Children Of Bodom (Teil 2): Alexi Laihos private Seite

Alexi “Wildchild” Laiho im Interview mit den Gewinnern des COB-Wettbewerbs, Sonja Blanco und Anita Nonnenmacher. Seltsame Phobien, Sex im Tourbus, Manowar, Helden und Namensgebungen wie Monica und Thelma – der Finne ließ kaum etwas aus.

Hast Du irgendwelche Phobien? Irgendwelche absurden Ängste?
Ich würde es nicht „Angst“ nennen, aber was mir wirklich Unbehagen bereitet, sind antike Dinge. Ich weiß nicht, warum, aber ernsthaft – es macht mich depressiv, wenn jemand antike Möbel oder etwas Ähnliches hat. Das bringt mich einfach zum ausrasten. Es bringt mich um, ehrlich! Ich mag auch keine alten Gebäude, keine Ahnung weshalb. Ich war in Italien und sorry, aber ich hasse Rom. Ich kann nichts dagegen tun. Ich liebe Helsinki und würde nie irgendwo anders in Europa hinziehen, aber vielleicht für einige Jahre in die Staaten, entweder nach Florida oder LA.

Du hättest keine prinzipiellen Bedenken dort zu leben – wegen Bush und dem ganzen?
Ich weiß, es ist ziemlich trendy, die USA und Bush zu hassen und ich bin auch kein Fan von Bush, aber ich bin nicht wirklich an Politik und dem ganzen Mist interessiert. Mich interessieren einfach Menschen und die Menschen in den USA mögen Bush auch nicht unbedingt. Sie sind nicht so gut wie die Leute in Europa darüber informiert, was Bush macht. Ich mag die Menschen dort.

Wie einfach oder schwierig ist es für Dich, von der Musik zu leben?
Ich möchte keine Villa in Beverly Hills haben, ich möchte einfach nur davon leben können und das war immer mein Ziel im Leben. Wir schaffen das seit 1999 glaube ich. Ich kann eigentlich auch nichts anderes, es ist also nicht gerade sicher. Wenn die Leute auf einmal COB nicht mehr mögen, bin ich in gewisser Weise gearscht. Das Einzige, was ich kann, ist Musik machen.

Ist das etwas, worüber Du Dir Sorgen machst?
Nein. Ich könnte jederzeit Gitarrentechniker oder ähnliches für eine andere Band werden.
Das würde mir nichts ausmachen, ich mag Gitarren, ich mag das Touren, ich weiß, wie man Gitarren wieder in Ordnung bringt. Ich bin auch jetzt eigentlich schon zufrieden gestellt, denn ich habe viel mehr bekommen, als ich jemals erträumt habe. Wenn also jetzt alles den Bach hinunter ginge, wäre ich dennoch glücklich. Es wäre nicht schlimm, wenn ich in zwei Jahren Gitarrentechniker bin.

Es gibt also nichts, was Du noch in Deinem Leben noch erreichen möchtest?
Doch, natürlich gibt es da etwas. Ich möchte mit der Musik weiter kommen. Wenn wir nur eine einzige Platte mehr verkaufen als mit dem letzten Album, bin ich glücklich. Was mich außerdem wirklich glücklich macht, ist, wenn wir live spielen und du sehen kannst, dass jemand 75 Minuten jede Menge Spaß haben kann und sich keine Sorgen um irgendetwas anderes macht.

Hast Du irgendwelche Idole in der Musikwelt, die Du bisher nicht getroffen hast, denen Du aber gerne einmal begegnen würdest?
Ja, da gibt es welche. Einige von ihnen sind tot, daher wird es niemals geschehen. Ich habe Zack Wylde und Steve Vai getroffen, was sehr cool war. Aber ich möchte Helden haben, zum Beispiel Ozzy. Ich will ihn nicht treffen, ich möchte einfach, dass er mein Held ist. Ich habe Schiss, jemandem zu begegnen, den ich mein ganzes Leben bewundert habe und dann ist er auf einmal ein Idiot. Das ruiniert alles. Mir ist das schon passiert und ich habe für mich entschieden, dass ich keine meiner Idole treffen möchte.

Mit wem ist es Dir denn so ergangen?
Muss ich Namen wie zum Beispiel die verdammten Manowar erwähnen? Ich hasse es, Manowar zu kritisieren, aber als ich gesehen habe, was das ganze eigentlich ist… – sorry Manowar, aber so ist es einfach. Diese Jungs waren einfach krank. Ich möchte meine Helden da behalten, wo sie sind, ich will nicht zu Nahe an sie herankommen.

Hast Du eine gute Tour-Geschichte für unsere Leser parat?
Da gibt es so einige, lass mich mal an etwas Spezielles denken. Naja, ich weiß nicht, ob ich das sagen sollte…

Wenn Du Dir nicht sicher bist, dann solltest Du sie wahrscheinlich erzählen, weil wir sie bestimmt hören wollen.
Das ist wahr. Auf unserer ersten US-Tour war da diese verrückte Frau. Sie kam zu unserem Bus und sagte: „Okay, ich bleibe jetzt für den Rest der Tour hier.“ Und ich sagte: “Okay, du kannst hier bleiben, das ist cool. Das ist zwar ziemlich verrückt, aber…“ Was dann passierte, war, dass ich total im Arsch war, betrunken, von Sinnen und schließlich mit ihr in meiner Koje Sex hatte. Ich habe oben im Bus geschlafen…

Ich habe mich immer gefragt, ob das möglich ist.
Ja, das ist es tatsächlich. Und danach sagte ich zu dem Mädchen: „Ich gehe und rauche eine Zigarette, also hab einfach Spaß.“ Sie blieb dort und ich ging in den Aufenthaltsbereich nach hinten und rauchte. Danach wollte ich ganz ehrlich einfach nur zurückgehen und schlafen, aber ich öffnete den Vorhang und unser Soundguy hatte Sex mit eben diesem Mädchen in meiner Koje. Ich meinte: „Junge, brauchst Du lange? Ich will schlafen.” Und er antwortete: “Warte noch zehn Minuten, dann sind wir fertig.” Ich dachte mir: “Fein, ich gehe zu Jannes Schlafplatz direkt neben meinem.” Ich ging also hin und Janne und ich lagen dann dort und hörten den beiden beim Sex zu – das ging ewig. War das krass genug?

Ja, doch!
Gibt es irgendwelche Rituale, wenn Du nach einer Tour wieder zu Hause angekommen bist?

Ja! Ich muss etwa eine Stunde für mich alleine haben, wenn ich zu Hause ankomme. Ich will dann einfach nur betrunken sein. Ich mache ein bisschen entspannte Musik an, trinke Weißwein oder so und liege auf meinem Teppich – immer noch davon geschockt, dass ich nun zu Hause bin. Dann lade ich meine Freundin oder Freunde zu mir ein und feiere. Wenn ich von einer Tour nach Hause komme und keine anderen Menschen sehe, macht mich das verrückt, weil es einfach so anders ist. Auf Tour siehst Du jeden jeden Tag und plötzlich sind alle weg – das ist irgendwie deprimierend. Am nächsten Tag verschwinde ich für zwei Wochen und tue nichts.

Jetzt eine Frage, die nur wirklich alberne Mädchen fragen können: Hast Du Namen für Deine Gitarren?
Ja, irgendwie schon, aber sie ändern sich ständig. Im Moment heißt die weiße Gitarre, mit der ich spiele, Mike Monroe nach dem Sänger von Hanoi Rocks. Wir haben im Studio aufgenommen und ich sah ein Magazin mit Hanoi Rocks auf dem Cover und fand, Mike Monroe sähe ziemlich lustig auf dem Foto aus. Ich habe es ausgeschnitten und auf meine Gitarre geklebt. Das Bild blieb dort während der gesamten Studio-Session und es ist tatsächlich immer noch drauf, daher heißt die Gitarre Mike Monroe. Ich mag es übrigens, meine Autos nach Mädchen zu benennen. Zur Zeit habe ich zwei Autos und eines von ihnen ist ein ´74 Dodge Monaco – ich mag amerikanische Autos, also ist der Name Monica. Und ich habe einen Pick-Up-Truck, der Thelma heißt.

Authors: Sonja Blanco and Anita Nonnenmacher, Photos: Den Nazarenko

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

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