Blackmore’s Night

Schon lange hat es in Helsinki kein Konzert in dieser Grössenordnung gegeben, wo das Publikum aus den Sitzen springt und heftig applaudiert, und das nach nur dem dritten Song! Und je länger es ging, desto mehr Leute standen auf, tanzten und sangen mit – und die Security versuchte nicht mal, sie wieder in die Sessel zu kriegen. Und auch nach der Zugabe wurde der Band hingebungsvoll gehuldigt und Sängerin Candice nicht mehr von der Bühne gelassen, sie blieb lange damit beschäftigt, Autogramme zu geben, Blumen und andere Gesten der Bewunderung – und das aufmerksam und gesellig – entgegenzunehmen.

Vor dem Konzert gab es das Gerücht, dass Leute in passender Kostümierung – Renaissance und Mittelalter – die vordersten Plätze im Finlandia Talo einnehmen durften. Und Finnen sind ansonsten dafür nicht zu haben – headbangen bei Konzerten, ja, aber Kostüme? Jedoch sollte ich eines besseren belehrt werden, viele waren in passender Bekleidung, Leder, Leinen, Samt und manche sogar barfuss erschienen, ganz als ob Heidnisches Dorf vom WGT Festival nach Helsinki verirrt hätte. Sehr unerwartet, besonders beim Finlandia Talo. Der gesamte Blackmore’s Night Abend sollte eine etwas surreale Erfahrung werden, etwas seltsam, aber auf alle Fälle magisch.

Die Bühne erschien als Dorf um 1600, an einem Sommerabend, mit endlosem Sternenhimmel, violettem Mond und dem intensiven Geruch von Nachtschattengewächsen – Romantik pur!

Blackmore hatte selbt die Vorband ausgesucht, ein Mittelalter-Folk Quartett aus der Tschechischen Republik namens Gothien. Zwei Maiden und zwei Spielmänner gaben Melodien aus Serbien, Mexiko, Spanien und Deutschland zum besten, auch in all den entsprechenden Sprachen, mit originalgetreuen Instrumenten und Tanzeinlagen. Beeindruckend war das Mädel, das trotz schwerem Dudelsack noch elegant über die Bühne tanzte. Beim abschliessenden “In Taberna” konntest du dich kaum noch ruhig im Sessel halten.

Lange bevor die heissersehnten Blackmore’s Night auf die Bühne kamen, war die Halle schon aus dem Häuschen und klatschte, was das Zeug hielt. Die Atmosphäre war irgendwie magisch und elektrisierend. Dunkle Halle, Laternenlicht, Sternengefunkel und der Mondschatten… die Lichter gingen aus, und einer nach dem anderen kam auf die Bühne, und obwohl sich – wie später von Candice bestätigt – das Line-Up stark verändert hatte, wurde jedes Bandmitglied mit Begeisterung empfangen.

Mr Blackmore blieb still und ernst, nahezu im Hintergrund, die aufgeweckte, kokette und gesprächige Candice unterhielt uns hingegen mit vielen Geschichten und Kommentaren. Diese Frau kann nicht altern! Daher muss ihr Geburtsdatum laut Wikipeda wohl ein Tippfehler sein, denn wenn du sie siehst und hörst, bist du völlig hin und weg von ihrem Charme, auch wenn du keinen von den Songs der Band jemals vorher gehört hast.

Und diese Songs sind einfach toll! Das neue Album Secret Voyage erscheint erst im Juli, aber wir bekamen bereits einige Songs zu hören (“Locked Within The Crystal Ball”) und können schon sagen, dass es sich sicher gut verkaufen wird! Unter den Klassikern befanden sich “Ghost of a rose”, “Fires at Midnight”, “Queen for a day”, “Dandelion Wine”, “Under the violet moon” und Joan Baez berührendes Lied “Diamonds and Rust”. Candice verriet einiges vom Hintergrund der Songs, wie sie entstanden, und ihre mädchenhafte Art war fesselnd, also kein Wunder, dass sie noch lange nach dem Konzert auf der Bühne festgehalten wurde. Es war auch toll, so viele Kinder im Publikum zu sehen – also ist gewiss, dass auch die finnische Jugend mit exzellenter Musik aufwächst!

Stalker bedankt sich bei Ramona Forsström für die Unterstützung!

Marina Sidyakina
GastmitarbeiterInnen / guest contributions

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. Melanie Kircher, Sander Burmeister, Grit Kabiersch, Marina Minkler, Maria Levin, Nina Ratavaara, Elvira Visser, John Wisniewski