Sauzipf 2007

Aus der Masse der Sommerfestivals sticht das SAUZIPF im Süden Österreichs durch seine einzigartig gelegene Lage (auf einem Bauernhof am Waldrand, nahe dem Millstättersee), kleine, aber reibungslos funktionierende Organisation und seine seit Jahren anwachsende treue Fangemeinde aus. Bereits zum achten Mal gaben sich in- und ausländische Acts (Bandbreite von Alternative über Punk bis Metal) am Fuße des Mirnocks in idyllischer Umgebung die Ehre. Vor allem kleinere Bands bekommen die Chance, sich vor einem bunt gemischten Publikum von ihrer besten Seite zu zeigen.

Leider meinte es der Wettergott an diesem Wochenende nicht allzu gut, und so hatten die Camper und das Publikum mit immer wieder kehrenden Regenschauern zu kämpfen. Nichts neues, denn bisher hat es beim Sauzipf immer geregnet. Die Schlammschlacht blieb aber diesmal aus, und der Stimmung tat es keinen Abbruch. Bands wie Publikum feierten das gelungene Underground Festival mit viel Energie und Enthusiasmus.

Interaktive Fotogalerie am Ende des Texts

Übrigens, neben der üblichen Festivalverpflegung gab es auch vegetarische Gerichte und viele Kärntner Spezialitäten, wie Käsnudeln und Gurktaler Alpenkräuter (= ein mit Jägermeister vergleichbarer Schnaps, der bei einigen Festivalbesuchern doch ziemliche „Stromausfälle“ verursachte). Trotzdem hatte die „Saucurity“ nur wenig Arbeit und auch die „Alkomatpatroullie“ stand wohl eher selbst an der Theke, als etwaige Promillesünder zu entlarven 🙂

Die müden Festivalbesucher konnten ihre Knochen am großen Lagerfeuer erwärmen, wo auch eine Runde Trommler mit Tribalbeats Adrenalin in die Leiber der Anwesenden pumpten. Wer dort keinen Platz fand, konnte sich nach vorne zur Bühne begeben, wo ebenfalls brennende Ölfässer für wohlige Wärme sorgten. (MS)

Freitag 10. August 2007

Murder the Government eröffneten das heurige Sauzipf. Die Jungs, die ich kaum älter als 14 schätzte, waren mit ihrem Punkoutfit auf jeden Fall ein Hingucker. Apriaca habe ich heuer schon des öfteren gesehen, da sie sozusagen direkt um die Ecke wohnen (Osttirol). Sie spielten zwar gewohnt gut, aber etwas motivationslos. Stoned Hedge (wortwörtlich ;P ) hatten bei ihrem Gig interessante Neuigkeiten: Sänger Tommy, sein Cap immer tief (sehr tief) ins Gesicht tragend, verkündete, das dies seine letzte Show in der Band ist … als lediger Mann 😛

Damn zogen ungewöhnlich viel Leute vor die Bühne, was wohl an der Frontfrau lag. Die Band erinnerte sehr an Arch Enemy, mit einer energiegeladenen Antonie am Mikro, die die Männerherzen höher schlagen ließ. Damn thrashten gewaltig gut, nur fand ich schade, dass im Nachhinein jeder von der Frontfrau schwärmte und die Musik nebensächlich wurde. Rotor war mein persönliches Highlight: Instrumentaler 70iger Jahre Blumenrock, wie man ihn einst kaum besser spielen konnte.

Samstag 11. August 2007

Die Opener Sertycon schenkten jenen Leuten Merchandiseartikel, welche sich wagemutig in die Mitte einer Wall of Death trauten (siehe http://www.youtube.com/watch?v=pQlQD3hl94w).

Magnificent Brotherhood konnten den noch so Übelgelauntesten ein Lächeln ins Gesicht zaubern, mir sogar fast die Tränen, da ich noch nie eine Psychedelic Rockband live sah und sie nur von Geschichten und alten Platten meiner Hippieverwandschaft kannte. Die Berliner lassen die späten 60iger wiederauferstehen. Wen interessieren schon Bands wie The Kinks, The Animals, oder vielleicht noch die Beatles mit Revolver aus dem letzten Jahrhundert, wenn es Magnificent Brotherhood in diesem Jahrhundert gibt :). (CG)

Die niederösterreichischen Punkrocker Rentokill hatten am Anfang mit Soundproblemen zu kämpfen, trotzdem bildete sich sofort der erste große Moshpit vor der Bühne, was die Band gleich dazu veranlasste, nur noch mehr das Gaspedal durchzutreten. Danach enterten To Kill aus Rom die Bühne. Seit 2004 schart die italienische Hardcore Band eine treue Anhängerschaft um sich, welche vor der Bühne auch so richtig abfeierte. Neu in der Besetzung ist nur Gitarristin Camilla, welche alle Sympathien gleich auf ihrer Seite hatte. Die vegane Band bat anfangs um 5 Minuten Nachdenkzeit über das Leid der Tiere, was aber vollkommen unterging, dem Konzert selbst aber keinen Stimmungsabbruch bescherte.

Nach einer längeren Umbaupause betraten die heimlichen Headliner Orange Goblin aus London die Sauzipf Bretter: Ein spaciger, schwarz-neongrüner Backdrop zeigte gleich auch den letzten Zweiflern, welche Dröhnung gleich kommen sollte. Die Herren Ben Ward (v), Pete O`Malley (g), Martyn Millard (b) und Chris Turner (d) ließen von Beginn an nichts anbrennen, und so folgte ein Hit nach dem anderen. Besonderen Augenmerk legten sie auf ihr zweites Album „Time Travelling Blues“ („Blue Snow“, „Shine“). Auch ein Song „Cities of Frost“ vom neuen Album „Healing through fire“ fand im Set Platz. Ihr fetter, schwer Rock`n`Roll verseuchter Stoner lies die Menge aufkochen, und es waren einige in den ersten Reihen, die jede Textzeile mitsingen konnten.

Sänger Benn Ward wurde vom Mikrokabel in seiner Bewegungsfreiheit sichtlich eingeengt, was ihn aber nicht daran hinderte, den Fans in der ersten Reihe die Hände aufzulegen und ein Bad in der Meute zu nehmen. Sichtlich angetrunken, aber hoch motiviert, begeisterte er das Publikum und sorgte mit seinen „Orange- Goooblin“ Sprechchören für so manche Lacher im Publikum. Den Fans wie der Band machte das Konzert, trotz einsetzendem Nieselregens, einen Höllenspaß, es gab noch zwei Zugaben, ehe die Band unwillig von ihren Fans entlassen wurde. (MS)

Langweilig wirds bei dieser Spaßband Ultrawurscht („Wurscht“ kann „Wurst“, im Süden Österreichs auch „egal“ bedeuten, Anm. d. Red.) auf keinen Fall. Neben den witzigen Ansagen von Hans Wurscht an den Drums und den 3sekündigen Grindcore Einlagen gab es noch ein witziges Wettessen: Im Vorfeld waren per Internet zwei Teilnehmer ausgelost worden, die während der Show um die Wette 1 kg Leberkäse verschlingen mussten. Schließlich leistete Dr. Mett Wurscht (voc.) den „Ausziehen“ Chören Folge und bestritt nur mit einem Ultrawurscht Tanga bekleidet die letzte Nummer. (CG)

Trotz des schlechten Wetters war das Sauzipf dieses Jahr wieder ein ganz besonderes Festival, das mit viel Herzblut und unermüdlichem Einsatz auf die Beine gestellt wird. Vielen Dank an Veranstalter Heiner und seine freundliche Crew für diese zwei unvergesslichen Tage!

Text: Christian Girstmair (CG), Marlene Setz (MS)
photos: Christian Girstmair
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GastmitarbeiterInnen / guest contributions

Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. Grit Kabiersch, Maria Levin, Nina Ratavaara, Elvira Visser, John Wisniewski

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