Hell Over Vellach 2007

Trotz Schädelbrummen vom Event am Vortag in Villach ging’s gleich weiter zum Hell Over Vellach, nahe Mallnitz (Österreich). Einige Bands wie Hope U Rot (HUR) oder Hawkstone waren schon vor Ort, also gab es Gelegenheit zum Plaudern. Es stellte sich heraus, dass auch Kathe von HUR Kopfschmerzen hatte. Was wäre ich für ein böser Mensch, wenn ich ihm nicht gleich eine Aspirin angeboten hätte. Schon beim Soundcheck von HUR hörte ich die bemerkenswerte gute Soundqualität, und ein Kamerakran liess vermuten, dass es wohl eine DVD von diesem Event geben wird.

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Es ging los mit Shadowcry. Ich kannte die Band zwar nicht, jedoch der Sänger kam mir sehr bekannt vor: Wie sich herausstellte, handelte es sich um Tom, der am Vorabend beim Metal-Mania Event für Lionhead gesungen hatte. Da mir Lionhead nicht gefiel, erwartete ich von Shadowcry nicht viel, überraschenderweise wurde ich eines besseren belehrt. Sie boten mit ihrem melodischen Metal, der nicht durch das Keyboard, sondern durch die zwei Gitarristen bestimmt wurde, die sich gegenseitig duellierten. Der Sänger konnte durch seine Stimmvielfalt auch überzeugen, von rau und kräftig bis hin zu klarem Gesang bei den ruhigen Passagen war alles dabei. Die Bassistin, welche lange (sehr lange) lockiges Haar ihr Eigen nannte, konnte zwar spielerisch überzeugen, wirkte aber etwas orientierunglos auf der Bühne. Für ihren ersten gemeinsamen Auftritt wurde die Band von den Fans schon zu früher Stunde mit Gebange und lautem Applaus belohnt. Als es als Zugabe noch ein Pantera-Cover gab, flippte die Meute aus.

Nach einer längeren Pause betraten Hawkstone die Bühne. Eine sehr junge Band, welche wohl so ziemlich jedes Metalgenre abdeckt: Death, Melodic, Thrash, alles mit dabei. Die vier Jungs aus Obervellach (Ö) hatten es nicht leicht, die Fans, welche zuvor bei Shadowcry alles gegeben hatten, wieder zurück zur Bühne zu locken. Sänger Podi probierte es mit Durchsagen, aber seiner Aufforderung folgte leider keiner.

Madog welche als nächstes die Bühne betraten, sind wohl die Power Metaler schlechthin in Kärnten. Madog passten am heutigen Abend so ganz und gar nicht in das eher härte Rahmenprogramm. Aber die Band begeisterte uns total, auch der härteste Deathmetaler wippte mit einem Lächeln im Gesicht leicht mit dem Kopf. Die vier Jungs versprühten einen tollen 80ziger Jahre Flair in der Konzerthalle, und jedem schien das zu gefallen.

Hope U Rot, welche ich nun schon öfter gesehen habe, spielten diesen Abend das letzte Mal mit ihrer aktuellen Besetzung. Kev, der Drummer wird in Wien Ernährungswissenschaften studieren und daher die Band verlassen. HUR hat aber schon Ersatz, ein erst 17-jähriger Klagenfurter wird zukünftig mit den Drumsticks für die Huren jonglieren. HUR boten den meiner Meinung nach besten Auftritt, seit ich sie verfolge. Sänger Kathe grunzte so tief wie schon lange nicht mehr. Der technisch gut ausgeführte Deathmetal a la Dying Fetus war auch vom Sound her perfekt; ein besseres „Abschlusskonzert“ konnten die Huren wirklich nicht bieten.

Avenging Angels beeindruckten vor allem durch zwei Sänger. Das Sextett (zwei Gitarren, Bass, zwei Sänger, Drums) boten mit ihrem melodischen Deathmetal eine gute Show. Die Sänger teilten sich ständig den Gesang mit unterschiedlichen „Grunzstimmen“ bzw. Gekreische.

Zuguterletzt betrat zur Geisterstunde der Headliner die Bühne: Debauchery. Mit blutig verschmierten Gesichtern und blutgetränkter Kleidung wie Metzgermeister Hans-Wurscht sprang die Band nach kurzem Intro auf die Bühne. Nach dem ersten Lied forderte der Sänger die herumlungernden Leute auf, sich vor die Bühne zu begeben. Er erzählte auch, dass sie gerade aus Hamburg circa 1200 km ununterbrochen nach Kärnten gefahren seien (tolle Leistung). Nachdem das geklärt war, ging es blutig weiter. Sänger Tom, bekleidet mit einer Fliegerjacke, growlte was die Stimmbänder hergaben. Die Musiker waren richtige Showtypen, jeder poste, was das Zeug hält und schnitt Grimassen für die Kameras. Auch ich bekam an vordererster Front beim Fotografieren mein Blut ab. Die lauten Zugaberufe wurden von der Band erfüllt, nachdem sich der Sänger seiner doch zu warmen Fliegerjacke entledigt hatte.

Fazit: Hell Over Vellach, welches zum zweiten Mal stattfand, kann ich nur weiterempfehlen. Vom technischen Aspekt, wie Licht- und Soundqualität (großes Lob an die Techniker) bis hin zum preisgünstigen Bier und sogar Verpflegung war alles perfekt. Für jeden Musikfan war etwas dabei, sei es Thrash, Death, oder Powermetal. Das einzige Problem war die Hitze in der Halle: Wenn du dich da nicht ab und an die frische Luft begibst, kippst du fast um. Nichtsdestotrotz bin ich nächstes Mal wieder dabei.
text & photos: Christian Girstmair
aveng

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

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