rhythmische und schreibe dann dazu den Text, und für Lars… ich mache immer zuerst den Rhythmus für den Gesang, mir ist es unmöglich was zu schreiben, wenn ich den Rhythmus nicht habe…

Also hat Lars da sein eigenes Ding durchgezogen?
Äh..  naja… ja, unter meiner Aufsicht (Gelächter). Ich gab ihm einige Grundideen und den Rhythmus, wie es bei seinem Gesang klingen sollte, die Worte, und dann gingen wir die Melodien an, so ungefähr in der Richtung “das gefällt mir noch nicht, das ist besser, nein, nicht so, probiers höher, probiers tiefer” – also suchen, rumprobieren, finden. Wenn ich alle Melodien ganz alleine schreiben würde, dann käme nur eine Wiederholung meiner eigenen Melodienbögen raus. Also liefert er die Teile, und wir basteln gemeinsam was daraus, und daher gibt es immer wieder was Neues, was er einbringt in die Songs, und nicht nur wieder mein eigenes Ding, das nur wiederholt, was ohnehin schon von den Gitarren gespielt wird.

War Lars diesmal bei „Soundscape Of Silence“ mehr involviert, im Vergleich zu dem Vorgängeralbum „Deadlight“?
Nein, nicht wirklich. Bei den drei vorherigen Alben hatte ich die Texte erst im Studio geschrieben, während die Aufnahmen schon liefen… und diesmal waren die Songs schon fertig, mit den Kompositionsinputs der anderen – also im Prinzip so, wie wir es immer gemacht haben – das läuft bei uns eben auf diese Art…

Die Lyrics von  SOS sind ja wieder ziemlich düster – bist du immer schlecht gelaunt, wenn du Texte schreibst?
Nnn-eeeiin … aber Tatsache ist, dass ich niemals Texte schreibe, wenn ich gut gelaunt bin. Macht ja auch keinen Sinn. Für mich ist das eine Art, “sich auszukotzen” – also warum sollte ich das tun, wenn ich gut gelaunt bin? Wäre völlig daneben. Aber ich schreibe meistens Musik, wenn ich gut drauf bin, und anders ginge es bei mir gar nicht, ich kann nicht komponieren, wenn ich schlecht drauf bin… es ist einfach so scheusslich, schlecht drauf zu sein, da kann mich absolut nichts begeistern,und dann ist es auch schwierig, sich für Musik zu begeistern. Andererseits, was die Texte angeht… ich muss nun nicht unbedingt schlechter Laune sein, aber ich brauche dazu eine bestimmte Stimmung, und dann geht es sehr schnell, ich brauch nur 1-2 Tage für alle Texte…

Stichwort Albumtitel, worum geht es da, es ist ja eigentlich ein Paradoxon – „Soundscape Of Silence“?
Nein, kein Paradoxon, denn der Sound – (Pause) OK, vielleicht ist da doch ein bisschen was Paradoxes dabei, jetzt wo du drauf hinweist… für mich ist es einfach – ich weiss was ich meine, kanns aber nicht wirklich erklären (Pause) andererseits, es ist (noch längere Pause) HMMMM (Pause, man hört die Journalistin kichern)… gib mir ne Sekunde… eigentlich lustig, ist für mich schon wieder sooo lang her und ein altes Album weil wir ja inzwischen die  Black Sun Aeon CD gemacht haben (Pause) Gut streichen wir das (deklaratorisch:) ES IST EIN PARADOXON, und wahrscheinlich bin ich der einzige, der weiss worum es geht…

Was anderes hat mich überrascht – nämlich zu hören, dass dein erstes Instrument die Gitarre war, denn wegen diesem Foto-Dokument hier hätt ich da ehr Schlagzeug vermutet. Also, wieviele Kochtöpfe hast du denn eigentlich zertrümmert?
Es war eigentlich nur dieses eine Mal… ich kann mich sogar noch daran erinnern, wie ich dieses Schlagzeug zusammengestellt hab – und keine Ahnung, warum es das einzige Mal blieb, dass ich so getrommelt hab… dann kam die Gitarre, und als ich 15 oder 16 war und die Chance kriegte, mich an ein richtiges Schlagzeug zu setzen, da hat es mich dann wirklich gepackt.

Lustig, grad vor kurzem hab ich ein ähnliches Foto im finnischen TV gesehen, ein kleiner Timo Kotipelto, auch mit Kochtöpfen als Schlagzeug… (Gelächter)
Yeah das ist wohl das coolste, was du so machen kannst, als Kind, besonders als Bub.

Apropos Schlagzeug – bei Before The Dawn geht es ja zu wie bei Spinal Tap…
YEAH

..also wie ist die Lage jetzt, wer ist der Neue?
Der aktuelle Drummer ist Atte Palokangas von der Band Agonizer, und diese Show im Dante´s club (STALKER berichtete, Anm. d. Red.) war sein erster Gig mit uns. Und da muss ich nochmal festhalten – ehrlich, ich bin nun nicht ein besserer Drummer als etwa der Vorgänger, aber ich VERLANGE gewisse Disziplin und so, und da glauben viele, ich bin so ein Schlagzeug-Nazi oder sowas – aber eigentlich … zum Beispiel mit dem letzten Drummer, der 5 Gigs mit uns gespielt hat, erklärte mir hinterher die Band, und sogar der Soundmann, dass wir nicht mehr mit ihm weitermachen sollten. Das heisst, ich kriegte unter die Nase gerieben, dass wir nen neuen Drummer brauchen. Und ich musste es dann dem Drummer mitteilen… Diese Band braucht einen guten Schlagzeuger, besonders bei dieser Art von Musik ist geiler Groove wichtig, denn ansonsten klingt es… echt … Scheisse…

Also sieht es nun so aus, dass Atte wohl bleiben wird?
Yeah.

Ooooo-kay… noch was zum „Dying Sun“ Video, ich hab ja diesen Schmied getroffen, der da zu sehen ist (Seppä Tervarauta, Anm. d. Red.).
Yeah, er ist cool!

Wessen Idee war das?
Die Idee hatte der Regisseur, Nadi Hammouda. Ich war aber nicht so glücklich mit dem Resultat, aber die Idee war echt cool.

Naja, ich finde es ist echt cool geworden, mal was anderes als dieses “Band im Proberaum” Dingens… 
Yeah, aber es hätte besser werden können und ist meiner Meinung nach nur zweitklassig. Rückblickend würd ich dieses Video nicht mehr machen wollen. Nach “Deadsong” hätten wir aufrüsten sollen, nicht abbauen. Auch visuell, und damit haben wir eher abgebaut. Die Idee ist anders, aber das Resultat geht grad mal als OK fürs finnische Fernsehen durch, allerdings nicht wirklich als OK woanders. Und für sowas haben wir nicht wirklich Verwendung, wir haben damit also nur Zeit und Geld eingebüsst…

Ehe ich vergesse zu fragen – stimmt es, dass du das Gärntnern aufgegeben hast (siehe das vorhergehende STALKER Interview, Anm. d. Red.)?
Nein, ich hab sogar vor, diesen Sommer damit weiterzumachen. Es lief nicht so gut mit der Musik, also hab ich keine andere Wahl. Ich muss sogar die Musik etwas einschränken und einen “richtigen Job” machen… nicht lustig… und ich bin nicht so erfreut darüber.


Part II – BLACK SUN AEON
Nun zu deinem neuen Projekt, Black Sun Aeon  und die CD  „Darkness Walks Beside Me“: Was ich gehört hab, klingt es ja ziemlich nach Black Metal, aber dennoch – nicht wirklich. Wie würdest du die Musik definieren?
Für mich klingt das ganze auch ziemlich Black-Metal-isch, das ist was ich so raushöre aus der Musik. Aber andererseits wollte ich auch etwas kreieren, das mehr ist, einen breiteren Sound, was dir mehr “ins Gesicht springt”, nicht diesen typischen Black Metal Sound, sondern etwas Gröberes,, Massiveres, und dann ist auch so ein bisschen Doom dabei…

Yeah, und das macht es – WIEDER MAL – so schwierig, ein Genre-Schildchen dranzuhängen. Aber ist ja nichts Schlimmes, so kann man dir zumindest nicht vorwerfen, was zu kopieren…  
Yeah, das dachte ich selbst auch, und für mich ware das grösste Risiko gewesen, mich selbst zu kopieren, zu wiederholen, in verschiedenen Bands…

Was haben die verschiedenen Stimmen zu bedeuten (Mikko Heikkilä / Sinamore, Clean vocals; Dark vocals: Tomi Koivusaari / Amorphis, Ville Sorvali / Moonsorrow, Mynni Luukkainen / Sotajumala, Anm. d. Red.), geht es da um unterschiedliche Charaktere, Rollen oder sowas…?
Nnneeein…. es gibt da eigentlich keine durchgehende Story, ich wollte nichts weiter als unterschiedliche Stimmen haben, den normalerweise hat ein Sänger genau einen Stil wirklich gut drauf, und hier hatte ich ja die Gelegenheit und den Luxus, verschiedene Leute zusammenzustellen, die ihr ureigenes spezielles Ding durchziehen.

Also du hast Leute ausgesucht – oder hast du schon beim Schreiben der Songs an ganz bestimmte Leute gedacht?
Nein. Es lief so – ich nahm die Songs auf, und dann überlegte ich mir, wen ich nehme. Du kennst ja das Resultat noch nicht, wenn du es nicht fertig zum Anhören hast – und dann erst hab ich mir die einzelnen Stimmen überlegt, wer was machen sollte. Ich hatte da eine grosse Auswahl, aber ich gab denen den Vorzug, die ich respektiere und mit denen ich gerne zusammen abhänge, sollte ja nicht so werden wie… naja…

Yup ich verstehe…
Sollten eben auch nette Jungs sein, das war mir auch wichtig…

… und viele Tattoos haben, und Piercings, und keine Haare….
NEIN nein nein – Mikko hat ja gar keine Piercings, keinen Bart, lange Haare, dasselbe ist bei Ville von Moonsorrow der Fall, oder bei Tomi from Amorphis – eigentlich trifft nur bei Mynni diese Beschreibung zu…

OK also wie viele Leute musstest du einladen, um den Job gebacken zu kriegen?
Jeder den ich fragte, sagte sofort ja, es war sehr einfach.

Wie willst du das ganze live umsetzen – was ware da deine Rolle?
Ich wäre der Schlagzeuger, und  würde einige Vocals beisteuern; ich hab schon ein Live-Line-Up. Mynni macht die Dark Vocals und vielleicht auch einige Clean Vocals…. es wird also drei Sänger geben, zwei davon können auch Gitarre spielen, Mikko und Mynni, und ich spiele Schlagzeug. Sowohl Mikko und Mynni können growlen und clean singen, also sollten wir wohl keine Probleme haben, die Bandbreite des Gesangs am Album auch live umzusetzen, mit drei verschiedenen Growl-Stimmen und zwei klaren Stimmen…

Werdet ihr auch Corpse Paint einsetzen?
Nein, ist ja nicht SOO Black Metal. Ich wollte hauptsächlich diesen bösen Sound haben, aber das soll nun nicht wirklich in Richtung  Black Metal gehen… es gibt Einflüsse von Satyricon und Dissection, was ich selbst so raushöre, aber eigentlich steh ich nicht soo drauf, oder auf den Satans-Kram…

Aber allein die Vorstellung fände ich ja schon lustig…
Ich hatte ja sogar was Besonders im Sinn – aber nicht in Richtung Corpse Paint…

OK letzte Frage, weil mir klar ist, dass du nicht viel Zeit hast … was steckt nun eigentlich hinter deiner Idee “10 CDs rausbringen, ehe ich 30 Jahre alt bin” (siehe das vorhergehende STALKER Interview mit Tuomas, Anm. d. Red.), WARUM, hast du da eine Wette laufen oder sowas?
Nein, nichts dergleichen, und das wird nun ohnehin nicht der Fall sein, das ist schon jetzt klar. Und ich mach jetzt nicht einfach irgendwelche CDs, nur um diese 10 zusammenzukriegen. Wäre einfach echt cool gewesen, das zu machen, und so gesehen wäre auch ein 10-Jahres-Jubiläumsalbum von Before The Dawn eine coole Sache gewesen… Aber wenn auch was cool wäre, heisst das noch nicht, dass du es unbedingt machen musst.

Blutbad Krieg und Gemetzel gabs dann wirklich hinterher –
jedoch nur auf der Bühne und in lyrisch-thematischer Form, in den Texten der Death Metal Legende Napalm Death, Special Guest Misery Index und den finnischen DM Newcomern The Final Harvest (wo Tuomas trommelt). Ohnehin die beste Art, Blutbäder stattfinden zu lassen, finde ich…

Fotos: Privat / Mike Sirén

Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir!
Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also „Mädchen für alles“ – – –
Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater… also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.